Ted Cruz will US-Präsident werden Der Texaner mit dem falschen Geburtsort

Die Obama-Verwaltung ist „Ungeziefer“. Waffenkontrolle ist, wenn man trifft, worauf man zielt: Der Darling der Tea Party, Ted Cruz, will US-Präsident werden. Im Weg steht dem Texaner der Bush-Clan – noch.
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Der texanische Senator will ins höchste Amt der USA. Quelle: ap
Ted Cruz

Der texanische Senator will ins höchste Amt der USA.

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San FranciscoEr will Amerika wieder „zu alter Größe führen“. Und er will es als Präsident. „Ich kandidiere für die Präsidentschaft, und ich hoffe auf Eure Unterstützung“, twitterte Rechtsanwalt Ted Cruz am Montag. Über Jahre waren die Konservativen nicht müde geworden, die Legitimität von Barack Obama als Präsident anzuzweifeln. Schließlich sei er nicht in den USA geboren, so die Theorie, wie es das Gesetz verlangt. Und jetzt kommt Cruz. Der strammste aller Republikaner aus dem konservativen Herzland Texas. Der unnachgiebige Verfechter des Freiheitsrechts auf Waffenbesitz und Unabhängigkeit von der Zentralregierung in Washington.

Cruz hat einen kubanischen Vater, er selbst ist in Kanada geboren. Das bestreitet Cruz auch gar nicht und auch nicht eine kanadische Staatsbürgerschaft, von der er lange nichts gewusst haben will. Die hat er 2014 offiziell zurückgegeben.

Um markige Sprüche ist der Senator aus Texas nie verlegen. Parteiaktivisten in New Hampshire vergnügte er mit dem Vergleich, sie dürften Waffenkontrolle bestimmt genauso sehen wie die Menschen in Texas. „Waffenkontrolle ist, wenn du das triffst, auf das du gezielt hast“, ist seine Schnelldefinition.

Oder, wie TheState.com berichtet, seine burschikose Haltung zur angeblichen Regulierungswut der Obama-Verwaltung: „In den vergangenen sechs Jahren sind die Regulierer über die Wirtschaft gekommen wie Ungeziefer“, beschwert sich Cruz auf einer Parteiveranstaltung. Der einzige Unterschied sei, dass man „auf Regulierer keine Pestizide anwenden könne“. Darauf, feixte Cruz, habe ihm ein alter Farmer auf einer Veranstaltung in West-Texas zugerufen: „Wollen wir wetten?“

So sind sie, die Texaner. Ein freiheitsliebendes, ungezügeltes Völkchen in der USA, mit einer Wirtschaft aufgebaut auf Rohöl. Und wenn man hier in San Francisco mal einen an der Bar trifft, dauert es keine zehn Minuten, bis er stolz feststellt: „Am besten würde es uns gehen, wenn wir aus den USA austreten würden.“ Die üblichen Kommentare zur liberalen Gesellschaftsorientierung in Kalifornien und San Francisco schlechthin sind hier nicht abdruckfähig.

Das sind die Gesichter der Tea Party
Ted Cruz
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Christlich, konservativ, staatskritisch - so hat sich der Senator in wenigen Jahren zum Liebling der konservativen Tea-Party-Bewegung in der republikanischen Partei gemausert. Und mit dem Profil will er im kommenden Jahr auch die Wähler überzeugen: Er bewirbt sich für die Präsidentschaftswahlen 2016, „um Amerika wieder groß zu machen“. Cruz versteht sich als Gegenentwurf zum demokratischen Präsidenten Barack Obama. Dessen Gesundheitsreform lehnt er strikt ab und will sie umkehren, die Steuerbehörde IRS will er abschaffen, ebenso das Bildungsministerium. Er ist gegen die Homo-Ehe und gegen Abtreibungsrechte. Den Klimawandel zweifelt er an. In der Außenpolitik präsentiert sich Cruz als unerschütterlicher Unterstützer Israels.

