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Tedros Adhanom Ghebreyesus Zahlungsstopp durch Trump: WHO-Chef steckt in der Peking-Falle

Der Frontalangriff des US-Präsidenten trifft Tedros Adhanom Ghebreyesus ausgerechnet mitten in der Coronakrise. Der WHO-Chef muss jetzt andere Geldgeber finden.
15.04.2020 - 17:26 Uhr 2 Kommentare
Der WHO-Chef verliert mit den USA seinen wichtigsten Geldgeber. Quelle: Reuters
Tedros Adhanom Ghebreyesus

Der WHO-Chef verliert mit den USA seinen wichtigsten Geldgeber.

(Foto: Reuters)

Genf Es wird es einsam um Dr. Tedros. Zuerst musste der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation Mitte März die meisten Mitarbeiter seines Genfer Hauptquartiers ins Homeoffice schicken. Lockdown. Tedros Adhanom Ghebreyesus hält seitdem als einer der wenigen Funktionäre die Stellung.

Dann musste sich der 55-Jährige immer lautere Kritik an seinem Kampf gegen die Pandemie gefallen lassen. Der frühere Gesundheitsminister und Ex-Außenminister Äthiopiens erhält rassistische Beleidigungen, Morddrohungen. „Das ist mir egal“, beteuert er.

Jetzt aber muss sich Tedros einem mächtigen Gegner stellen, der die gesamte WHO zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt in eine tiefe Krise stürzt: US-Präsident Donald Trump. Auch wenn Trump selbst die Coronakrise lange herunterspielte, seine Anschuldigungen haben es in sich.

Die WHO unter Tedros habe im Kampf gegen das Virus „schweres Missmanagement“ betrieben. Sie habe als Komplize des Ursprungslandes China sogar „die Ausbreitung des Coronavirus“ vertuscht. Trump kündigte an, die US-Beiträge an die WHO einzufrieren. Als Strafe für Tedros.

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    Das ist ein schwerer Schlag für den obersten Gesundheitswächter der Vereinten Nationen. Denn die US-Amerikaner zahlen von allen 194 Mitgliedsländern die größten Beiträge an die WHO. Nach Angaben Trumps überweist Washington pro Jahr zwischen 400 und 500 Millionen US-Dollar. Der Zweijahreshaushalt der WHO für 2020 und 2021 beläuft sich auf rund 4,8 Milliarden US-Dollar.

    WHO-Chef Tedros wird gezwungen sein, andere Geldgeber zu finden. Luca Burci (Ex-Chefjurist der WHO)

    „WHO-Chef Tedros wird gezwungen sein, andere Geldgeber zu finden“, betont Gian Luca Burci, Völkerrechtsprofessor in Genf und Ex-Chefjurist der WHO, gegenüber dem Handelsblatt. „Gerade in der Pandemie braucht sie das Geld.“

    Immerhin gab es nach dem Frontalangriff aus Washington schnell Beistand für Tedros: UN-Generalsekretär António Guterres verteidigte ihn, der Multimilliardär und WHO-Großsponsor Bill Gates auch. Und die Bundesregierung ließ verlauten, die WHO erledige „eine unglaublich wichtige Arbeit“.

    Zwar macht Tedros vieles richtig: So schickt er Experten und medizinische Ausrüstung in besonders betroffene Länder. Und er treibt die Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen voran. Doch zugleich leistet sich Tedros immer wieder auch grobe Fehler.

    Vor allem seine Nähe zu China erregt Misstrauen – so unterstützte Peking 2017 seine Wahl zum WHO-Chef. Vorige Woche etwa, Trump hatte gerade Drohungen gegen die Organisation ausgesprochen, stellte sich Tedros der Presse. Der Mann, der einen Doktortitel in Community Health erwarb, beschuldigte das WHO-Nichtmitgliedsland Taiwan: Die Insel vor der Küste Chinas steuere eine Kampagne gegen ihn.

    Mit diesem Hieb dürfte Tedros in der Volksrepublik China weitere Punkte gesammelt haben, die Volksrepublik betrachtet Taiwan als abtrünnige Provinz. Ende Januar lobhudelte Tedros: „China setzt derzeit neue Maßstäbe bei der Reaktion auf einen Ausbruch.“ Schon zu diesem Zeitpunkt mehrten sich die Zweifel an Chinas Coronapolitik.

    Trump stoppt WHO-Zahlungen: „Schlechte Handhabung und Vertuschung“

    Haben die Machthaber in Peking sofort reagiert? Haben sie korrekt informiert? Selbst John MacKenzie, Berater des WHO-Notfallkomitees zur Pandemie, räumte gegenüber dem britischen „Guardian“ ein, dass die Organisation von den Chinesen „ein wenig getäuscht“ worden sei. Viele Experten, auch WHO-Chef Tedros, dürften sich an 2002 und 2003 erinnert fühlen, als die Chinesen die Wahrheit über die Atemwegsseuche Sars verheimlichten.

    Auch in der jetzigen Krise wollte China so lange wie möglich seine guten Geschäfte mit dem Ausland weiterführen. Das funktioniert am besten mit offenen Grenzen. WHO-Chef Tedros betonte Anfang Februar, es gebe keinen Grund für Maßnahmen, die „unnötigerweise den internationalen Reiseverkehr und Handel beeinträchtigen“.

    Damit bewegte er sich zwar auf der Linie der internationalen Gesundheitsvorschriften – seine Empfehlung liefert Trump aber jetzt Munition.

    Der US-Präsident ordnete Ende Januar einen Einreisestopp für Ausländer an, die sich in den vorherigen zwei Wochen in China aufgehalten hatten. Doch der Erlass galt nicht für Bürger, die ihren legalen ständigen Wohnsitz in den USA haben. Laut „New York Times“ gelangten so in den ersten beiden Monaten nach der Verfügung 40.000 Reisende aus China in die USA. Für Trump steht der Verantwortliche fest: Dr. Tedros.

    Mehr: Lesen Sie hier, warum US-Präsident Trump mit seiner Kritik an der WHO ausnahmsweise recht hat.

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    2 Kommentare zu "Tedros Adhanom Ghebreyesus: Zahlungsstopp durch Trump: WHO-Chef steckt in der Peking-Falle"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Diese obskure Gestalt ist, das muß erlaubt sein, charakterlich und fachlich vollkommen ungeignet für dieses Amt.
      Das dramatische Scheitern der WHO sollte exemplarisch genommen werden. Auch andere UN Organisationen sind mit Ihren Aufgaben überfordert. Die Unicef ist leider nur noch dazu da Prominenten ein paar schöne, das Herz rührende Insta-Bildchen, zu verschaffen. Über die IRO brauchen wir wohl nicht weiter zu sprechen, die ist vollkommen abkömmlich. Sars CoV2 offenbart uns einmal mehr, die dringende Notwendigkeit einer Reform der UN. Beginnen wir mit der finanziellen Abhängigkeit von den USA. Die EU sollte hier zwingend ein Gegengewicht aufbauen.

    • Wahrscheinlich liegt Trump genau richtig mit seinem Verdacht wer an der weltweiten Misere Schuld ist..

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