Terrorgefahr in Deutschland Jung, entwurzelt, radikalisiert

Kanada steht unter Schock. Doch der Anschlag auf das Parlament in Ottawa ist nicht völlig überraschend, sagen Experten. Auch in Deutschland könnte es Anschläge geben. Denn die Täter sind unberechenbar.
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Es sind vor allem Einzeltäter, die gerade bei Anschlägen wie in Kanada auffallen.

Es sind vor allem Einzeltäter, die gerade bei Anschlägen wie in Kanada auffallen.

DüsseldorfEr handelt allein. Ist männlich, jung, sozial entwurzelt, mit kleinkriminellem Hintergrund. Selbstradikalisiert. Und vermutlich Islamist. So beschreibt Markus Kaim, Sicherheitsexperte von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), den Täter in Ottawa, Kanada, der gestern ins Parlament eindrang und mindestens 30 Schüsse abgab. Ein Wachsoldat wurde dabei schwer verletzt und starb später. Drei Menschen mussten im Krankenhaus eingeliefert werden. Die Mehrzahl der Parlamentarier und Premier Stephen Harper kamen unverletzt davon.

Bisher ist wenig über den Täter bekannt. Laut Medienberichten soll es sich um Michael Zehaf-Bibeau handeln, angeblich 1982 in Kanada geboren, angeblich zum Islam konvertiert. Ein Freund soll ihn als „geisteskrank“ beschrieben haben. Sein Foto war laut City News Toronto und The Independent bei Twitter aufgetaucht, es zeigt ihn mit Waffe in der Hand. Zehaf-Bibeau soll in der Vergangenheit wegen Drogen- und Raubdelikten im Gefängnis gesessen haben.

Kanada steht unter Schock. Die Menschen fragen sich: Wie konnte das passieren? Und das bei uns? In unserem ruhigen Land? Dabei hatte es schon Anfang der Woche einen Anschlag gegeben – in Montreal. Dort überfuhr ein Mann zwei Soldaten mit dem Auto. Auch auf diesen Täter trifft das von SWP-Experte Kaim beschriebene Muster zu: Wieder ein Einzeltäter, wieder ein junger Mann, Islamist, wieder selbstradikalisiert – ob über das Internet oder eine Moschee sei unklar, aber beides denkbar. Das Muster macht es so schwierig, solche Attentate vorherzusehen. Nicht nur in Kanada.

„Auch in Deutschland wären solche Attentate nicht überraschend“, sagt Kaim. Seine Begründung: Kanada sei ein Einwanderungsland mit vielen Muslimen, in dem darüber diskutiert werde, inwieweit es sich im Kampf gegen den Islamischen Staat (IS) engagiere – ebenso wie in Frankreich, Großbritannien, Deutschland und andere Ländern.

Das Engagement in Afghanistan und nun bei Einsätzen gegen den IS sei ein weiterer Punkt. Diese Rahmenbedingungen zusammengenommen mit der Beschreibung der Täter lasse die Wahrscheinlichkeit ähnlicher Anschläge auch bei uns und in unseren Nachbarländern größer werden.

„Wie auf radikalisierte Einzelkämpfer aufmerksam werden?“
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18 Kommentare zu "Terrorgefahr in Deutschland: Jung, entwurzelt, radikalisiert"

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  • Unberechenbar? Hr. Gauck forderte doch Schulung für die Islamgläubige. Dies ist also das Ergebnis! Unsere Systeme können doch nur auf Anweisung unserer Politiker versagen.


  • Willi2 ein gutes Beispiel für Realitätsverweigerung. Sie können aber mit Karl Martell anfangen sich auf dem Pfad der Realität zu begeben.

  • @ Annette Bollmohr „Also sollten wir alle (die „Außenstehenden“) uns mal schleunigst Gedanken darüber machen, woraus dieses Wasser besteht (und zwar, ohne in der Zwischenzeit die Opfer der Perfidie solcher Verführer ihrem – und letztlich auch unserem – Schicksal zu überlassen!!).“

