Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Terroranschlag in Christchurch Attentäter soll weitere Anschläge geplant haben

Das rasche Eingreifen der Polizei hat womöglich Schlimmeres verhindert, denn der Täter wollte weitere Menschen ermorden. Premierministerin Ardern kündigte an, die Waffengesetze zu verschärfen.
Kommentieren
49 Menschen, die eben mit dem Freitagsgebet begonnen hatten, hat der 28-jährige Australier am Freitag in zwei Moscheen in der neuseeländischen Stadt Christchurch erschossen. Quelle: AFP
Trauernde in Christchurch

49 Menschen, die eben mit dem Freitagsgebet begonnen hatten, hat der 28-jährige Australier am Freitag in zwei Moscheen in der neuseeländischen Stadt Christchurch erschossen.

(Foto: AFP)

CanberraEin übergroßer weißer Schutzanzug, breiter Hüftgurt und Handfesseln: der mutmaßliche Massenmörder von Christchurch wurde am Samstagmorgen Ortszeit dem Richter vorgeführt. Nur Medien waren im Gerichtssaal zugelassen, für die Öffentlichkeit waren die Räumlichkeiten aus Sicherheitsgründen gesperrt worden. Der Australier wurde offiziell wegen Mordes angeklagt.

Brenton Tarrant verzichtete darauf, dass sein Name geheim gehalten wird. Eine Entlassung auf Bewährung beantragte er nicht. Am 5. April muss er erneut vor dem Gericht erscheinen.

49 Menschen, die eben mit dem Freitagsgebet begonnen hatten, soll der 28-jährige Australier am Freitag in zwei Moscheen in der neuseeländischen Stadt Christchurch erschossen haben. Unter ihnen seien auch Kinder, so Premierministerin Jacinda Ardern. Das jüngste Todesopfer war zwei Jahre alt, das älteste 60. 39 weitere Gläubige befinden sich noch in Krankenhäusern. 11 liegen mit lebensgefährlichen Verletzungen auf der Intensivstation.

Tarrant hatte seinen Amoklauf gefilmt und live im Internet gezeigt. In einem 74 Seiten starken „Manifest“ bekannte er sich zu rechtsextremem Gedankengut und seinem Hass gegen Muslime und Einwanderer.

Ardern meinte, der mutmaßliche Amokläufer sei nur 36 Minuten nach dem ersten Alarm von der Polizei festgenommen worden. Laut Polizei hatte er fünf Waffen bei sich, darunter zwei halbautomatische und zwei umgebaute Gewehre. Er sei unterwegs gewesen, um weitere Menschen zu ermorden, so Ardern. „Er hatte absolut die Absicht, seine Attacke fortzuführen“.

Drei weitere Personen waren ebenfalls festgenommen worden. Ein Verdächtiger wurde später wieder entlassen. Offenbar handelte es sich um einen bewaffneten Passanten, der den Opfern hatte helfen wollen.

Die Regierungschefin stellte in Aussicht, die im Vergleich zu anderen Ländern relativ liberale Waffengesetze Neuseelands zu verschärfen. Der mutmaßliche Täter habe die Gewehre auf legale Weise erworben – über einen von den Behörden ausgestellten Waffenschein. „Allein anhand der Tatsache, dass dieser Mensch einen Waffenschein bekam und Waffen dieses Kalibers kaufen konnte, werden viele Menschen Änderungen verlangen. Ich werde mich dafür einsetzen“.

„Waffengesetze werden geändert“

Die Ausstellung von Tarrants Lizenz müsse zwar noch von den Behörden geprüft werden, „aber eines kann ich jetzt schon sagen: unsere Waffengesetze werden geändert“, erklärte Ardern gegenüber den Medien. In Neuseeland kann jeder Bürger, der älter ist als 16 Jahre, einen Sicherheitskurs durchlaufen und danach Waffen kaufen.

Beobachter meinen, Neuseeland könnte ein ähnliches Modell erwägen, wie es das Nachbarland Australien nach einem Amoklauf im Jahr 1996 eingeführt hatte.

