Tod von Al-Kaida-Chef Bin Laden war nicht bewaffnet

Ein Kopfschuss tötete den Terror-Chef - doch nun gibt das Weiße Haus bekannt, Bin Laden sei beim Angriff der Spezialkräfte unbewaffnet gewesen. Das nährt eine Vermutung: Der Angriff war in Wahrheit eine gezielte Tötung.
Update: 04.05.2011 - 05:06 Uhr 16 Kommentare
Starb Topterrorist Osama Bin Laden, weil er sich wehrte - oder wurde er gezielt von US-Elitesoldaten getötet? Quelle: Reuters

Starb Topterrorist Osama Bin Laden, weil er sich wehrte - oder wurde er gezielt von US-Elitesoldaten getötet?

(Foto: Reuters)

WashingtonOsama bin Laden war bei dem Angriff von US-Elitesoldaten in Pakistan unbewaffnet.

Bin Laden habe keine Waffe bei sich gehabt, sagte der Pressesprecher des Weißen Hauses, Jay Carney, am Dienstag. Auch ohne eine Schusswaffe könne jedoch Widerstand geleistet werden, betonte er.

Das Weiße Haus hat am Dienstag in einer von Jay Carney verlesenen Erklärung frühere Angaben zum Angriff auf Osama bin Laden korrigiert. Die Operation verlief demzufolge in den Hauptpunkten wie folgt: „Auf Anordnung des Präsidenten griff ein kleines US-Team ein befestigtes Anwesen in einem reichen Vorort von Islamabad an, um Osama bin Laden gefangen zu nehmen oder zu töten."

Das Team habe das Anwesen in einer 40-minütigen Operation systematisch von Raum zu Raum gesichert. Während der gesamten Operation hätte das Team mit Feuergefechten zu tun, und Osama bin Laden sei von den Angriffskräften getötet worden. Neben der Bin-Laden-Familie sollen zwei weitere Familien auf dem Anwesen wohnen, eine Familie im Erdgeschoss des Bin-Laden-Wohnhauses und eine Familie in einem zweiten Gebäude.

"Ein Team begann die Operation im Erdgeschoss des Bin-Laden-Hauses und arbeitete sich hinauf in den zweiten Stock. Ein zweites Team sicherte das zweite Gebäude. Im Erdgeschoss des Bin-Laden-Hauses wurden zwei Al-Kaida-Kuriere und eine Frau getötet, die ins Kreuzfeuer geriet. Bin Laden und seine Familie wurden im ersten und zweiten Stock des Gebäudes gefunden. Es gab die Besorgnis, dass er sich der Gefangennahme widersetzen würde, und tatsächlich, er widersetzte sich. Im Raum mit Bin Laden rammte eine Frau, Bin Ladens Ehefrau, den US-Angreifer und wurde ins Bein geschossen, aber nicht getötet. Dann wurde Bin Laden beschossen und getötet. Er war nicht bewaffnet“, so der Sprecher des Weißen Hauses.

Am Montag hatte es zunächst geheißen, die US-Spezialkräfte hätten bin Laden lebend gefangen genommen, wenn es dazu eine Möglichkeit gegeben hätte. Da der Al-Kaida-Chef jedoch gekämpft habe, sei er getötet worden.    Der Terroristenchef wurde nach amerikanischen und pakistanischen Angaben in der Nacht nach einem Hubschrauberangriff auf sein Anwesen durch einen Kopfschuss getötet.

Spezialkräfte der USA hatten Bin Laden nach Obamas Worten in Pakistan ausfindig gemacht und getötet. Bin Laden sei bei Abbottabad gestellt worden, nördlich der pakistanischen Hauptstadt Islamabad. Das Team habe den Angriff ausgeführt und sich der sterblichen Überreste bin Ladens bemächtigt, teilte US-Präsident Obama am Montag mit.

