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Top-Berater von Boris Johnson „Ich bedaure nichts“ – Cummings verteidigt Verstöße gegen Corona-Regeln

Viele Briten sind wütend darüber, dass der oberste Regierungsberater Lockdown-Vorschriften missachtet hat. Der versucht sich nun zu erklären.
25.05.2020 - 19:33 Uhr Kommentieren
Der Berater sitzt am Montagabend in der eilig einberufenen Pressekonferenz im Garten des Regierungssitzes. Quelle: AFP
Dominic Cummings

Der Berater sitzt am Montagabend in der eilig einberufenen Pressekonferenz im Garten des Regierungssitzes.

(Foto: AFP)

London Die britische Regierung hatte sich wochenlang bemüht, den Briten eine Botschaft im Kampf gegen das Coronavirus eine Botschaft einzuschärfen. In Pressekonferenzen, Werbeanzeigen und TV-Spots hieß es: „Bleiben Sie zu Hause.“ Aber ausgerechnet Dominic Cummings, der Top-Berater von Premierminister Boris Johnson, hielt sich nicht daran, wie Zeitungen aufdeckten. Nun versuchte sich Cummings zu erklären – Forderungen nach einem Rücktritt wies er zurück.

Er sei der Meinung, angesichts der Umstände angemessen gehandelt zu haben, sagte Cummings am Montagabend in einer eilig einberufenen Pressekonferenz im Garten des Regierungssitzes. „Unter bestimmten Umständen ist man nicht in der Lage, den Regeln zu folgen, und mir scheint, ich befand mich in solch besonderen Umständen“, sagte er mit zittriger Stimme. Er bedauere nicht, was er getan habe. „Ich habe nicht meinen Rücktritt angeboten“, sagte er, „das habe ich nicht in Erwägung gezogen.“

Es war ein ungewöhnlicher Auftritt: Üblicherweise bemühen sich Regierungsberater, ihren Chefs die Bühne zu überlassen. Zudem wirkte Cummings deutlich kleinlauter als bei früheren Auftritten in der Öffentlichkeit, etwa, wenn er Journalisten vor seinem Haus patzige Antworten gab.

Doch der Vorfall ist brisant: Schließlich ist Cummings der einflussreichste Berater des Premiers, und es ist nicht das erste Mal, dass der 48-Jährige wegen seines unorthodoxen Verhaltens aneckt. Cummings’ Vorgehen in der Coronakrise könnte dazu führen, dass die Bereitschaft der Briten weiter sinkt, die Einschränkungen zu befolgen.
Nun wiederholte Cummings am Montagabend eigenen Angaben zufolge die Erklärung, die er kurz davor dem Premierminister gegeben hatte. Demnach habe seine Frau Ende März Symptome einer Covid-19-Erkrankung gezeigt, sodass sie befürchtete, nicht für den gemeinsamen Sohn sorgen zu können. Auch Cummings selbst glaubte, infiziert zu sein.

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    Kritik an Johnson-Berater wegen angeblich unerlaubter Reise

    Deswegen seien er, seine Frau und der vierjährige Sohn gemeinsam rund 400 Kilometer weit zu seinen Eltern nach Nordengland gefahren, wo sie sich in einem separaten Haus isoliert hätten. Verpflegt worden seien sie von seiner Schwester und deren Familie. Alle hätten aber stets die Abstandsregeln eingehalten. Zu Ostern sei es ihnen besser gegangen, und so hätten sie auf einer kurzen Testfahrt ausprobieren wollen, ob er die fünfstündige Heimfahrt nach London schaffen könnte – auf diesem Ausflug seien sie aus der Ferne gesehen worden.

    Ungewöhnlich kleinlauter Auftritt

    Die Empörung vieler Briten könne er nachvollziehen, weil die Medien falsch berichtet hätten, sagte Cummings. „Ich hätte in den vergangenen Monaten vieles besser machen können, aber mit Blick auf diese 14 Tage habe ich, meiner Meinung nach, angemessen gehandelt.“

    Es wird sich zeigen, ob sich die Öffentlichkeit von Cummings’ ungewöhnlich kleinlautem Auftritt überzeugen lässt. Schon vor dem Vorfall war er umstritten wegen seines unorthodoxen Vorgehens und seiner ruppigen Art. Aber Cummings’ Verhalten in der Coronakrise und die Rückendeckung vonseiten des Premiers hatten eine Welle der Empörung ausgelöst.

    Vielfach wurde auf die großen Einschränkungen verwiesen, die andere Briten hinnehmen mussten, als sie selbst sterbende Familienangehörige nicht im Krankenhaus besuchen konnten. Dagegen wirkte Cummings’ Begründung anmaßend, sich und seine Familie nicht in London versorgen zu können.

    Cummings verteidigte sich. „Ich kann verstehen, dass manche Menschen sagen werde, ich hätte in London bleiben müssen“, sagte er, „aber ich möchte dem höflichst widersprechen.“ Die gesetzlichen Regeln würden nicht alle Umstände abdecken, „einschließlich derer, in denen ich mich befunden habe“.

    Rückendeckung vom Premierminister

    Der Premierminister hatte sich am Vortag hinter Cummings gestellt. Dieser sei „den Instinkten eines jeden Vaters gefolgt“, sagte Johnson am Sonntag. Cummings habe „in jeder Hinsicht angemessen, legal und integer“ gehandelt.

    Weite Teile der Bevölkerung und die politischen Gegner der Regierung sahen das aber anders. Sie kritisierten, dass für Regierungsmitglieder wohl andere Regeln gelten würden als für die Bevölkerung. Die Boulevard-Zeitung „Daily Mirror“ schrieb auf der Titelseite am Montag über ein Foto von Johnson und Cummungs „ein Betrüger und ein Feigling“, und die „Daily Mail“ titelte mit der Zeile „Auf welchem Planeten leben sie?“. Sogar Geistliche und Mitglieder der konservativen Regierungspartei hatten offen Kritik geäußert. Aber Premierminister Johnson ist der Einzige, der seinen Berater entlassen kann.

    Im Anschluss an die Pressekonferenz zeigte sich zumindest der konservative Regierungsabgeordnete Ben Bradley versöhnlich: „Ich denke, Dom Cummings hat verständlich gehandelt“, twitterte er. „Ich wünschte, wir hätten sein Statement schon am Freitag gehört, aber wir sollten nun in die Zukunft blicken.“

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