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Systemkritik Kapitalismus in der Reichtumsfalle

Mehr Schulden statt mehr Wohlstand – das Wirtschaftssystem, wie wir es kennen, funktioniert nicht mehr gut. Warum es sich lohnt, nach Alternativen zu fragen.
  • Wolfgang Uchatius
20.11.2011 - 09:20 Uhr 24 Kommentare
An der französischen Côte d'Azur: Hier wohnen Reiche unter sich. Quelle: dpa

An der französischen Côte d'Azur: Hier wohnen Reiche unter sich.

(Foto: dpa)

Viele Tausend Jahre vor Beginn der großen Finanzkrise lebte in der Wüste Kalahari in Südwestafrika das Volk der !Kung*. Zähe, klein gewachsene Männer und Frauen waren das, die Antilopen und Zebras mit vergifteten Pfeilen töteten. Bevor sie das Fleisch aßen, verteilten sie es. Die Beute des einen gehörte auch den anderen, so war das bei den !Kung.

Anfang der 1980er Jahre lebten die !Kung noch immer in der Kalahari. Auch sonst hatte sich dort wenig verändert. Der Rest der Welt hatte das Auto, die Atombombe und den Aktienhandel erfunden. Die !Kung schossen noch immer ihre Pfeile ab. Noch immer waren sie es gewohnt, zu teilen. Aber nicht mehr lange.

Wenig später meldete ein amerikanischer Anthropologe gravierende Neuigkeiten aus den Dörfern der !Kung. Die Jäger blieben zu Hause, die Hütten standen jetzt so, dass die Nachbarn nicht mehr hineinsehen konnten, fast jede Familie hatte sich eine Kiste angeschafft, in der sie ihr Eigentum aufbewahrte. An den Kisten hingen Schlösser.

Was genau war geschehen? Nicht viel. Die Regierung von Botswana hatte begonnen, Handel mit den !Kung zu treiben. Die Marktwirtschaft war in die Kalahari gekommen, ein kleines, bis dahin überaus genügsames Volk hatte Gefallen am Eigentum gefunden, das war alles. Für die !Kung war es der Anfang vom Kapitalismus. Für uns war es der Anfang vom Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kennen.

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    Um das zu verstehen, hilft es, ein Bild heranzuziehen, das der österreichische Ökonom Joseph Schumpeter im Jahr 1942 kreierte, um das Wesen des Kapitalismus zu beschreiben. Es ist das Bild der Maschine. Ein durchaus passendes Bild, war der Aufstieg der Marktwirtschaft doch untrennbar mit technischen Erfindungen verknüpft, mit Dampfmaschinen, Lokomotiven, Hochöfen, Fließbändern. Da liegt es nahe, das ganze System als eine einzige große Maschine zu begreifen. Eine Maschine, die Dinge erzeugt, immer mehr davon, von Jahr zu Jahr.

    Der Durchschnittsdeutsche von heute besitzt: Fernseher, Bücher, Möbel, Digitalkamera, Elektroherd, Waschmaschine, Mobiltelefon, Auto, Computer. Insgesamt: 10.000 Gegenstände. Die Maschine war ziemlich erfolgreich. Damit sie weiterlaufen kann, damit die Unternehmen weitere, neue Dinge produzieren, brauchen sie Menschen, die sie ihnen abkaufen. In diesem Sinne bekam die große Maschine Ende der achtziger Jahre neuen, ungeahnten Schwung. Nach dem Mauerfall breitete sich der Kapitalismus rund um die Welt aus, bis in den letzten Winkel Osteuropas, Asiens, Afrikas, und überall fand er: neue Märkte. Er kam zu den Ukrainern und Rumänen, Indern und Chinesen, Vietnamesen und Kambodschanern. Und zu den !Kung.

    Die kapitalistische Maschine funktioniert nicht mehr richtig
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    24 Kommentare zu "Systemkritik: Kapitalismus in der Reichtumsfalle "

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • "Besitzt" ersetze man durch: Besitz!

    • Und die Moral von der Geschicht? - Man ändere die Systeme nicht!

      Als das Volk der Kung Fu kennenlernte, ging alles K. o. und es brach eine Zeit der Neuorientierung an, in der sich die Neo-Kungs mit den Fu's am Schlachtfeld trafen bis die Zins- und Bodenfrage gelöst worden war. Die Kungs fanden zurück zu ihrer Bescheidenheit, während sich die Fu's über den neuen Besitzt erfreuten.

    • Die Analyse, die augenblickliche Krise sei durch Sättigung des Marktes entstanden ist falsch.

