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Terrormiliz unter Druck Der neue Ton der IS-Propaganda

In den vergangenen Monaten haben die Islamisten viele führende Propagandisten verloren. Das schlägt sich auch in den Botschaften des IS nieder. Experten sehen die Terrormiliz nicht nur auf dem Schlachtfeld geschwächt.
12.06.2017 - 07:22 Uhr 3 Kommentare
Für seine Propagandazwecke nutzt der IS unterschiedlichste Kanäle. Dazu gehört auch die Verbreitung von Videos, in denen der IS seine Botschaften übermittelt. Quelle: dpa
Propaganda des Islamischen Staats

Für seine Propagandazwecke nutzt der IS unterschiedlichste Kanäle. Dazu gehört auch die Verbreitung von Videos, in denen der IS seine Botschaften übermittelt.

(Foto: dpa)

Beirut Auf Krücken hüpft Abu Schuaib al-Maslawi mit seinem linken Bein zu dem schwarzen SUV, der voll mit Sprengstoff bepackt ist. Wenige Minuten später wird er damit in der nordirakischen Stadt Mossul in eine Gruppe von Soldaten fahren und sich in die Luft jagen. Für seine letzten Worte wendet sich der einbeinige Selbstmordattentäter zur Kamera und ruft die Muslime im Westen dazu auf, Anschläge in ihren Heimatländern zu verüben, wenn sie nicht in das vom IS ausgerufene Kalifat im Irak und Syrien kommen könnten.

„Ich fordere euch im Namen Gottes auf, dass von euren Schwertern bis zum Sonnenuntergang das Blut der Ungläubigen tropfen soll“, sagt Al-Maslawi, ein Mann in den 50ern mit langem grauen Bart. „Jeder Tropfen Blut, der dort vergossen wird, mindert den Druck auf uns hier“, sagt er und greift zum Steuer. Auf Kameraaufnahmen von Drohnen ist wenig später zu sehen, wie das Auto in Mossul in eine Reihe von Armeefahrzeugen rast. Eine Explosion, ein riesiger Feuerball, dann schwarzer Rauch.

Das Video mit Al-Maslawi wurde Ende Mai von der Terrormiliz Islamischer Staat in den Sozialen Medien verbreitet. Experten sehen darin eine veränderte Botschaft und einen neuen Tonfall und schreiben dies dem Druck zu, unter den die Terrormiliz zunehmend gerät. Lange Zeit klang die IS-Propaganda zuversichtlich, versprach, dass das selbsterklärte Kalifat von Dauer sein und wachsen werde.

Doch in den vergangenen Monaten haben die Extremisten Territorium verloren - und die Videos der Terroristen haben inzwischen nur noch wenig von dem prahlerischen, selbstverherrlichenden Ton der Vergangenheit. Stattdessen ruft die Gruppe ihre Kämpfer zum Widerstand auf und dazu, nicht vom Schlachtfeld zu fliehen. Auch die Qualität der Videos hat deutlich nachgelassen, seit einige der führenden Propaganda-Experten und Produzenten getötet wurden.

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    Einst waren die IS-Propaganda-Videos professionelle Produktionen, mit Aufnahmen aus verschiedenen Perspektiven und unterlegt mit religiöser Musik, mit grauenerregenden Bildern von Enthauptungen und Erschießungen, mit Geständnissen von Gefangenen und ausgeklügelten Angriffen auf Gegner - alles, um Angst und Schrecken unter den Feinden zu verbreiten und Sympathisanten aus aller Welt ins vermeintlich erste Kalifat seit dem Fall des Osmanischen Reiches vor rund hundert Jahren zu locken.

    So viele Menschen sterben in den Konflikten dieser Welt
    36 Konflikte
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    Das Internationale Institut für Strategische Studien (IISS) benennt in seiner aktuellen Studie 36 Konflikte. Anhand der Zahlen zeigt sich, in welchen Ländern und Regionen Waffengewalt die meisten Opfer gefordert hat.

    (Foto: dpa)
    Nigeria
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    Vor wenigen Tagen fand ein Austausch zwischen der Terrormiliz Boko Haram und nigerianischer Regierung statt. 82 Schulmädchen, jahrelang in Gefangenschaft der Boko Haram, erlangten ihre Freiheit zurück. Doch in Nigeria starben 2016 trotzdem 3000 Menschen.

    (Foto: AP)
    Süd-Sudan
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    (Foto: Reuters)
    Türkei
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    Die Türkei kämpft gegen Dschihadisten, die über die Grenze kommen, und Militante der kurdischen Arbeiterpartei PKK. 3250 Tote zählte das IISS für 2016. Der politische und militärische Konflikt zwischen PKK und Republik schwelt seit über 30 Jahren.

    (Foto: AFP)
    Sudan
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    Bei gewaltsamen Zusammenstößen starben 2016 laut den IISS-Zahlen 3500 Menschen. Der Darfur-Krieg ist nur noch ein Teil der übergreifenden politischen Systemkrise des Sudan. Unterschiedliche Rebellengruppen und Fraktionen kämpfen die Armee und regierungsnahe Milizen.

