Trauer und Betroffenheit Das Grauen des Krieges kommt nach Italien

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Alle italienischen Spitzenpolitiker und auch der Papst äußerten ihre Erschütterung über den Selbstmordanschlag. „Italien lässt sich nicht einschüchtern“, erklärte Regierungschef Berlusconi. Doch nach Ansicht politischer Beobachter sind die politischen Folgen, die der Anschlag für ihn haben könnten, noch völlig unabsehbar. Einige Oppositionspolitiker verlangten sofort den Abzug der italienischen Soldaten aus dem Irak.

Ihre Entsendung war eine Entscheidung, die Berlusconi politisch zu verantworten hat. Im Irak-Konflikt hatte er von Anfang an einen pro- amerikanischen Kurs gesteuert, den die Mehrheit der Italiener aber nicht akzeptiert hat. Massendemonstrationen für den Frieden hatten Berlusconi nicht beeindruckt. Selbst die Warnungen von Papst Johannes Paul II. schlug er in den Wind und zog sich damit den Ärger der noch immer einflussreichen katholische Kirche zu.

Berlusconi wollte sich als treuer Verbündeter der USA erweisen und nahm dafür auch einen Bruch mit Frankreich und Deutschland in Kauf, die bis heute den Irak-Krieg als Fehlentscheidung von US-Präsident George W. Bush ablehnen.

Italien hat sich zwar nicht direkt mit Truppen an dem Krieg beteiligt, der zu Saddam Husseins Sturz führte. Nach dem offiziellen Kriegsende hatte Berlusconi aber mit der Entsendung von Soldaten in den vermeintlich sicheren Süden des Irak gehofft, den goldenen Mittelweg gefunden zu haben. Einerseits konnte er den USA seine Loyalität beweisen und zugleich riskierte er keine Opfer, die die öffentliche Meinung in Italien gegen ihn aufbringen könnten. Die Rechnung ging nur bis zum Anschlag am Mittwoch auf.

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