      Die Ursache der Krise ist, daß die Politiker in vielen Staaten ihren Bürgern einen höheren Konsum ermöglicht haben als die Bürger erarbeitet haben. Dazu zählen auch Sozialleistungen. Die Differenz zwischen erarbeitetem und verbrauchtem Konsum wurde mit Krediten finanziert. Zur Befriedigung dieses schuldenfinanzierten Konsums sind neue Produktionsstätten entstanden, auch in China. Das Ganze ist zum Problem geworden, als die ersten Geldgeber befürchteten, sie würden ihr Geld nicht zurückbekommen. Um neue Geldgeber anzulocken, mußten immer höhere Zinsen geboten werden. Das geht nur kurze Zeit. - Es gibt keinen anderen Weg, der Konsum muß so weit gestutzt werden, daß er mit der Produktion im Einklang steht.
      Das Zurückfahren des Konsums führt dazu, daß diejenigen Produktionsstätten überflüssig werden, die nur durch den kreditfinanzierten Konsum entstanden sind. Es kann so zu einer sich verstärkenden Krise kommen. Zusätzlich zur Rückführung des Konsums auf Produktionsniveau muß auch noch gespart werden, um die Kredite zurückzuzahlen. - Für manche Staaten eine fast aussichtslose Situation.
      Also, die jetzige Krise ist nicht entstanden, weil die Märkte gesättigt sind und deshalb zu wenig konsumiert wird. Sie ist vielmehr entstanden, weil zu viel auf Kredit konsumiert wurde und man jetzt seinen Konsum drosseln muß. Keiner gibt mehr Kredite aus Furcht, sein Geld zu verlieren.

      Der Kapitalismus wird nicht am Reichtum zugrunde gehen. Wenn man Länder außerhalb des kapitalistischen Wohlstandsblocks bereist scheint die Idee, daß die Wirtschaft leidet, weil niemand mehr etwas benötigt, absurd. Vielmehr besteht die Gefahr für den Kapitalismus darin, daß die Politiker versuchen, ihr eigenes Versagen auf den Kapitalismus zu schieben und eine uninformierte Bevölkerung dann zu der Ansicht kommt, ein sozialistisches System wäre besser als ein kapitalistisches Wirtschaftssystem.
      H. Balke

    • die Alternative heisst KAPITALISMUS, es muss halt mal auch der der Pleite ist, Pleite gehen...

      StefaNO

    • "Es wird völlig vergessen, dass alle Mittelmeerstaaten seit Jahren über ihre Verhältnisse leben"

      wieso "vergessen"?
      ... es wird halt nicht erwähnt....

      Des weiteren sind es nicht nur die Mittelmeerstaaten - Portugal, U.k., USA liegen beispielsweise nicht am Mittelmeer.
      https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/rankorder/2187rank.html
      193 France $ -54,400,000,000
      194 United Kingdom $ -56,190,000,000
      195 Spain $ -63,650,000,000
      196 Italy $ -67,940,000,000
      197 United States $ -470,200,000,000
      -----------------------------------------------
      diese Defizite müssen natürlich irgendwie finanziert werden.
      Und: diese Defizite sind die Überschüsse der Exportnationen.

      Würde dies nicht finanziert werden,
      würde auf beiden Seiten die Wirtschaft auf ein recht kleines Niveau hinabrutschen.

      ... und hätte man dies von Anfang an niemals finanziert - z.B. mit fadenscheinigen Immobilien"Sicherheiten",
      dann hätte die Wirtschaft sich ganz anders entwickelt.
      Der ganze Aufbau in den BRIC basierte doch auf diesem Konsum der (vermeintlich) reichen Importnationen.
      Ohne diese laxe Kreditvergabe die letzten 20Jahre sähe die Welt heute ganz anders aus.

    • Ihr letzter Satz wird leider nur ein Wunsch bleiben.
      Schön wäre es, wenn es so wäre, aber ich sehe es leider nicht.
      Und auch das hängt mit dem System zusammen. So lange es allen Bürgern auch möglich gemacht wird, alles auf Pump zu knsumieren, kommt keinerlei Umdenken.
      Selbst Urlaub Abzahlung, das ist nur noch pervers.
      Hier muß man ran und dann könnte es vielleicht wahr werden mit dem Umdenken

    • Und schuld sind nicht die Bankster, sondern ein System USA, das es erlaubt, Menschen ohne jegliche Kreditwürdigkeit, Geld zu leihen, ohne dass dies wirksam kontrolliert und verhindert worden ist. Wenn der eine Bankmitarbeiter 10 Kredite verantwortungsbewußt vermittelt hat und sein betriebsinterner 30, die allesamt von der Geschäftsleitung genehmigt wurden, wer ist dann befördert worden? Das war schlicht weg organisierte Verantwortungslosigkeit.
      Es wird völlig vergessen, dass alle Mittelmeerstaaten seit Jahren über ihre Verhältnisse leben. Hätte man denen 2003, als die ersten Probleme bekannt wurden, weitere Kredite verweigert, hätte man ihr Geschrei bis zum Mond gehört. Deshalb musste man das Problem soweit reifen lassen, bis alle den Feuerschein des Brandes und den Rauch deutlich erkennen konnten.
      2. Wenn weltweit ein Krieg der Banken um die Märkte stattfinden und England und die USA alle regulatorischen Fesseln lösen, dann hat auch die dt. Regierung keine Wahl und muss die Regeln ändern, damit die dt. Banken nicht untergehen. Die Risiken wurden kleingeredet.

