Terroranschlag in Stockholm Mutmaßlicher Täter ist 39-Jähriger aus Usbekistan

In Stockholm ist ein Lkw in eine Menschenmasse gerast, vier Menschen starben. Die Polizei ist sich sicher, den Täter gefasst zu haben. Sie könne aber nicht ausschließen, dass es weitere Komplizen gegeben habe.
Update: 08.04.2017 - 23:47 Uhr 7 Kommentare
Das Mordwerkzeug wurde in der Nacht von der Stockholmer Polizei abtransportiert. Quelle: AP
Zerstörter Lkw

Das Mordwerkzeug wurde in der Nacht von der Stockholmer Polizei abtransportiert.

(Foto: AP)

StockholmNach dem Lkw-Anschlag in Stockholm hat die Polizei die technischen Untersuchungen am Tatort abgeschlossen. Die Absperrungen rund um die Einkaufsstraße Drottninggatan seien aufgehoben, sagte eine Polizeisprecherin am späten Samstagabend.

Die Ermittler teilten zuvor mit, auf dem Fahrersitz des Tatfahrzeugs sei „ein technisches Gerät“ gefunden worden. Um was es sich genau handelte, solle nun eine Untersuchung klären, so Reichspolizeichef Dan Eliasson. Medien hatten spekuliert, es könne eine Bombe sein. Diese sei in einer Tasche entdeckt worden, berichtete der staatliche Sender SVT am Samstag unter Berufung auf Polizeikreise. Der Chef der schwedischen Sicherheitspolizei sagte dazu dem Sender TV4, er könne das nicht bestätigen.

Währenddessen hat die schwedische Staatsanwaltschaft am Samstag einen Verdächtigen offiziell „terroristischer Straftaten durch Mord“ beschuldigt. Staatsanwalt Hans Ihrman teilte mit, der nicht näher bezeichnete Verdächtige werde bis Dienstagmittag eine Anhörung bekommen oder freigelassen. Die schwedische Polizei teilte mit, der verhaftete Mann sei „wahrscheinlich“ der Fahrer des gestohlenen Lastwagen, der am Freitag in einer Stockholmer Fußgängerzone Passanten überfuhr und in ein Kaufhaus krachte. Vier Menschen wurden dabei getötet und 15 verletzt.

Unklar sei, ob noch andere Personen in die Tat verwickelt seien. Zuvor hatte die Polizei bei ihm bereits von größtmöglichem Verdacht einer terroristischen Straftat und des Mordes gesprochen. Die Ermittler hatten Bilder eines Mannes veröffentlicht und die Bevölkerung um Mithilfe bei der Suche nach ihm gebeten. Die Bilder seien in unmittelbarer Nähe des Tatorts aufgenommen worden. Auf den Fotos sieht man einen Mann mittleren Alters mit einer grauen Kapuzenjacke.

Der nach dem Lkw-Anschlag in Stockholm festgenommene Mann ist nach Angaben der Ermittler Usbeke und 39 Jahre alt. Das bestätigten die Behörden am Samstag auf einer Pressekonferenz. Die Sicherheitspolizei habe im vergangenen Jahr Informationen über den Verdächtigen gehabt, die Angaben hätten sich aber nicht bestätigen lassen. „Wir konnten keine Verbindungen zu extremistischen Milieus bestätigen“, sagte Anders Thornberg von der schwedischen Sicherheitspolizei.

Eine angebliche Bekannte des Tatverdächtigen bezeichnete den mutmaßlichen Täter Medien zufolge als „ganz normalen Arbeiter“ bezeichnet. Er sei „kein religiöser Fanatiker“, sagte die Frau der Tageszeitung „Dagens Nyheter“ (Samstag). Sie gab an, dem usbekischen Landsmann ihre Postadresse zur Verfügung gestellt zu haben.

Vor einiger Zeit habe ein gemeinsamer Bekannter sie gefragt, ob der Mann seine Post an ihre Adresse schicken lassen könne, und sie habe zugestimmt. „Wir Usbeken helfen einander“, sagte die Frau dem Blatt. Sie habe in den vergangenen Jahren nur bei der Übergabe der Post Kontakt mit dem Mann gehabt. Zuletzt habe sie ihn im Sommer 2016 gesehen.

