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Thronwechsel in Japan Reibereien vorprogrammiert: So verlief die erste Zusammenkunft zwischen Shinzo Abe und Naruhito

Die älteste Erbmonarchie hat einen neuen Kaiser. Die Begegnung von Naruhito mit dem Ministerpräsidenten zeigt: Einigkeit zwischen beiden Lagern ist schwierig.
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Die älteste Erbmonarchie hat einen neuen Kaiser. Die Zusammenkunft des neuen Kaisers und Abe zeigen: Einigkeit zwischen beiden Lagern ist schwierig. Quelle: dpa
Japans neues Kaiser-Paar

Die älteste Erbmonarchie hat einen neuen Kaiser. Die Zusammenkunft des neuen Kaisers und Abe zeigen: Einigkeit zwischen beiden Lagern ist schwierig.

(Foto: dpa)

Tokio Ein schlichter Holzstuhl mit hoher Lehne und beigem Bezug als Thron: Die älteste Monarchie der Welt zelebriert die Thronfolge ohne Prunk. Um 10.30 Uhr Ortszeit besteigt Naruhito, Japans neuer Kaiser, im Frack, eine weiße Bühne im Kaiserpalast. Vor ihm warten der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe und seine Minister.

Dann legen Kammerdiener wortlos zwei kaiserliche Siegel und zwei der drei Insignien auf Holztischchen ab – ein Schwert und eine Kiste mit Juwelen. Das dritte Symbol der Macht, ein Spiegel, wird im fernen Ise-Schrein aufbewahrt, dem Sitz der mythischen kaiserlichen Ahnfrau, der Sonnengöttin Amaterasu. Die Ehrengäste verbeugen sich tief, der Kaiser macht es ihnen nach. Dann nehmen die Diener die Insignien an sich. Nachdem sie den Raum verlassen, besteigt der 126. Kaiser den Chrysanthementhron. Auf diese vergleichsweise kurze Thronübergabe werden Tage und Monate an Zeremonien und religiösen Riten folgen.

Kurz nach seiner Inthronisierung kehrt Naruhito mit Kaiserin Masako zurück. Er dankt seiner Mutter und seinem Vater, der seinerseits als erster Kaiser seit 200 Jahren abgedankt hatte. Darauf folgt der Schwur des aktuellen Kaisers, der seine verfassungsmäßige Rolle als „Symbol des Staats und der Einheit des Volks“ ausüben will: „Ich werde meine Gedanken immer den Menschen widmen und zu ihnen stehen“, sagt er. Naruhito werde für das Glück der Menschen, die weitere Entwicklung der Nation und den Frieden in der Welt beten.

Was floskelhaft klingen mag, hat in Wahrheit eine durchaus politische Botschaft: Der neue Kaiser akzeptiert nicht nur die Entscheidung der US-amerikanischen Besatzer, den japanischen Kaiser vom Staatsoberhaupt und Gott zum Symbol zu degradieren. Er will zudem das Erbe seines Vaters Akihito fortsetzen.

Akihito hatte sich durch Andeutungen über Jahre als moralischer Gegenpol zu den Versuchen der Konservativen etabliert, Japans Eroberungsgeschichte zu verdrängen und die Friedenverfassung zu ändern. So blieb dem Ministerpräsidenten Shinzo Abe, einem Anführer der Geschichtsrevisionisten, angesichts der kaiserlichen Vorlage nichts anderes übrig, als in seiner eigenen Ansprache Naruhitos Worte widerzuspiegeln. Allerdings schaffte es Abe trotzdem, in einem gewundenen Satz auch viele Konzepte seiner nationalistischen Mission unterzubringen: wie Stolz, Kultur, Einheit und Harmonie.

Der neue Name der Regierungsepoche unter Naruhito, den Abes Kabinett aus Vorschlägen von Akademikern ausgesucht hatte, soll „Reiwa“ heißen: „schöne Harmonie“. Linke Kritiker werfen Abe allerdings vor, dass die Schriftzeichen auch als „angeordneter Friede“ übersetzt werden könnten.

Noch ist offen, wie der neue Kaiser seine Rolle in diesem schwelenden Konflikt zwischen seinen liberalen Werten und denen der Konservativen gestalten wird. Seine eigene Geschichte deutet an, dass er Bürgerkaiser bleiben, sich aber womöglich noch stärker als sein Vater für Völkerverständigung und Umweltfragen einsetzen wird.

Das hat aber auch zur Folge, dass der neue Kaiser und Japans konservatives Spektrum sich auch in Zukunft oft uneinig sein werden. Die Hofkommentatoren werden jedenfalls Kaiser Naruhitos und Kaiserin Masakodies Taten und Worte künftig öfter nach versteckten Botschaften durchkämmen.

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