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Tanker-Konflikt Botschaft aus dem Nahen Osten: Der Iran fürchtet sich weder vor Großbritannien noch vor den USA

Mit dem Festsetzen eines britischen Tankers will der Iran seine Standfestigkeit beweisen. Doch er bringt die Golf-Region damit auch noch näher an die Grenze eines Krieges.
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Iranische Behörden werfen der Besatzung der „Stena Impero“ vor, die Sicherheit auf See gefährdet zu haben. Quelle: AP
Der britische Öltanker „Stena Impero“

Iranische Behörden werfen der Besatzung der „Stena Impero“ vor, die Sicherheit auf See gefährdet zu haben.

(Foto: AP)

Teheran Das iranische Fernsehen wirbt mit Bildern, die den Konflikt noch weiter anzufachen drohen: Bewusst und stolz zeigen iranische Sender immer wieder, wie vier Schnellboote der iranischen Revolutionsgarden den unter britischer Flagge fahrenden schwedischen Tanker „Stena Impero“ umkreisen und maskierte Männer sich von einem Hubschrauber zu dem Schiff abseilen.

Die Kommentatoren aus dem Off betonen dabei immer und immer wieder, dass es den Revolutionsgarden trotz eines versuchten Eingreifens des britischen Zerstörers „Montrose“ gelungen ist, das Schiff in den Hafen Bandar Abbas am Ufer des Persischen Golfs zu bringen.

Die Botschaft an die Iraner und die Welt ist klar: Die Bilder der Tanker-Beschlagnahme und die Filmaufnahmen einer vor Kurzem angeblich von den USA abgeschossenen iranischen Drohne sollen zeigen, wie stark Irans Armee und die Revolutionsgarden sind. Und dass der Iran weder Großbritannien noch die USA militärisch fürchtet. Die Sprache tut ihr Übriges zur Propaganda: Großbritannien wird als „kleiner Teufel“, die USA als „großer Teufel“ bezeichnet.

Die britische Marine setzte vor zwei Wochen vor Gibraltar den unter Panamas Flagge fahrenden iranischen Supertanker „Grace I“ fest. Dass der Iran nun den unter britischer Flagge fahrenden Tanker „Stena Impero“ in der Straße von Hormus beschlagnahmt hat, soll zeigen: Der Iran lässt sich nichts gefallen.

Iranische Behörden werfen der Besatzung der „Stena Impero“ vor, die Sicherheit auf See gefährdet zu haben, indem das Boot auf der falschen Seite der Straße von Hormus in die sensible Meerenge eingefahren sei, und das auch noch mit ausgeschaltetem Responder.

Zudem habe es ein iranisches Fischerboot gerammt, der Besatzung nicht geholfen und Ölreste in den Persischen Golf geleitet. Die 23 Seeleute aus den Philippinen, Indien, Russland und Lettland müssen laut iranischen Medienberichten weiter an Bord bleiben für Befragungen.

Großbritannien droht dem Iran mit „ernsthaften Konsequenzen“

Im Schulterschluss mit den USA hat Großbritannien dem Iran wegen der Aktion mit ernsthaften Konsequenzen gedroht. Die britische Regierung erwägt Medienberichten zufolge Sanktionen gegen den Iran. Sie prüfe eine „Reihe von Optionen“, sagte Verteidigungsstaatssekretär Tobias Ellwood an diesem Sonntag dem Nachrichtensender Sky News. Der Nationale Sicherheitsrat (Cobra) hatte zuvor zweimal über die gefährliche Situation beraten.

Irans Parlament hingegen lobte in einer Resolution ausdrücklich das Vorgehen der Revolutionsgarden.

Das ist insofern bemerkenswert, als dass die Garden weder Parlament noch Regierung unterstehen, sondern nur vom Obersten Führer, Ajatollah Ali Chamenei, kontrolliert werden. Die Aktion zeigt somit ein Zusammenrücken der geistlichen und weltlichen Führung des Landes.

