Transatlantisches Freihandelsabkommen TTIP Rostbratwürstchen aus Kentucky

Erst war es das Chlorhühnchen, nun hat Agrarminister Schmidt mit der möglichen Aufweichung beim Schutz regionaler Spezialitäten für neue Kontroversen um das Freihandelsabkommen TTIP mit den USA gesorgt.
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Demonstranten in Belgien: Das Freihandelsabkommen TTIP löst heftige Proteste aus. Quelle: Reuters

Demonstranten in Belgien: Das Freihandelsabkommen TTIP löst heftige Proteste aus.

(Foto: Reuters)

BerlinKölsch aus Minnesota? Bayerische Brezen aus Boston? Hessischer Apfelwein aus Kalifornien? Oder schwäbische Maultaschen aus Chicago? Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) hat einen Testballon steigen lassen - und einen Sturm der Entrüstung ausgelöst.

All diese Produkte stehen auf der EU-Liste besonderer regionaler Spezialitäten. Aber in den Verhandlungen über das transatlantische Freihandelsabkommen mit den USA könnte der Schutz zum Teil fallen. Schmidt hatte im „Spiegel“ betont: „Wenn wir die Chancen eines freien Handels mit dem riesigen amerikanischen Markt nutzen wollen, können wir nicht mehr jede Wurst und jeden Käse als Spezialität schützen.“

Am Montag hat sein Sprecher sichtbar Mühe, die Worte wieder einzufangen, denn vom Bauernverband bis zu Verbraucherschützern gibt es große Irritation. Der Vizechef der Linken-Fraktion, Klaus Ernst, sieht sich in seinen Warnungen vor dem TTIP-Abkommen bestätigt: „Das geht zulasten der Hersteller in Europa, die Spitzenqualität auf den Markt bringen“. Die Liste der Zugeständnisse an die USA wird immer länger“, so Ernst.

Schmidt will seine Worte nun vor allem so verstanden wissen, dass angesichts von weit über 1000 Siegeln und Regionalprodukten in der EU nicht alles geschützt werden könne. Aber eine Original Nürnberger Rostbratwurst aus Kentucky oder Schwarzwälder Schinken made in USA will der Bayer verhindern. Was stimmt: Schon heute kommen viele Grundstoffe gar nicht aus der jeweiligen namensgebenden Region, umso wichtiger scheinen künftig klare Regeln für Herkunftsbezeichnungen. Dann liegt es beim Verbraucher, ob er Original oder Kopie kauft.

„Mindestens 90 Prozent des für Schwarzwälder Schinken verwendeten Schweinefleischs kommt zum Beispiel nicht aus dem Schwarzwald, und darf trotzdem ganz legal als regionales Produkt vermarktet werden“, meint Thilo Bode, Geschäftsführer der Organisation Foodwatch.

Die Bürger treibt das Abkommen ziemlich um. Zum Symbol einer angeblich drohenden Absenkung von Verbraucher- und Umweltstandards wurde das Chlorhühnchen. Der für die Verhandlungen über die Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP) federführend zuständige Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel meinte bei einem USA-Besuch: „Dass da etwas nicht stimmt, sieht man, wenn dieselben Menschen, die das Chlorhuhn fürchten, ihre Kinder bedenkenlos ins Schwimmbad schicken, wo die dann selbst den ganzen Tag in Chlor baden.“

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4 Kommentare zu "Transatlantisches Freihandelsabkommen TTIP: Rostbratwürstchen aus Kentucky"

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  • Unsere Politiker wollen die Bürger nur belügen und betrügen. Es reicht schon heute, wenn ein Produkt einen deutschen Namen erhält, egal wo es herkommt, um "Made in Germany" zu erhalten:

  • Warum keine Würstchen aus Kentucky - wenn´s denn auf der Packung vermerkt ist?

    Gleiches gilt für alles andere, was hier und anderswo als original verkauft wird, was es ohnedies längst nicht immer ist.

    Transparenz ist alles - solange jeder weiß, was drin ist, darf alles verkauft werden.
    Das nennt man "frei" und "offen" und ist bislang selten.

  • Es muß heißen "Nürnberger" Rostbratwürstchen aus Kentucky, dann ist der Joke gelungen. Es werden aber sicher noch gelungenere und auch krankhaftere Jokes folgen, denn man kann noch viel mehr Nahrungsmittel versauen.

  • TTIP nützt nur den Amerikanern nd deren Büttle in unseren Parlamenten werden es - zum Nachteil der europäischen Verbraucher - abnicken und allen amerikanischen Wünschen nachgeben.

    Der einzge Weg, TTIP nicht zu bekommen, ist aus der EU auszutreten oder die EU gleich ganz zu zerschlagen.

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