Michele Bachmann
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Die rechtskonservative Abgeordnete im Repräsentantenhaus wollte bei der Präsidentschaftswahl 2012 antreten, zog ihre Kandidatur aber nach der ersten Vorwahl in ihrem Heimatstaat Iowa wieder zurück. Dort landete sie nur auf dem sechsten und damit letzten Platz. Bachmann ist gegen die Abtreibung und lehnt die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften strikt ab. Die Wirtschafts- und Finanzpolitik von Obama bezeichnet sie als „marxistisch“ und fordert ein Heraushalten des Staates aus dem Privatleben. Als „Botschaft Gottes“ interpretierte sie den Hurrikan Irene und das Erdbeben in Virginia 2011.

Sarah Palin
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Die Republikanerin war von 2006 bis 2009 als erste Frau Gouverneurin des US-Bundesstaates Alaska. Sie trat bei der Präsidentschaftswahl 2008 als Kandidatin für das Vizepräsidentenamt unter dem republikanischen Kandidaten John McCain an. Inzwischen ist sie von ihrem Gouverneursposten zurückgetreten. Bis 2013 war sie politische Kommentatorin bei Fox News sowie Aktivistin in der Tea-Party-Bewegung.

Glenn Beck
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Der Radio- und Fernsehmoderator gilt als ein besonders radikaler Vertreter der US-amerikanischen Rechten. Beck lehnt den Wohlfahrtsstaat und Abtreibungen ab. Er fordert ein Minimum an staatlicher Regulierung in Wirtschafts- und Finanzfragen und christlich-evangelikale Werte als Grundpfeiler der amerikanischen Gesellschaft.

Scott Brown
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Der 54-Jährige war von 2010 bis 2013 für den Bundesstaat Massachusetts im US-Senat. Nach dem Ausscheiden John Kerrys galt er als Wunschkandidat vieler Republikaner, den freigewordenen Sitz bei der Nachwahl im Juni 2013 zu erobern. Doch er lehnte ab. 2014 kandidierte er in New Hampshire, verlor aber gegen die demokratische Amtsinhaberin Shaheen.

Rand Paul
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Der Augenarzt hatte vor seinem Einzug in den Senat im Jahr 2010 noch kein politisches Amt inne. Er setzte sich in Kentucky gegen den Demokraten Jack Conway durch. Paul fiel politisch vor allem durch kritische Äußerungen über die Anti-Diskriminierungs-Gesetze in den 60er Jahren auf. So stellte er zeitweilig eine Regelung infrage, die es Restaurantbesitzern untersagt, Schwarze abzuweisen. Sein Vater Ron ist derweil kein Unbekannter. Mit Forderungen nach radikaler Marktfreiheit bewarb er sich schon zweimal ums Präsidentenamt. Ron Paul wird auch als „Großvater der Tea Party“ bezeichnet.

Marco Rubio
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Wegen seines adretten Auftretens wird der Sohn kubanischer Einwanderer von manchen Medien als „Pretty Boy“ (Hübscher Junge) der Tea Party bezeichnet. Er setzte sich bei der Senatswahl in Florida gegen den unabhängigen Kandidaten Charlie Crist und den Demokraten Kendrick Meek durch. Der Anwalt Rubio bezeichnete während seines Wahlkampfs die Regierung von Präsident Barack Obama mehrfach als ernste Gefahr für die Zukunft der USA. Neben Ted Cruz soll auch er Ambitionen auf das Präsidentenamt haben.

Und jetzt soll am texanischen Wesen die USA genesen. Nach dem geschliffenen Wall-Street-Republikaner Mitt Romney, der gegen Obama unterlag, jetzt das volksverbundene Raubein aus der Prärie, das es mit Hillary Clinton, der Grand Dame der Washingtoner Ostküsten-Liberalen aufnehmen soll.

Da wünschen sich die Demokraten schon fast lieber Jeb Bush als Sieger der Vorwahlen und Kandidat um das Präsidentenamt. „Er ist völlig ungeeignet Präsident zu werden“, kanzelte Kaliforniens demokratischer Gouverneur Jerry Brown den erst seit 2013 als Senator amtierenden Cruz vor laufender TV-Kamera am Sonntag bei „Meet the Press“ ab.

Seine am Vortag erneut aufgezeigte Verweigerungshaltung bei der Klimafrage sei „schockierend“ und disqualifiziere den Lieblingskandidaten der ultra-konservativen Tea Party vollständig. Cruz streitet einen menschengemachten Klimawandel wie viele andere konservative Politiker schlicht ab.

Gericht könnte für die Geburtsfrage eingeschaltet werden
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