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Tourismus Reisewarnungen: Spanien beklagt Missbrauch der Coronaregeln

Frankreich und Großbritannien verhindern Reisen in Regionen, in denen sich weniger Menschen infizieren als daheim. Spanische Politiker werfen ihnen Protektionismus vor.
02.08.2020 - 08:28 Uhr Kommentieren
Auch Deutschland rät von Reisen nach Katalonien ab Quelle: imago images/ZUMA Wire
Strand in Barcelona

Auch Deutschland rät von Reisen nach Katalonien ab

(Foto: imago images/ZUMA Wire)

Paris, Madrid, London Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez fand klare Worte, nachdem die britische Regierung am vergangenen Wochenende eine vierzehntägige Quarantänepflicht für Spanien-Rückkehrer verhängt hatte. „Die Entscheidung von Großbritannien ist unangemessen“, sagte er. Viele Gebiete in Spanien hätten weniger neue Infektionsfälle als der europäische Durchschnitt und auch als Großbritannien. Acht EU-Länder, darunter auch Deutschland, raten von Reisen nach Spanien oder in einige spanische Regionen ab. 

Für Spaniens Wirtschaft sind die Warnungen mitten in der Hochsaison verheerend. Darum versucht die Regierung mit intensiver Diplomatie, die Lage zu ändern. Bislang erfolglos. 

Die Entwicklung der Fallzahlen in Spanien ist besorgniserregend. In den vergangenen 14 Tagen gab es 27.020 neue Infektionen. Das entspricht 57 Infizierten pro 100.000 Einwohnern. Doch die Lage ist regional sehr unterschiedlich.

Auf den Balearen sind die Infektionen seit der britischen Quarantäne-Entscheidung zwar auf 21 neue Fälle pro 100.000 Einwohner am Freitag angestiegen. Bei den Kanaren bleiben sie jedoch stabil bei sieben. In Großbritannien liegt der Wert bei 13. Warum also sollten sich Briten daheim in Quarantäne begeben, wenn sie auf den Kanaren ihren Urlaub verbracht haben?

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    Aus Großbritannien kommen die meisten Spanien-Urlauber, 18 Millionen waren es im vergangenen Jahr, gut ein Fünftel aller Besucher. Darum leidet der spanische Tourismus besonders unter der Entscheidung aus London. Doch der Wunsch Madrids, die Balearen und die Kanaren von der Quarantänepflicht auszunehmen, stößt in London bisher auf taube Ohren.

    Auch britische Fluglinien leiden unter der Quarantäne

    Der britische Premier Boris Johnson steht unter Druck. Zu Beginn der Pandemie war er lange untätig gewesen. Obwohl sich die Krankheit viel später verbreitete als in Spanien und Italien, verzeichnet Großbritannien die höchste Todeszahl Europas. Nun will Johnson zeigen, dass er die Gefahr einer zweiten Ansteckungswelle ernst nimmt.

    Die Position der Regierung soll konsistent sein, deshalb macht er auch keine Ausnahmen für Balearen und Kanaren. Die Einreise der Madrider Fußballfans zum Champions-League-Spiel in Liverpool im März wird immer wieder als einer seiner größten Fehler genannt. Dass die Regierung durchgehend alle Einreisenden ohne Kontrollen ins Land ließ, ist ein weiterer Vorwurf.

    Die Kritik an der Pauschalquarantäne kommt nicht nur aus Spanien. 47 britische Fluggesellschaften, Reiseveranstalter und Flughäfen fordern die Regierung auf, die Quarantänepflicht auf besonders betroffene Regionen zu beschränken. „Wir sind in der außergewöhnlichen Lage, dass die Regierung zum lokalen Tourismus aufruft, aber vor Reisen in Gegenden Spaniens warnt, die niedrigere Infektionsraten haben als Teile des Königreichs“, heißt es in einem offenen Brief.

    Die britische Tourismusindustrie könne davon „dauerhaft gezeichnet“ werden. In Großbritannien zählen Fluglinien wie Easyjet und British Airways zu den Hauptbetroffenen. Auch die Urlauber zeigen Unverständnis darüber, dass sie nun zum Teil auf hohen Stornierungskosten sitzen bleiben.

    Frankreichs Tourismus könnte profitieren

    Auch das Vorgehen Frankreichs wirft Fragen auf. Während etwa Deutschland am Freitag eine Quarantänepflicht für Reisende aus den drei besonders betroffenen spanischen Gebiete Katalonien, Aragon und Navarra verhängte und vor Reisen dorthin warnt, hat sich Frankreich allein Katalonien herausgepickt – jene beliebte Urlaubsregion, die direkt hinter der französischen Grenze liegt.

    Einer sachlichen Prüfung hält diese Warnung nicht stand, denn auch innerhalb Kataloniens ist das Bild differenziert. In vielen Urlaubsorten dort liegen die Fallzahlen unter dem spanischen Durchschnitt.

    Ungewöhnlich schroff warnte der neue französische Premierminister Jean Castex die Franzosen in der vergangenen Woche, sich „nicht nach Katalonien zu begeben, solange die gesundheitliche Lage sich dort nicht verbessert“. Dabei verzeichneten zu dem Zeitpunkt der katalanische Landkreis Tarragonés an der Costa Dorada 17 Infizierte pro 100.000 Einwohner, in Baix Empordà an der Costa Brava waren es elf. In manchen touristischen Schwerpunktregionen Frankreichs sind es deutlich mehr – in Mayenne in Westfrankreich sind es 76, in den Vogesen 20.

    Auch auf nationaler Ebene steht Frankreich bei einigen Indikatoren schlechter da: Das Land hatte in der vergangenen Woche fünfmal mehr neue schwere Covid-19-Fälle als sein südlicher Nachbar. Der R-Faktor, der anzeigt, wie viele Menschen ein Infizierter ansteckt, ist in Frankreich etwas höher als in Spanien.

    Frankreich hat selbst eine starke Reisebranche. Der Vorwurf liegt nahe, dass die Regierung auch die eigene Wirtschaft stärken will, indem sie Anreize schafft, dass die Franzosen ihren Urlaub dieses Jahr im eigenen Land verbringen.

    „Touristischer Protektionismus“

    Der spanische Europaabgeordnete Jordi Cañas reagiert sauer auf die Quarantänepflicht der Briten und auf die Warnung des französischen Premiers: „Das ist eine Form von touristischem Protektionismus“, sagte er der Zeitung „Politico“. Premier Castex hatte verlauten lassen, er wolle den Grenzverkehr mit Katalonien einschränken. Das grenze an eine Einschränkung der Bewegungsfreiheit, wettert Cañas. Umgesetzt ist es bislang nicht.

    Der spanische Tourismusverband Exceltur warnt bereits, dass die Saison „die schon schleppend begonnen hat, vorzeitig enden wird“. Viele Hotels würden gar nicht erst öffnen, wodurch Hunderttausende Jobs gefährdet und Tausende Unternehmen von der Insolvenz bedroht seien. Der Tourismus macht zwölf Prozent des spanischen Bruttoinlandsprodukts aus.

    Mehr: Spaniens Tourismus droht der Kollaps.

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