    Diese Leute, „die jungen, entwurzelten, radikalisierten“, fallen doch nicht vom Himmel. Die sind z.T. hier geboren, mindestens aber hier aufgewachsen. Die Frage, die sich in diesem Zusammenhang stellt, ist, was passiert in deren Familien, daß sie „entwurzelt und radikalisiert“ sind. Gerade aus dieser bestimmten Zuwanderergesellschaft wird „die Familie“ immer als so besonders dargestellt und nun stellt sich heraus, daß da etwas nicht stimmen kann. Fest steht, daß in viel zu vielen Zuwandererfamilien des islamischen Kulturkreises Gewalt innerhalb der Familie das Band ist, das jeden Ausbruch in eine andere Welt verhindert. Nur die eigene Welt gilt und die ist, wie deren Glaube, von Gewalt geprägt. Das Problem der diese Menschen aufnehmenden Gesellschaft ist, daß sie vor dieser Gewalt, mit Toleranzgeschwafel zurückweicht und denen keine Grenzen aufzeigt, die dann mit Nachdruck durchgesetzt werden.

  • "Jung, entwurzelt, radikalisiert"

    Sie bringen es auf den Punkt: Diese Menschen haben keinerlei Halt:
    Sie sind jung, also unerfahren, und haben in ihrem bisherigen Leben offenbar noch nie die Erfahrung von Sicherheit, Geborgenheit, geschweige denn Anerkennung gemacht.
    Im Klartext: Ihnen fehlt etwas ganz Essentielles, d.h. sie sind wie ein trockener Schwamm, der formbar wird, sobald er mit irgendeiner Flüssigkeit getränkt wird.

    Und genau diesen Umstand nutzen die (i.d.R. älteren und somit erfahreneren) Verführer, in diesem Falle: die Islamisten, für ihre eigenen Zwecke aus.

    Was lernt ein „Außenstehender“ jetzt daraus?

    Doch wohl hoffentlich, dass diese verführten jungen Leute in Wirklichkeit nach „Wasser“ (und nicht nach dem angebotenen „Öl“) dürsten!!

    Also sollten wir alle (die „Außenstehenden“) uns mal schleunigst Gedanken darüber machen, woraus dieses Wasser besteht (und zwar, ohne in der Zwischenzeit die Opfer der Perfidie solcher Verführer ihrem – und letztlich auch unserem – Schicksal zu überlassen!!).

  • @ Peter Spiegel

    Ihr "wir", das schon 1000 Jahre gegen den Islam kämpft, evoziert ein Kollektiv, das Sie vielleicht gerne hätten, das so aber gar nicht existiert. "Gutmenschen, Regierungen und Abnicker" klammern Sie freiwillig schon selber aus. Abgesehen davon könnte ich noch eine Vielzahl weiterer Personen und Persönchen nennen, die keinen Krieg gegen den Islam führen und meines Wissens auch nicht die Absicht haben, das jemals zu tun. Nicht einmal Kaiser Wilhelm II. hat gegen den Islam gekämpft, sondern sich mit den muslimischen Osmanen verbündet. Und um die Sache noch schlimmer zu machen, hat sich sogar Kaiser Wilhelm II.'ten böser Feind, Lawrence von Arabien, mit den Muslims (wenn auch mit denen von der anderen Seite) verbündet. Wie man die Sache auch dreht und wendet, ohne die Muslims geht es anscheinend nicht. Wenn ich mich dann aber auch noch weigere, Ihr Alter Ego "Hein Bloed" als vollwertigen, selbständigen Kämpfer anzuerkennen, bleiben nur noch Sie selber. Aber wie alt sind Sie denn?

  • Liebes Handelsblatt!

    Das hier verwendete Foto widerspricht jeder Nettiquette, zu der Sie Ihre Kommentatoren immer so unermüdlich anhalten. Und der Bundesinnenminister warnt also, das Anschläge generell nicht auszuschließen seien. Waren sie das jemals? Und was soll denn das, dass aus einer abstrakten Gefahr jetzt eine konkrete Bedrohung geworden sein soll? Wie lässt sich das berechnen, wenn von unberechenbaren Einzeltätern, die Rede ist? Junge, Entwurzelte und Radikalisierte, die zu Tätern erst noch werden müssen. Hoffentlich werden sie es nicht.