In einem auf der Website des persischen Fernsehsenders „Press TV“ veröffentlichten Artikel wird die Festsetzung der „Stena Impero“ in Verbindung gebracht mit der Aktion gegen den iranischen Öltanker „Grace I“, den die Behörden Gibraltars trotz des beharrlichen Drängens der iranischen Regierung seit Wochen nicht freigeben. „Im Gegensatz zur Piraterie in der Straße von Gibraltar ist unsere Aktion am Persischen Golf die Einhaltung der internationalen Seeregeln“, twittert auch Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif an diesem Sonntag.

Der Iran wirft zudem US-Sicherheitsberater John Bolton vor, hinter der Aktion gegen die „Grace I“ zu stehen. Er wolle damit eine weitere Konfrontation provozieren. Sollte er die Briten zur Festsetzung des iranischen Tankers gebracht haben, scheint das auch zu funktionieren: Neben den USA und Großbritannien verurteilten auch Deutschland und Frankreich Irans Vorgehen.

Der deutsche Außenminister Heiko Maas sagte der „Bild am Sonntag“, die Situation am Golf sei dadurch „noch ernster und gefährlicher geworden“ als ohnehin schon. Sollte die Diplomatie scheitern und es zu einer militärischen Eskalation kommen, gäbe es „keine Gewinner, nur Verlierer“, sagte der SPD-Politiker weiter.

Teheran isoliert sich mit seinen Aktionen also immer mehr. Die USA stationieren nun erstmals seit ihrem Abzug nach dem Irak-Krieg wieder Soldaten in Saudi-Arabien.

Die Region am Persischen Golf wird immer mehr zum Pulverfass

Für Irans Führung beweist das eigene Handeln Standfestigkeit. Geben die Briten ihren Tanker nicht heraus, schnappen sie sich eben einen britischen. Der Iran beharrt darauf, dass das Festsetzen der „Grace I“ illegal sei. Großbritannien hatte den Tanker unter dem Vorwurf festgesetzt, dass er Öl an Syrien liefere, obwohl das gegen die EU-Sanktionen gegen Syrien verstoße.

Teheran bestreitet bisher, dass das auf dem Schiff befindliche Öl für Syrien bestimmt gewesen sei. Und selbst wenn es an die syrische Raffinerie Banias hätte gehen sollen, seien ohnehin nur EU-Staaten an das Ölembargo gegen Syrien gebunden.

Diese Strategie aber ist brandgefährlich. US-Präsident Donald Trump hat bisher mit Militärschlägen gegen den Iran nur gedroht. Er hatte seinen Wählern versprochen, dass die US Army nicht mehr weltweit intervenieren und sich aus kostspieligen Kriegen heraushalten würde. Irans Verhalten aber gibt seinem Sicherheitsberater Bolton, der schon mitgeholfen hatte, den amerikanischen Irak-Einmarsch vorzubereiten und der offen zu einem „Regime Change“ in Teheran aufruft, immer mehr Auftrieb.

Irans Regierung macht dieser Tage zweierlei klar: Der begonnene Ausstieg aus dem Atomabkommen – über die im Vertrag festgeschriebene Anreicherungsobergrenze hinaus – werde fortgesetzt, wenn die andere Seite nicht einlenkt. „Wenn die Vereinigten Staaten und die Europäer ihren Verpflichtungen nicht nachkommen, dann haben wir auch das Recht dazu“, sagte Sarif dazu unmissverständlich.

Zugleich aber will die politische Führung weiter einen Kompromiss und ist noch nicht auf Kriegskurs. Sarif bot bei seinem Besuch bei der UN in New York an, sein Land sei nicht nur bis 2023, wie der Atomdeal festschreibt, sondern zeitlich unbegrenzt zu scharfen Kontrollen seines Nuklearprogramms durch die Internationale Atomenergiebehörde IAEO bereit. Wenn dafür die amerikanischen Sanktionen dauerhaft außer Kraft gesetzt würden.

Das ist die politische Seite des Konflikts. Aber die Revolutionsgarden schwören die Bevölkerung gerade mit Hurra-Parolen auf ein mögliches anderes Szenario ein.

Mehr: Der britische Außenminister musste um seinen Posten fürchten. Mit dem Konflikt am Persischen Golf bessern sich seine Chancen, sein Amt zu behalten.

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