In der US-Regierung wird weiter diskutiert, ob und wenn ja, welche Fotos von dem getöteten bin Laden veröffentlicht werden sollen. Regierundssprecher Carney erklärte, das Bild sei „schauerlich“ und könnte wie Zündstoff wirken. Aber CIA-Direktor Leon Panetta erklärte, er sich sicher, dass schließlich doch ein Foto veröffentlicht werde. Die Entscheidung, ihn zu töten sei in Bruchteilen von Sekunden gefallen, nachdem er drohende Bewegungen gemacht habe. Deshalb sei geschossen worden. Dazu seien die Soldaten auch ermächtigt worden, sagte Panetta. Bei dem Einsatz der Kommandoeinheit wurden fünf Menschen getötet: neben bin Laden noch einer seiner Söhne, sein Kurier Abu Ahmed al Kuwaiti und dessen Frau und Bruder. Durch al Kuwaiti kam die CIA auch auf die Spur bin Ladens.

Der Unterschlupf des Topterroristen
Nach der Tötung Bin Ladens - Bilder aus den Innern des Hauses
1 von 12

Hier endete das Versteckspiel bin Ladens: Videoaufnahmen zeigen das Innere des Hauses. Nach dem Kampf sind auf dem Fußboden Blutflecken. Kleidungsstücke, Kissen und zertrümmertes Glas liegen umher.

This video frame grab, obtained from ABC News on May 2, 2011, shows the interior in the mansion where Osama Bin Laden was killed
2 von 12

Überall in dem Zimmer finden sich Blutlachen.

Nach der Tötung Bin Ladens - Bilder aus den Innern des Hauses
3 von 12

In dem Haus herrscht Chaos. Ein Kleiderschrank und ein Wandregal sind durchwühlt.

Aftermath of the killing of Osama Bin Laden
4 von 12

Bild von Abbottabad. Der Ort liegt auf 1300 Metern Höhe im Norden Pakistans, etwa zweieinhalb Autostunden von der Hauptstadt Islamabad entfernt. Schätzungsweise 150.000 Menschen leben hier. Der Ort gilt als Ruhesitz vieler pensionierter Offiziere in Pakistan.

Aftermath of the killing of Osama Bin Laden
5 von 12

Der letzte Zufluchtsort von Osama bin Laden ist ein dreistöckiges, leicht heruntergekommenes Gebäude, umgeben von fünf Meter hohen Mauern.

Aerial view of bin Laden's compound in Abbottabad
6 von 12

Luftaufnahme vom Rückzugsort bin Ladens. Das Gelände lag am Rande der Kleinstadt Abbottabad.

Luftaufnahme Abbottabad - Aufenthaltsort Osama Bin Laden
7 von 12

Die Grafik zeigt das Gebäude mit dem angrenzenden Gelände, in dem Osama bin Laden in den letzten fünf bis sechs Jahren lebte.

Noch etwas spricht dafür, dass das Spezialkommando Bin Laden gar nicht lebend festnehmen wollte: Der Leichnam des getöteten Al-Kaida-Führers wurde direkt im Anschluss an die Kommado-Aktion auf See bestattet. Die US-Regierung habe so schnell kein Land finden können, das die Leiche des Terroristenführers aufnehmen wolle. Zudem habe man verhindern wollen, dass Terroristen zum Grab des Al-Kaida-Chefs pilgern, teilte ein Sprecher mit. Durch die schnelle Bestattung kann nun aber die Identität des Terroristenführers nicht im Nachhinein überprüft werden - ebenso wie die Umstände seines Todes.

Um alle Zweifel am Tod des Topterroristen auszuräumen, berate das Weiße Haus noch darüber, ob ein Foto des getöteten bin Laden veröffentlicht werden solle, teilte ein Sprecher am Dienstag mit. Das Bild sei „schauerlich“ und könnte wie Zündstoff wirken.    