Demnach soll der 39-Jährige im Baugewerbe gearbeitet haben. Seine Frau und Kinder hätten nicht in Schweden gelebt. „Ich kann nicht verstehen, dass irgendjemand unschuldige Menschen würde töten wollen“, wurde die Frau von der Zeitung zitiert. „Ich habe nie irgendwelche Anzeichen gesehen, dass er ein Extremist war oder sich für Religion interessierte. Im Gegenteil, wie viele Usbeken in Schweden hat er gefeiert und Alkohol getrunken.“

„Ich fühle große Trauer und Leere“
Kronprinzenpaar besucht Anschlagsort
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Schwedens Kronprinzessin Victoria (39) und ihr Mann Prinz Daniel (43) haben am Tag nach dem Lkw-Anschlag in Stockholm in der Nähe des Tatorts rote Rosen niedergelegt. „Ich fühle große Trauer und Leere“, sagte die Thronfolgerin laut der Boulevardzeitung „Aftonbladet“ am Samstag. „Aber ich fühle trotzdem eine Stärke, denn die Gesellschaft hat mit enormer Kraft gezeigt, dass wir uns dem hier entgegensetzen.“

Nach dem Anschlag in Stockholm
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Auf die Frage eines Reporters, wie das Land durch diese schwere Zeit kommen solle, antwortete Victoria demnach: „Zusammen.“ Zuvor hatte ihre jüngere Schwester Prinzessin Madeleine (34) auf Facebook geschrieben: „Meine Gedanken sind bei meinem geliebten Stockholm und den Betroffenen und ihren Familien.“ Madeleine lebt mit ihrem Mann Chris O'Neill und ihren beiden Kindern in London.

Terroranschlag
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Am Freitagnachmittag war in Stockholm ein gestohlener Brauereilastwagen durch die Fußgängerzone gerast und in ein Kaufhaus gekracht. Vier Menschen wurden getötet, 15 weitere verletzt. Von den Verletzten wurden am Samstag sechs aus dem Krankenhaus entlassen; neun andere, darunter ein Kind, mussten weiter stationär behandelt werden, teilte das Stockholmer Karolinska-Krankenhaus mit.

Terrorakt
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Der schwedische Ministerpräsident Stefan Löfven sprach schon kurz nach dem Anschlag von einem Terrorakt. „Schweden wurde angegriffen“, sagte Löfven auf einer Pressekonferenz. Zu der Tat, die an die Anschläge in London, Berlin und Nizza erinnert, bekannte sich zunächst niemand.

Verdächtiger in Haft
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Einen Tag nach dem Lkw-Anschlag in Stockholm haben die schwedischen Behörden am Samstag mitgeteilt, sie hätten den mutmaßlichen Täter in Gewahrsam. Staatsanwalt Hans Ihrman teilte mit, der Mann sei als Verdächtiger identifiziert, „terroristische Straftaten durch Mord“ begangen zu haben. Die Zeitung „Aftonbladet“ berichtete, bei der verhafteten Person handele es sich um einen 39-jährigen Mann aus Usbekistan. Die Polizei äußerte sich dazu nicht.

Die Tatwaffe
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Augenzeugen berichteten, ein LKW sei in ein Kaufhaus gefahren. Auf der Straße seien mit Tüchern abgedeckte Körper zu sehen. Die Brauerei Spendrups bestätigte, dass ihr ein Lieferwagen gestohlen wurde. Als der Fahrer eine Lieferung bei einem Restaurant abgeladen habe, sei jemand in das Fahrzeug gesprungen und davongefahren, sagte ein Sprecher der Brauerei der schwedischen Nachrichtenagentur TT.

Ausnahmezustand
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Die Polizei warnte die Bevölkerung davor, die Innenstadt zu betreten. Der U-Bahn- und Zug-Verkehr wurde eingestellt. Erst am frühen Samstagmorgen rollten wieder Züge aus den Bahnhöfen.

Die Polizei in Stockholm schließt nicht aus, dass an dem Lkw-Anschlag mit vier Toten mehrere Täter beteiligt waren. „Wir können weiter nicht ausschließen, dass mehr Personen in die Attacke verwickelt sind“, sagte Eliasson, am Samstag auf einer Pressekonferenz. Es werde weiter ermittelt. Er zeigte sich zuversichtlich, dass der am Freitagabend Festgenommene der Mann ist, der den Lastwagen in eine Menschenmenge und dann in ein Kaufhaus gesteuert hat. „Nichts deutet darauf hin, dass wir die falsche Person haben“, sagte Eliasson.

