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Tankerstreit London will Öltanker gegen iranische Zusicherung freigeben

Im Tankerstreit begrüßen London und Teheran eine friedliche Lösung. Der britische Außenminister Hunt stellte eine Freigabe des Schiffs in Aussicht.
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Die Behörden in Gibraltar und die britische Royal Navy hatten den Supertanker „Grace 1“ in der vergangenen Woche vor Gibraltar wegen des Verdachts auf illegale Öllieferungen nach Syrien festgesetzt. Quelle: AFP
Öltanker „Grace 1“

Die Behörden in Gibraltar und die britische Royal Navy hatten den Supertanker „Grace 1“ in der vergangenen Woche vor Gibraltar wegen des Verdachts auf illegale Öllieferungen nach Syrien festgesetzt.

(Foto: AFP)

London/Gibraltar/Teheran Im Streit zwischen London und Teheran über einen in Gibraltar festgesetzten Öltanker hat es erste Anzeichen einer Entspannung gegeben. Der britische Außenminister Jeremy Hunt stellte eine Freigabe des Schiffes durch die Behörden in dem britischen Überseegebiet in Aussicht, sollte der Iran zusichern, dass die Ladung nicht für Syrien bestimmt ist. Das teilte Hunt am Samstag nach einem Telefongespräch mit seinem iranischen Kollegen Mohammed Dschawad Sarif per Kurznachrichtendienst Twitter mit.

Hunt bezeichnete das Gespräch als „konstruktiv“. „Mir wurde von Außenminister Sarif gesagt, dass der Iran das Problem lösen will und keine Eskalation sucht.“

Das iranische Außenministerium in Teheran bestätigte auf seiner Webseite den Telefonkontakt der beiden Minister. „Wir hoffen, dass die rechtlichen Ermittlungen in Gibraltar schon sehr bald zur Freigabe des iranischen Tankers führen werden“, wurde der iranische Chefdiplomat zitiert. Sarif erwarte, dass London umgehend ein Ende der illegalen Festsetzung des Tankers anordne. Der Iran hat zwar stets dementiert, dass der Tanker nach Syrien fahren sollte, hat aber nie mitgeteilt, was dann das Ziel der Reise war.

Die Behörden in Gibraltar und die britische Royal Navy hatten den unter der Flagge Panamas fahrenden Supertanker „Grace 1“ in der vergangenen Woche vor Gibraltar wegen des Verdachts auf illegale Öllieferungen nach Syrien festgesetzt. Das Schiff soll nach Syrien unterwegs gewesen sein, was ein Verstoß gegen die europäischen Sanktionen gegen das Land wäre.

Der Kapitän und drei weitere Mitglieder der Besatzung wurden vorübergehend festgenommen, sind aber inzwischen wieder auf freiem Fuß. Der Iran will seine Ölexporte trotz angedrohter Sanktionen in jedem Fall fortsetzen.

Der Iran protestierte, bestellte mehrmals den britischen Botschafter ein und forderte, das Schiff sofort weiterfahren zu lassen. Der Oberste Gerichtshof in Gibraltar ordnete jedoch an, dass das Schiff mindestens bis zum 21. Juli nicht wieder auslaufen darf.

Verschärft wurde der Streit durch einen Zwischenfall mit einem britischen Tanker in der Straße von Hormus am Mittwoch. Britischen Angaben zufolge hatten dort drei iranische Boote versucht, ein britische Handelsschiff an der Durchfahrt zu hindern. Eine Fregatte zwang sie jedoch zum Abdrehen. Teheran bestritt jedoch, in den Vorfall verwickelt zu sein.

Das Öl-Förderland Kuwait bereitet sich auf eine mögliche Eskalation in der Golfregion vor. Das Emirat arbeite derzeit an Plänen zum Schutz seiner Häfen, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Kuna den Chef der Hafenbehörde, Scheich Yousef Abdullah al-Nasser al-Sabah. Für einen möglichen Notfall müsse das Land gerüstet sein. Kuwait zählt zu den zehn größten Ölproduzenten der Welt.

In der Straße von Hormus war es in jüngster Zeit zu Zwischenfällen mit Öltankern gekommen. Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Wasserwege weltweit und spielt für die Öltransporte in der Golfregion eine zentrale Rolle. Die Vorfälle um die Tanker trugen außerdem zu den bereits bestehenden Spannungen rund um die Uran-Produktion des Irans und das auf der Kippe stehende Atomabkommen bei.

Hunt und Sarif sprachen nach Angaben aus Teheran auch über die seit über drei Jahren im Iran inhaftierte Britin Nazanin Zaghari-Ratcliffe. Sarif habe erneut betont, dass Verurteilung der Frau, die auch die iranische Staatsbürgerschaft besitzt, rechtliche einwandfrei sei.

„Der Iran erwartet daher, dass auch Großbritannien das iranische Recht und die Unabhängigkeit der Justiz respektiert“, fügte Sarif hinzu. In den vergangenen Tagen kursierten Gerüchte, dass der Iran die 41-jährige Projektmanagerin der Thomson Reuters Stiftung im Gegenzug für die Freigabe des Tankers freilassen könnte.

Zaghari-Ratcliffe war nach einem Privatbesuch bei ihren Eltern im April 2016 verhaftet worden. Ihr werden Verschwörung, Zusammenarbeit mit westlichen Geheimdiensten und Spionage vorgeworfen. Die Doppelstaatlerin hat alle Vorwürfe zurückgewiesen, wurde aber trotzdem zu fünf Jahren Haft verurteilt. Alle diplomatischen Bemühungen der britischen Regierung, sie vorzeitig frei zu bekommen, sind bisher gescheitert.

Mehr: Der Iran hat angeblich versucht, einen britischen Tanker zu entführen. Es wäre nicht der erste Vorfall dieser Art. Aber steckt Teheran überhaupt dahinter?

  • dpa
  • rtr
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