      Das ist so, als wenn ein Land LKW´s mit 60 Tonnen Zuladung und 140 KMH Höchstgeschwindigkeit erlaubt und alle anderen Länder müssen nachziehen, damit ihre Speditonen nicht bankrott gehen und dann wundert man sich über die entstehenden Horrorunfälle und sagt dann die Speditionen sind schuldig, wenn sie solche LKW´s einsetzen. Die wiederum merken an, ja sie hätten ein hervorragendes Fahrer- und Sicherheitsmanagement, bloß die Fahrer würden sich nicht dran halten. Der Fahrer meint dann, andere Verkehrsteilnehmer sind schuldig, weil sie in einer Nebelwand abbremsen, obwohl doch die Autobahn frei war. Am Schluss ist gar niemand schuldig.

    • Es wird immer Gier, Neid und Machtstreben unter den Menschen geben. Der eine hat die schönere Frau mit schöneren Zähnen und größeren Brüsten und umgekehrt, sind die Frau neidisch auf andere Frauen, weil sie einen größeren, stärkeren Mann hat der auch einen längeren hat. Alle die behaupten dieses Ungleichgewicht ändern zu können, leiden an Selbstüberschätzung! Die Gefühle eines Menschen sind nicht kontrollierbar, aber manipulierbar, deshalb, hat sich der Kapitalismus auf die Fahnen geschrieben, alles zu verkaufen ob man es braucht oder nicht, wie z.B. ein Tier namens Tamagotchi. Da der Kapitalismus nur noch scheitern kann, wird es wohl oder übel so sein, wie es vor hunderten von Jahren war. Die von etwas genug (Wasser, Ländereien, Gold, Vieh, etc.) haben, müssen es mit dem eigenen Leben verteidigen, denn die plünderten Horden werden über die Lande ziehen und sich dass wieder zurückholen, was die noch jetzige Elite mit Hilfe des Kapitalismus und die Marionetten (Politiker, Richter, Könige, Diktatoren, Gerwerkschaften, Kirche, etc.) die dafür eingesetzt wurden den Menschen hierzulande untergejubelt haben und dafür die dritte Welt bzw. andere Länder und deren Bevölkerung mit Hilfe wieder von Marionetten (Diktatoren) ausgebeutet haben. Das ist wie bei einem Auto, füllt man immer nur Bezin ein und fährt einfach und füllt nicht mal Wasser und Öl nach um die ganzen Teile zu schützen und den richtigen Betrieb zu gewährleisten, wird dass Auto zwangsläufig stehen bleiben, wie der Kapitalismus. Die Superreichen brauchen max. 20 Häuser um Ihre Gier zu stillen. Dafür ist dass Bankkonto 20 Milliarden schwer. Hätte dieser Reiche aber nur max. 1 Milliarde, wären 19 Milliarden im freien Verkehr, für tausende von Menschen mit Ideen, die dann tausende von Häusern kaufen. Die Gier der Superreichen ist ihnen zum Verhängnis geworden, die sägen den Ast ab auf dem sie sitzen. Die Reichen drehen den Menschen den Geldstrom ab und die kaufen nicht mehr deren Produkte!

    • Um die These des Autors zu entkräften, dass des Pudels Kern das fehlende Wachstum sei reicht ein Hinweis auf die historische Tatsache, dass es Blasen mit anschließendem Crash seit Jahrhunderten und je nach Definition auch Jahrtausenden gibt, schön nachzulesen z.B. in den Büchern von Stiglitz und Roubini. Das fehlende Wachstum kommt heute aber zweifellos massiv verschärfend hinzu bzw. hat die Probleme lange wirksam überdeckt und den Wohlstand zweifellos vergrößert. Lösen lässt sich das Problem aber nicht durch Wachstum weswegen es nicht der Kern des Problems sein kann.

    • Die Ungleichverteilung von Wohlstand als des Pudels Kern zu sehen ist wie in einem brennenden Auto mit 200 Sachen auf eine Wand zurasen und sich darüber beschweren, dass die Handbremse nicht funktioniert. Es gibt zu viel Geld weil Banken mit einem realwirtschaftliche Euro den sie haben zwanzig Buchgeld-Euro verleihen. Nur am Rand von Bedeutung ob sie das Geld mittellosen Häuslebauern verleihen oder verantwortungslosen Regierungen. Es wird immer Abnehmer geben. Und mit unvorstellbaren virtuellen Geldbeträge wird weltweit Casino gespielt, gezockt, versprochen, geliehen, gewettet bis irgendwo die Kettenreaktion einsetzt und die global F-bomb hochgeht.

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