Mitten in der Rushhour war am Freitag gegen 14.50 Uhr ein Lkw mit hoher Geschwindigkeit in das Kaufhaus Åhlens in der zentralen Fußgängerstraße Drottningsgatan gerast. Mehrere Augenzeugen berichteten, dass sie sich in die umliegenden Geschäfte retten mussten, um nicht von dem Lkw erfasst zu werden. Der Fahrer soll eine Jacke mit Kapuze getragen haben, die sein Gesicht größtenteils verdeckte. Nach unbestätigten Angaben gab es einen Schusswechsel vor dem Kaufhaus. Ob der Täter dabei verletzt wurde, ist noch nicht klar.

Nicht nur rund um das Kaufhaus, sondern in vielen Teilen der Stockholmer Innenstadt patrouillierten schwerbewaffnete Polizisten. Quelle: AP
Bewaffnete Polizisten in Stockholm

Nicht nur rund um das Kaufhaus, sondern in vielen Teilen der Stockholmer Innenstadt patrouillierten schwerbewaffnete Polizisten.

(Foto: AP)

Für die Opfer des Lkw-Anschlags in Stockholm soll es am Montagmittag eine Gedenkfeier und eine landesweite Schweigeminute geben. Das kündigte Schwedens Ministerpräsident Stefan Löfven am Samstag an, nachdem er einen Strauß roter Rosen in der Nähe des Tatorts niedergelegt hatte. „Heute ist ein Tag der Trauer“, sagte Löfven. Jetzt müssten er und seine Landsleute versuchen, ihre Wut in etwas Konstruktives zu verwandeln. „Wir sind eine offene, demokratische Gesellschaft, und das werden wir auch bleiben.“

Mittlerweile ist eines der vier Todesopfer des mutmaßlichen Terroranschlags in Stockholm identifiziert. Die Ermittler hätten die Angehörigen benachrichtigt, sagte eine Polizeisprecherin am Samstagabend. Zu Geschlecht und Alter des Opfers wollte die Sprecherin keine Angaben machen. Informationen über die anderen drei Opfer werde die Polizei erst herausgeben, wenn die Angehörigen informiert seien.

„Schweden ist angegriffen worden“, erklärte ein sichtlich erschütterter schwedischer Regierungschef. „Alles deutet auf eine Terrorattacke hin“, sagte Stefan Löfvén. Und an den oder die Täter gerichtet: „Ihr werdet uns nicht unterdrücken, ihr werdet nicht über unser Leben bestimmen, ihr werdet niemals gewinnen“. Löfvén selbst befand sich zum Zeitpunkt der Tat in Katrineholm, kehrte aber noch am Freitag in die Hauptstadt zurück.

Auch Schwedens König Carl Gustav teilte mit, dass er seinen Aufenthalt in Brasilien abbreche und unmittelbar nach Schweden zurückkehre. Später, vor dem Königspalast in der Hauptstadt, verurteilte er den Lkw-Anschlag als „verachtenswürdig“. Doch ihm gebe Hoffnung, „dass all diejenigen unter uns, die helfen wollen, viel zahlreicher sind als diejenigen, die uns schaden wollen“, sagte der Monarch. Zudem lobte das Staatsoberhaupt Polizei und Rettungsdienste für ihre „tolle Arbeit“.

Schwedens Kronprinzessin Victoria und ihr Mann Prinz Daniel haben am Samstag in Stockholm in der Nähe des Tatorts rote Rosen niedergelegt. „Ich fühle große Trauer und Leere“, sagte die Thronfolgerin laut der Boulevardzeitung „Aftonbladet“ am Samstag. „Aber ich fühle trotzdem eine Stärke, denn die Gesellschaft hat mit enormer Kraft gezeigt, dass wir uns dem hier entgegensetzen.“ Auf die Frage eines Reporters, wie das Land durch diese schwere Zeit kommen solle, antwortete Victoria demnach: „Zusammen.“ Zuvor hatte ihre jüngere Schwester Prinzessin Madeleine auf Facebook geschrieben: „Meine Gedanken sind bei meinem geliebten Stockholm und den Betroffenen und ihren Familien.“

Im ganzen Land soll die Polizeipräsenz deutlich erhöht werden. Anders Thomberg von der Sicherheitspolizei erklärte auf einer Pressekonferenz, dass er über das Attentat angesichts ähnlicher Anschläge nicht überrascht sei. „Allerdings hatten wir keine Erkenntnisse über eine bevorstehende Tat“, sagte er.