    Jung war ich selber mal, entwurzelt habe ich mich bisweilen auch gefühlt und haben Sie eine Ahnung davon, wie oft radikale Gedanken mich nicht haben einschlafen lassen? Jetzt sagen Sie nicht, Ihnen wäre es anders gegangen. Zu Verbrechern sind wir trotzdem nicht geworden, und hoffentlich begegnen auch den jungen, verzweifelten Zweiflern von heute die richtigen Menschen, die ihnen Perspektiven zeigen, mit sich und der Welt zufrieden werden zu können. Nur starren wir nicht so unentwegt und ausschließlich auf die Gefahr, die vielleicht von deren Seite droht. Wäre das nicht auch eine Ausrede dafür, das wir einmal mehr kein Auge auf das haben können, was sich tun ließe, damit die Welt besser und gerechter wird? Nicht von einem Moment auf den anderen, aber mit der Zeit würde das schon was bringen, Allen etwas bringen. Die Waffen, so unvermeidlich sie jetzt auch sein mögen, um das Leben Unschuldiger zu retten, letztendlich werden sie keine Lösung bringen. Das gilt mindestens ebenso wie für die, die im Gefühl militärischer Überlegenheit sich von der Luft nicht auf den Boden trauen, gerade auch für die Selbstmordattentäter, die ihr Opfer umso leichter bringen, als es sie davor bewahrt, die traurige Perspektivlosigkeit und Vergeblichkeit ihres Tuns mit eigenen Augen sehen zu müssen.

    Ach so, und was die wirklichen Einzeltäter betrifft, die findet der de Maiziere doch sogar im Sauerland! Darum keine Panik in Schland!

  • Im Augenblick gebe ich Ihnen völlig recht, aber ich bin der Meinung, dass wir gerade erst am Anfang einer wunderbaren Entwicklung stehen, die für meinen Geschmack bereits sehr schnell an Fahrt gewinnt.

  • @ Ich hier „....den wir in andere Länder tragen und vieles andere mehr.“

    Ihr „Bauchgefühl“ in allen Ehren, wer ist „wir“. Wer trägt welche Gewalt wohin? Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, daß die Angehörigen der Gesellschaftsordnung Islam jede sich bietende Möglichkeit nutzen sich „beleidigt“ zu fühlen und auf diese vermeintliche „Beleidigung“ mit Gewalt zu reagieren?
    Ein viel zu großer Teil dieser „Gläubigen“ fühlt sich schon „beleidigt“, wenn er von den Blicken eines „Ungläubigen“ getroffen wird, die Reaktion ist entsprechend.
    Die Regeln der Gesellschaftsordnung Islam basieren auf Gewalt gegen jeden der sich dieser Ordnung nicht unterwirft. Das ist schon seit dem Rauswurf des „Propheten“ aus Mekka so, denn ab diesem Zeitpunkt setzten dessen Gewaltorgien gegen „Ungläubige“ ein und dauern bis heute an. Das Problem, das unsere Gesellschaft mit diesen Leuten hat, ist, daß diese Leute nicht als Individuum reagieren, sondern als Kollektiv, fühlt sich einer „beleidigt“, fühlen sich alle „beleidigt“ auch wenn sie persönlich gar nicht gemeint sind. Die daraus folgende Gewalt wird in unserer Gesellschaft leider als „ethnische Eigenart“ toleriert und das muß endlich aufhören. Es kann nicht so weitergehen, daß jede Reaktion durch Kritik am Verhalten dieser „Gläubigen“, zu weiteren Einschränkungen der Gesellschaft führt, die die „Eigenarten“ dieser Leute schon viel zu lange ertragen müssen.

  • @ Alfred Werner

    Wen es erwischt hat, der schreibt wirklich nichts mehr. Und wenn es Sie schon erwischt hätte, würden Sie auch nichts mehr schreiben. Was unterscheidet Sie da eigentlich von Helmut Metz?

    Ach ja. Und statt "durchgeknallter Islamist" schreibe ich hier "es", weil die Wahrscheinlichkeit immer noch sehr viel größer ist, von einem Auto oder sonstwas für einen Radikalen erwischt zu werden, selbst wenn der, wie das Auto auch, rechts unterwegs ist. Nur vor linksradikalen Kaufhausattentätern sind wir relativ sicher, zumindest seit es Karstadt so schlecht geht und ohnehin jeder nur noch im Internet einkauft. Wieviele wohl schon der Herzschlag erwischt hat, wenn sie beim Öffnen der Zalando-Pakete zu laut geschrien haben?

  • WETTEN, DASS Sie das nur schreiben konnten, weil Sie noch kein durchgeknallter Islamist erwischt hat ?

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