Der Anti-Terror-Chef im Weißen Haus, John Brennan, erklärte, es werde untersucht, ob bin Laden in Pakistan Unterstützung erhalten habe. Das Haus in Abbottabad, in dem der Al-Kaida-Chef lebte, lag nur 1,6 Kilometer von der pakistanischen Militärakademie entfernt.   

Über den Einsatz des Spezialkommandos sei Pakistan nicht vorab informiert gewesen, erklärte CIA-Chef Leon Panetta in einem Interview mit dem Magazin „Time“. „Man hat entschieden, dass alle Versuche einer Zusammenarbeit mit den Pakistanern die Mission gefährden könnten.“ Die USA hätten befürchtet, dass „sie die Ziele alarmieren könnten“.  

Wie Obama die Tötung bin Ladens verfolgte
huGO-BildID: 21818150 In this image
1 von 10

Mit einer Live-Schalte verfolgt US-Präsident Barack Obama im Weißen Haus die Ereignisse in Pakistan. Bei ihm sind Vizepräsident Joe Biden (l), Außenministerin Hillary Clinton sowie Mitarbeiter des Sicherheitsteams.

Barack Obama, Tom Donilon
2 von 10

Barack Obama diskutiert mit seinem Sicherheitsberater (r) Tom Donilon den Einsatz gegen bin Laden.

National Security Team in the Situation Room of the White House
3 von 10

Obama spricht mit Mitarbeitern des nationalen Sicherheitsteams am Ende einer der vielen Konferenzen, die zur Mission gegen bin Laden im Weißen Haus stattfanden.

National Security Team in the Situation Room of the White House
4 von 10

Während der Mission gegen bin Laden verfolgt US-Präsident Obama eine Diskussion im Weißen Haus.

huGO-BildID: 21820891 President Barack Obama
5 von 10

Kurz bevor Obama vor die Presse tritt, telefoniert er im Oval Office.

President Obama prepares televised statement in the Oval Office
6 von 10

Kurz vor der Fernsehübertragung überarbeitet Barack Obama seine Ansprache.

huGO-BildID: 21820864 President Barack Obama
7 von 10

Im East Room des Weißen Hauses liefert Obama ein Statement zur Aktion gegen Osama bin Laden.

Pakistans Präsident Asif Ali Zardari versicherte hingegen, eine „ein Jahrzehnt andauernde Kooperation und Partnerschaft zwischen den Vereinigten Staaten und Pakistan“ habe zur Tötung des Terroristen-Chefs geführt. Die Kommandoaktion sei allerdings „keine gemeinsame Operation“ amerikanischer und pakistanischer Sicherheitskräfte gewesen, schrieb er in einem Beitrag in der „Washington Post“.

Zugleich gab Zardari zu, Bin Laden sei an einem Ort gefunden worden, wo man ihn nicht vermutet habe. Sicherheitsexperten bezweifeln, dass sich Bin Laden in Pakistan ohne Wissen von Geheimdiensten und anderen Behörden des Landes aufhalten konnte.  Ein US-Spezialkommando hatte ihn in der Nacht zum Montag in einem stattlichen Anwesen in der pakistanischen Garnisonsstadt Abbottabad erschossen, in dem er - wie ein hochrangiger Anti-Terror-Berater von US-Präsident Barack Obama am Dienstag sagte - „5 bis 6 Jahre“ unbehelligt gelebt hatte.  

„Die pakistanische Regierung wusste immer, dass er da ist, aber wollte das vertuschen“, sagte Afghanistans Ex-Handelsminister Mohammad Amin Farhang dem Deutschlandfunk. Sein hochgesichertes Versteck im ruhigen Abbottabad beweise, dass Pakistan Top-Terroristen Unterschlupf gewähre.

Die Taliban äußerten am Dienstag Zweifel am Tod bin Ladens. Die Nachricht vom Tod des Terroristenchefs „kommt bisher nur von einer Seite“, sagte Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid. Die radikalislamische Organisation werde die Berichte erst dann glauben, wenn sie einen Beweis gesehen habe oder eine Bestätigung aus eigenen Quellen erhalte.

