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Tourismus Corona geht auf Reisen: Urlauber bringen das Virus nach Griechenland

Griechenland hatte Corona bisher im Griff – nun schleppen Urlauber das Virus ein. Athen reagiert mit Tests und Einreise-Verboten. Doch Fachleute sind nicht nur wegen der Touristen besorgt.
09.07.2020 - 14:37 Uhr Kommentieren
Auf den griechischen Flughäfen werden bisher nur einzelne Reisende überprüft. Quelle: dpa
Tourismus in Griechenland

Auf den griechischen Flughäfen werden bisher nur einzelne Reisende überprüft.

(Foto: dpa)

Athen Sie wollten sich am Strand sonnen und im Meer schwimmen, in Edipsos auf der griechischen Insel Euböa. Aber jetzt sitzen sie in Quarantäne in ihren Hotelzimmern: 80 Touristen aus Serbien. Die Reisegruppe war am 3. Juli in zwei Bussen über den bulgarisch-griechischen Grenzübergang Promachonas ins Land gekommen.

Vier Tage später klagte einer der Reisenden über Unwohlsein und Fieber. Der Reiseleiter schickte den 50-Jährigen mit seiner Ehefrau per Taxi ins nächste Gesundheitszentrum. Ein Test ergab: Beide Eheleute sind mit dem Coronavirus infiziert. Das Paar befindet sich inzwischen auf der Isolierstation einer Klinik im mittelgriechischen Lamia.

Während die 80 Mitreisenden in den Hotelzimmern auf ihre Testergebnisse warten, versuchen die griechischen Behörden festzustellen, mit wem das infizierte Ehepaar sonst noch Kontakt hatte.

Das ist kein Einzelfall: Seit Griechenland nach dreimonatiger Corona-Zwangspause am 1. Juli die Flug- und Seehäfen sowie die Grenze zu Bulgarien wieder für Touristen öffnete, ist die Zahl der Neuinfektionen deutlich angestiegen.

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    Wurden vor der Öffnung an vielen Tagen weniger als zehn neue Fälle gemeldet, stellten die Behörden zwischen dem 1. und dem 8. Juli in Griechenland 510 neue Infektionen fest. Davon entfielen 365 auf Reisende aus dem Ausland. Am Mittwoch dieser Woche gab es 33 neue Fälle, darunter 21 Touristen.

    Griechenland selbst hat die Pandemie dank frühzeitig verordneter Kontaktbeschränken und eines konsequent umgesetzten Lockdowns bisher recht gut gemeistert. Es gibt nur 3622 bestätigte Infektionen. 193 Menschen sind bisher an den Folgen von Covid-19 gestorben. Mit 18 Corona-Toten pro Million Einwohner hat Griechenland eine der niedrigsten Sterblichkeitsquoten in Europa (Deutschland: 110).

    Die Reproduktionszahl R0 liegt bei 0,3. Das bedeutet: Die Epidemie ist unter Kontrolle. Aber jetzt bestätigen die jüngsten Zahlen, was die meisten Fachleute befürchteten: Urlauber bringen das bisher in Schach gehaltene Virus ins Land und verbreiten es.

    Von Promachonas aus drohe eine neue Epidemie

    Einfallstor ist vor allem der bulgarische Grenzübergang Promachonas, die einzige bisher geöffnete Straßenverbindung Griechenlands mit dem Ausland. Hier stauten sich nach der Öffnung am 1. Juli kilometerlang die Autos der Urlauber aus den Balkanländern. Sie machen traditionell gern in Nordgriechenland Urlaub oder kommen übers Wochenende zum Einkauf.

    „Promachonas ist ein Problem, von dort droht eine neue Epidemie“, warnt der Virologe Nikos Sypsas. Viele der Urlauber, die über Promachonas einreisten, waren Serben. Nachdem sich in Serbien das Virus in den vergangenen Tagen wieder schnell ausbreitet, hat Griechenland inzwischen serbischen Staatsbürgern die Einreise untersagt.

    Außerdem werden jetzt am Übergang Promachonas alle einreisenden Touristen ausnahmslos getestet. Die Reisenden müssen angeben, wo sie in den nächsten Tagen zu erreichen sind. Wer positiv getestet wird, kommt für 14 Tage in Quarantäne.

    Auf den griechischen Flughäfen werden bisher nur einzelne Reisende überprüft. Jeder Tourist muss spätestens 48 Stunden vor der Einreise eine Online-Registrierung ausfüllen. Er bekommt dann per E-Mail oder auf sein Smartphone einen QR-Code zugesandt. Dieser Code entscheidet darüber, ob er getestet wird oder nicht.

    Nach welchen Kriterien die Auswahl erfolgt, verrät die Regierung bisher nicht. Auch bei diesen Tests werden immer wieder Infektionen festgestellt, heißt es in Regierungskreisen. Wie hoch die Trefferquote ist, sagen die Behörden nicht.

    Die griechischen Fachleute sind nicht nur wegen der Touristen besorgt. Auch die wachsende Sorglosigkeit mancher Landsleute macht ihnen Angst. „Das Virus wartet nur darauf, sich wieder einzuschleichen, wenn wir einen Fehler machen“, warnt der Virologe Sypsas.

    Als abschreckendes Beispiel nennt der Wissenschaftler die Gemeinde Aliartos, wo sich am vergangenen Wochenende Hunderte Bewohner zu einem Dorffest versammelten. Es wurde bis in den frühen Morgen getanzt und getrunken, dicht an dicht drängten sich die Menschen auf dem Dorfplatz.

    Unter den Feiernden waren auch Lokalpolitiker und Parlamentsabgeordnete. „Das ist ein Spiel mit dem Feuer“, sagt der Virologe. „Wenn wir so weitermachen, riskieren wird eine neue Epidemie.“

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