Alle Krankenhäuser der Stadt wurden in „Katastrophenzustand“ versetzt. Außerdem beschloss die schwedische Regierung am Abend, die Kontrollen an den Grenzübergängen zu verschärfen. Auch in der norwegischen Hauptstadt Oslo wurden die Sicherheitsmaßnahmen nach dem Vorfall in Stockholm verschärft. Auf dem Flughafen der norwegischen Hauptstadt patrouillierten am späten Freitagnachmittag schwerbewaffnete Polizisten.

Die Stockholmer Polizei forderte die Bevölkerung auf, Ruhe zu bewahren und die Stockholmer Innenstadt zu meiden. Der öffentliche Nahverkehr wurde eingestellt. Das Mobiltelefonnetz in der Innenstadt brach zeitweise zusammen. Viele Passanten wollten ihre Angehörigen beruhigen. Die meisten Kinos und Theater sagten ihre Vorstellungen ab. An mehreren Schulen durften die Schüler auch nach Unterrichtsschluss das Schulgebäude nicht verlassen. Rund um das Kaufhaus Åhlens herrschte nach der Attacke Chaos.

Am Freitagabend hatten zudem Tausende zu Fuß nach Hause gehen müssen. Viele Stockholmer boten den Menschen, die außerhalb der Stadt wohnten, eine Unterkunft an. Auf diese Solidarität könne Schweden stolz sein, sagte Regierungschef Stefan Löfven am späten Abend. An den oder die mutmaßlichen Täter gerichtet hatte der Sozialdemokrat zuvor gesagt: „Ihr könnt nicht über unser Leben bestimmen. Ihr werdet niemals gewinnen.“

Fahrer einer Brauerei überwältigt und angefahren
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7 Kommentare zu "Terroranschlag in Stockholm: Mutmaßlicher Täter ist 39-Jähriger aus Usbekistan"

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  • Wenn 265000 Syrer ihre Familien nach Europa, sprich Deutschland nachholen können, dann erwarte ich, dass diese Personen kein Asyl sondern lediglich ein Aufenthaltsrecht von begrenzter Dauer erhalten. Wenn die erwartete nächste "Afrikawelle" nach Europa und Deutschland im Sommer reinschwappt, wird das Establishment in Berlin einfach weggeschwemmt......Danke Frau Merkel, Herr Schulz, Frau soundso und die anderen "Nullinger"

  • Ein ganzer Kontinent geht langsam unter und alle schauen zu.


  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Die beiden letzten Kommentare hake ich mal als "blanken Sarkasmus" ab, wenngleich ich leider davon ausgehen muß, dass diese ernst gemeint sind. Die Welt wird eben nicht besser, wenn man total unkontrolliert, in kürzester Zeit Millionen Menschen verschiedener kultureller Herkunft und Glaubens miteinander vermischt. Diese lassen sich dann im "Idealfall" (s. Erdogan) auch noch ""wunderbar" für eigene Zwecke im Ausland instrumentalisieren. Aber pünktlich nach der Wahl in 2018 dürfen dann ja, wie vor 2 Tagen zu lesen, 265000 Syrer in Deutschland zusätzlich ihre Familien nachholen. Mahlzeit!
    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Alle paar Wochen ein Anschlag irgendwo in Europa. Trotzdem muss man weiterhin weltoffen bleiben und alle Menschen muslimischen Glaubens willkommen heißen.

  • Herr Peter Kastner@ wie kann man Probleme lösen, wenn man sie nicht reinlässt.
    Welch eine Verweigerung an die Wirklichkeit man muss doch alles tun, damit die Welt besser wird.

  • Ausgerechnet die liberalsten und weltoffensten Schweden, die mit die meisten Flüchtlinge genommenen haben. werden bestraft. Vor kurzem wurde über Trump im Zusammenhang mit Schweden noch gelacht, aber ich glaube, über Trump lacht keiner mehr. Die VisegradGruppe mit Ungarn macht es am besten. Gar nicht erst reinlassen die Probleme.

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