Seit der Ermordung von 35 Menschen durch einen Einzeltäter auf der Insel Tasmanien dürfen Australier keine halbautomatischen Gewehre mehr besitzen, die einem Kriminellen erlauben, innerhalb kurzer Zeit eine große Zahl von Geschossen abzufeuern. Selbst Einzelfeuerwaffen können nur mit unter strikten Bedingungen erworben werden. Seit der Einführung dieser Maßnahmen ist es in Australien zu keinen Massenerschießungen mehr gekommen.

Die Bevölkerung von Christchurch legte auch am Samstag an beiden Tatorten Blumen nieder. „Neuseeland ist in Trauer vereint“, meinte Ardern gegenüber den Medien. Vielerorts kam es zu spontanen Kundgebungen der Solidarität mit Muslimen. Fremde Menschen umarmten sich gegenseitig und spendeten sich Trost. Ardern besuchte die islamische Gemeinde in Christchurch und versprach unter anderem Hilfe bei der Beerdigung der Opfer sowie Unterstützung für Überlebende.

Rund ein Prozent der Neuseeländer gehören dem muslimischen Glauben an, insgesamt etwa 50.000 Menschen. Die meisten stammen aus Pakistan, Bangladesch, Indonesien, Somalia und der Türkei. Sie gelten als gut in die neuseeländische Gesellschaft integriert.

In der australischen Stadt Gosford, wo Tarrant aufgewachsen war, herrschte auch am Samstag ungläubiges Entsetzen. Der mutmaßliche Massenmörder war dort in einer Arbeiterfamilie groß geworden. Er sei ein unauffälliger und generell angenehmer Mitschüler gewesen, so einige seiner ehemaligen Klassenkameraden gegenüber dem australischen Fernsehen.

Später arbeitete Tarrant als Fitness-Trainer. Laut seiner ehemaligen Chefin im Fitness-Club, Tracey Gray, war ihr Mitarbeiter „ sehr professionell und zuverlässig – ein sehr guter Trainer“.

Attentäter reiste nach Nordkorea

Ausgedehnte Reisen nach Europa und Asien könnten Tarrant radikalisiert haben, spekulierten auch am Samstag Beobachter. So befand er sich unter anderem in Serbien, Bulgarien, Bosnien-Herzegowina und Nordkorea. In dem von der Polizei noch nicht als sein Werk bestätigen Hass-Manifest bezeichnet sich der Australier als weißen Nationalisten, der Einwanderer hasse.

Immigranten bezeichnet er als „Invasoren“. Tarrant warnt mehrfach, europäisch stämmige Menschen mit christlichem Glauben würden ihren Platz an Muslime verlieren. Auch erklärte er, dass er keiner bestimmten Organisation angehöre und die Attacken in Christchurch in den vergangenen drei Monaten geplant habe.

Donald Trump als Vorbild

Laut der Tageszeitung „The Australian“ soll Tarrant schon 2011 im Internet Andeutungen über seine Gesinnung gemacht haben: „Ich bin ein Monster der Willenskraft. Ich brauche nur ein Ziel“, so der spätere mutmaßliche Massenmörder.

Dass sich Tarrant rechtsextremem Gedankengut verschrieben hatte, wurde auch im Video ersichtlich, das der Täter mit Hilfe einer auf seinem Helm montierten Kamera gedreht und ins Internet gestellt hatte. Darin sind verschiedene rassistische Parolen und Symbole zu sehen, die Tarrant auf seine Waffen gemalt hatte. Eines von Tarrants Vorbilder scheint Donald Trump zu sein. Der amerikanische Präsident sei für ihn „das Symbol einer erneuerten weißen Identität“, schreibt er im Manifest.

Brexit 2019
Startseite

Mehr zu: Terroranschlag in Christchurch - Attentäter soll weitere Anschläge geplant haben

0 Kommentare zu "Terroranschlag in Christchurch: Attentäter soll weitere Anschläge geplant haben"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.