    (Foto: dpa)
    Somalia
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    Somalische Sicherheitskräfte in Mogadischu patrouillierten am Montag neben einem brennenden Auto nach einem Anschlag mit einer Autobombe. 3500 betrug die Zahl der Todesopfer 2016.

    (Foto: dpa)
    Jemen
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    Schiitische Huthi-Kämpfer sichern eine Straße: Der im Konflikt im Jemen fällt in den Nachrichten hinter dem Krieg in Syrien zurück. Große Verluste beklagen aber auch die Jemeniten. 2016 waren es 7250.

    (Foto: dpa)

    „Die Propaganda der Organisation geht, offen gesagt, gegen null. Das deutet auf ihren Zusammenbruch hin und darauf, dass sich die Gruppe zurückzieht“, sagt Omar Abu Laila, ein syrischer Oppositioneller, der aus der IS-Hochburg Dair as-Saur stammt und inzwischen in Deutschland Zuflucht gefunden hat. „Ihre Aufrufe an die Menschen, sich der Gruppe anzuschließen, sind ein Zeichen der Schwäche.“

    Ein schwerer Rückschlag für die IS-Propagandamaschinerie war im vergangenen August der Tod von Abu Mohammed al-Adnani. Der oberste Sprecher und einer der Anführer der Terrormiliz war für seine flammenden Ansprachen bekannt, mit denen er die Moral der Kämpfer hob. Er kam bei einem gemeinsamen Luftangriff von Amerikanern und Russen in Syrien ums Leben.

    Bei einem weiteren Luftangriff in Syrien wurde im Oktober Wael al-Fajadh getötet, besser bekannt als Abu Mohammed al-Furkan. Er war für die Produktion der hochprofessionellen Propaganda-Videos zuständig. Eines der wichtigsten Medien der Terrormiliz, Al-Furkan Media, ist nach ihm benannt. Sein Nachfolger Abu Baschir al-Maslawi wurde kurze Zeit später getötet. Ende Mai verlor die Terrorgruppe dann auch noch Baraa Kadek, den Gründer des IS-Sprachrohrs Aamak. Er starb Berichten zufolge bei einem Angriff in Ostsyrien zusammen mit seiner Tochter.

    „Seit November haben sie 158 Videos produziert - und keines davon war professionell wie „Salil al-Sawarem““, sagt Hischam al-Haschimi, IS-Experte und Berater der irakischen Regierung. Das von ihm angesprochene Video wurde im Sommer 2014 veröffentlicht, wenige Tage bevor der IS die Stadt Mossul einnahm. Es wird maßgeblich dafür verantwortlich gemacht, dass die Verteidigung der irakischen Streitkräfte so schnell zusammenbrach.

    „Heute gibt es nichts, was ihre Videos von denen anderer Rebellengruppen unterscheidet“, sagt Al-Haschimi. „Man ruft darin nur zu Verteidigungsoperationen auf, zu Selbstmordanschlägen und dazu, standfest zu bleiben. Mehr nicht.“

    Ungeachtet der Rückschläge auf den Schlachtfeldern im Irak und in Syrien ist der IS noch immer schnell dabei, die Verantwortung für die jüngsten Anschläge in Großbritannien, im Iran und anderswo zu übernehmen. Das iranische Informationsministerium geht davon aus, dass fünf der Attentäter bei dem Doppelanschlag in der vergangenen Woche in Teheran zuvor für den IS im Irak und in Syrien gekämpft haben. Und das IS-Sprachrohr veröffentlichte ein 24-Sekunden-Video, das offenbar während des Angriffs im Parlament gedreht wurde.

    Neben Aamak und Al-Furkan hat der IS noch eine Reihe anderer Medien, um seine Botschaften zu verbreiten, etwa das Online-Radio Al-Bajan und die Online-Wochenmagazine „Al-Nabaa“ und „Dabik“. Die Betreiber Sozialer Medien versuchen, IS-Accounts zu schließen. Doch bislang ist es IS-Propagandisten immer wieder gelungen, neue zu eröffnen. In einer weit verbreiteten Text-Nachricht in den Sozialen Medien wurden Anhänger jedoch angehalten, den Link zu der Gruppe nicht zu veröffentlichen, damit dieser nicht geschlossen werde. Man sei gerade einer „rigorosen Kampagne“ ausgesetzt, hieß es zur Begründung.

    • ap
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    3 Kommentare zu "Terrormiliz unter Druck: Der neue Ton der IS-Propaganda"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Hat Herr Lung Wong zu viel geraucht?

      ich bin zuversichtlich, dass der IS Anfang des nächsten Jahrzentes keine Rolle mehr spielen wird. Viel größere Probleme werden wir von anerkannten Staaten bekommen.

    • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

    • Alle ausradieren, bis nichts mehr von ihnen übrigbleibt!!

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