  • dapd
  • rtr
  • dpa
Startseite

Mehr zu: Tod von Al-Kaida-Chef - Bin Laden war nicht bewaffnet

16 Kommentare zu "Tod von Al-Kaida-Chef: Bin Laden war nicht bewaffnet"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Und ich möchte nicht wissen, wie weit die Türkei drohen und intervenieren mußte, damit ihr euch überhaupt dazu durchringen konntet.

    Letztendlich hättet ihr euch das ersparen können.

  • Viel zu spät, halbherzig und mit mehr als zweifelhaftem Willen.

    Wenns um eigene Interessen geht (siehe Libyen), braucht es keiner Tage. Wenn es aber um die Verhinderung eines Völkermordes ging, dauerte es 5 Jahre. Teilweise habt ihr sogar den Handlanger gespielt. Ihr seid mehr als durchschaut, und das wird nicht ohne Konsequenzen bleiben. Für den Rest meines Lebens.

  • Eben, deswegen muss man die Terorristen, die in Irak und Afghanistan durch Selbstmordanschläge diese von Ihnen genannte Zivilisten umbrachten, bekämpfen. Wer das nicht tut, und noch dagegen provoziert und kritisiert ist mitschuldig!!! Ein blindes Nachlaufen linken Demagogen befreit nicht, es belastet, schwer!!

  • Spätestens jetzt merkt man daß Erdöl und Kriegsgerät keine Hochhäuser bauen, noch so gestohlen (kostenlos) es auch sein mag.

    Schaut in den Spiegel, da werdet ihr sehen daß mit dem den ihr da seht, so leicht keine Hochhäuser mehr gebaut werden können.

  • Der deutsche, politisch gruengefaerbte ( scheinheilige ) Moral-Michel schaute dem Massaker auf dem Balkan finerhebend zu, bis die USA sich durchrangen. Wär`s nach unseren Moralaposteln gegangen, haette Karadzic und Mladic ihre Position nicht verloren.

  • Heute in Absurdistan: Die Rot-Grüne Querfront trauert um Osama war Laden
    Die „junge Welt'' bringt die deutsche Reaktion auf den Tod von Bin-Laden prototypisch auf den Punkt: „Terroristen töten Osama bin Laden''. von Gerrit Liskow Was aussieht, wie eine satirische Intervention der „titanic'', erweist sich schnell als völlig ernst gemeinte Überschrift: kein Trick, kein doppelter Boden, und da die „junge Welt'' sich annähernd perfekt selbstparodiert, kann man sich die Satirezeitschrift schenken, denn bei der Hauspostille des nationalen Sozialismus bekommt man beides in einem. Was also auf den ersten Blick so wirkt, als wär‘s ein verzweifelter Hilfeschrei, kann nicht mal dem Kampf um Aufmerksamkeit im Werbemarkt geschuldet sein, denn derlei ökonomisches Kalkül hat man als ehemaliges Zentralorgan der ...................
    http://haolam.de/index.php?site=artikeldetail&id=5220

  • BL einem Prozess zuzuführen hätte nur unnötige Kosten f. die Völkergemeinschaft bedeutet. Wann sind Assad u. Ghaddafi dran? Ich bitte um zeitnahe Lösungen - egal wie!

  • das sind übrigens weniger Tote als im selben Zeitraum in Deutschland im Strassenverkehr gestorben sind:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Verkehrstod


  • Das erinnert mich alles sehr an den Film "Wag the Dog"...http://www.imdb.com/title/tt0120885/

  • die zehntausende von Zivilisten, die seitdem durch einen sinnlosen Krieg in Afghanistan und durch einen völkerrechtswidrigen Krieg im Irak bislang umgekommen sind auch nicht

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%