Tod von Jassir Arafat Palästinenserführer offenbar nicht mit Polonium vergiftet

Französische Experten haben erneut eine Vergiftung des früheren Palästinenserführers Jassir Arafat ausgeschlossen. Die nachgewiesenen Spuren des radioaktiven Stoffes Polonium seien „natürlichen Ursprungs“.
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Jassir Arafat ist am 11. November 2004 in einem Militärkrankenhaus bei Paris im Alter von 75 Jahren gestorben. Quelle: dpa
Der verstorbene Jassir Arafat.

Jassir Arafat ist am 11. November 2004 in einem Militärkrankenhaus bei Paris im Alter von 75 Jahren gestorben.

(Foto: dpa)

NanterreIn der juristischen Aufarbeitung des Todes von Palästinenserführer Jassir Arafat schließt auch die französische Staatsanwaltschaft eine Vergiftung aus. Die in Proben aus Arafats Grab nachgewiesenen Spuren radioaktiven Poloniums seien nach Einschätzung von Experten „natürlichen Ursprungs“, sagte die Staatsanwältin von Nanterre westlich von Paris, Catherine Denis, am Montag der Nachrichtenagentur AFP.

Arafats Witwe Suha hatte im Jahr 2012 in Frankreich Anzeige gegen Unbekannt wegen Mordes erstattet. Nach der Öffnung seiner Grabstätte veröffentlichte Ergebnisse zog sie in Zweifel.

Arafat war am 11. November 2004 in einem Militärkrankenhaus bei Paris im Alter von 75 Jahren gestorben. Da seine Witwe damals eine Obduktion ablehnte, blieb die Todesursache zunächst unklar. Im Zuge der Ermittlungen der französischen Justiz wurde Arafat im November 2012 exhumiert und drei Expertenteams in der Schweiz, Frankreich und Russland mit strikt getrennten Untersuchungen der 60 entnommenen Gewebeproben betraut.

Vom Freiheitskämpfer zum Friedensnobelpreisträger
File photo of Palestinian President Yasser Arafat flashing victory sign in Ramallah
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Geboren wurde Jassir Arafat am 4. August 1929 im ägyptischen Kairo, als fünftes Kind eines palästinensischen Kaufmanns. Im Bild posiert er im Jahr 2002 nach einem Gebet in einer Moschee von Ramallah mit dem Victory-Zeichen.

huGO-BildID: 4199859 (FILES) The Palestine Liberation Organization (PLO) chairman Yasser Arafat attends a ceremony marking the end of a military trai
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Arafat war Mitbegründer der Fatah, einer Partei in den Palästinensergebieten mit dem Ziel der Unabhängigkeit von Israel. In der Vergangenheit machte die Fatah auch von Gewalt Gebrauch, unter anderem im Guerillakampf, schwor dann aber der Gewalt ab. Das Bild zeigt den jungen Arafat im Jahr 1970 in Damaskus.

arafat 1970
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Kairo, 1970: Seit einem Jahr hat Arafat auch den Vorsitz der palästinensischen Befreiungsorganisation PLO inne, die das arabische Volk in Palästina vertritt. Die wird zur einflussreichsten Vertreterin des palästinensischen Nationalismus'.

arafat 1974 un
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Palästinenserführer Jassir Arafat bedankt sich nach seiner historischen eineinhalbstündigen Rede am 13. November 1974 vor der Generalversammlung der UN in New York für den Applaus, der vor allem von arabischen und kommunistischen Staaten kam. Die PLO erhält als politische Vertretung der Palästinenser den Beobachterstatus bei der UN.

A picture handed out by the Palestinian Authority taken in southern Lebanon in 1978 shows Palestinian President Yasser Arafat
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1978 im Libanon: Lange sprach Arafat Israel das Existenzrecht ab. Erst 1988 passte er sich den Realitäten an, wurde pragmatisch und schwor zugleich dem Terrorismus ab.

arafat hussein 1980
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Im Zuge des Golfkrieges verkündet Arafat (links) 1990 seine Unterstützung für den irakischen Diktator Saddam Hussein – was zur internationalen Isolierung der PLO führt. Das Foto zeigt die beiden 1980 in Bagdad.

Then PLO Chairman Arafat shakes hands with then Israeli PM Rabin after the signing of the Israeli-PLO peace accord, in Washington
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Nach mehrmonatigen Geheimverhandlungen in Oslo erkennen Israel und die PLO sich 1993 gegenseitig an. Die israelisch-palästinensische Prinzipienerklärung im September legt einen Fahrplan für künftige Verhandlungen fest, außerdem schafft sie eine begrenzte palästinensische Selbstverwaltung. Arafat und der israelische Regierungschef Jitzhak Rabin (links, im Hintergrund US-Präsident Bill Clinton) besiegeln den Vertrag mit einem Handschlag im Garten des Weißen Hauses in Washington.

Nach den französischen Experten kamen Ende 2013 auch russische Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass Arafat eines natürlichen Todes gestorben sei. Zuvor hatten allerdings Schweizer Toxikologen eine Vergiftung mit Polonium nicht ausgeschlossen. Sie gaben an, eine erhebliche Konzentration des hochgiftigen Stoffs nachgewiesen zu haben.

Viele Palästinenser verdächtigen Israel, Arafat vergiftet zu haben, was Israel vehement zurückweist. Der radioaktive Stoff Polonium, der auch in geringer Dosis tödlich wirkt, war im Jahr 2006 verwendet worden, um den früheren russischen Spion Alexander Litvinenko in London zu ermorden.




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1 Kommentar zu "Tod von Jassir Arafat: Palästinenserführer offenbar nicht mit Polonium vergiftet"

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  • Polonium ist ein Zerfallsprodukt des Urans und kommt demzufolge in der Natur als natürliches Element und radioaktives Isotop vor.

    Tabakpflanzen haben die Eigenart Polonium anzureichern. Ein starker Raucher ist durch die Zigaretten einer höheren radioaktiven Exposition ausgesetzt als ein Bewohner der Region um Tschernobyl, oder gar der Region Fukushima die etwa so radioaktiv ist wie der Schwarzwald (Atompanik Fukushima). Bevor jemand zu erfrischenden Schlüssen kommt, der negative Gesundheitseffekt des Tabakkonsums ist nur in geringem Masse der Radioaktivität geschuldet, bzw. es wird vermutet dass ein Zusammenwirken von Radioaktivität und toxischer Substanzen möglich ist.

    Arafat hat als Raucher daher Polonium signifikant in seinem Körper angereichert. Da diese Anreicherung auch abhängig vom Anbaugebiet ist dürfte ein Nachweis einer Vergiftung kaum führbar sein.

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