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Treffen im Weißen Haus US-Regierung empfängt deutsche Autobosse – Lassen sich die Strafzölle noch verhindern?

Kurz nach dem G20-Gipfel in Buenos Aires empfängt die US-Regierung die deutschen Automanager zu Gesprächen. Sowohl Berlin als auch Brüssel sind irritiert.
Update: 29.11.2018 - 21:13 Uhr 4 Kommentare
Lassen sich die Autozölle von Trump noch verhindern? Quelle: dpa
Verschiffung von Neuwagen

Lassen sich die Autozölle von Trump noch verhindern?

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie L.A.-Motorshow ist eigentlich kein Ort für große Politik. Hier unter der Sonne Kaliforniens trifft sich die Autoindustrie, um Cabrios und Sportwagen zu promoten. Washington und die Befindlichkeiten des US-Präsidenten sind eigentlich weit weg. Doch in diesem Jahr liegen die Dinge anders.

Mit der Ankündigung von General Motors, gleich fünf Werke in den USA schließen zu wollen, hat sich der Konzern den Zorn des US-Präsidenten eingehandelt. Und auch die Deutschen Autohersteller müssen zittern: Mit der Androhung, noch vor Weihnachten Strafzölle auf Autoimporte aus Europa in Höhe von 25 Prozent einzuführen, fürchten Daimler, BMW und der VW-Konzern Milliardenbelastungen.

Die Deutschen haben verstanden: Kaum in L.A. angekommen, lässt BMW-Chef Harald Krüger durchblicken, für den Bau von Motoren und Getrieben in den USA ein neues Werk errichten zu wollen. Auch Volkswagen erklärte am Donnerstag, für den Bau von Elektroautos einen neuen Standort in den USA zu suchen. 

Daimler will mit einer Großinvestition die bestehende Fabrik in Alabama für die Produktion der neuen Elektromarke „EQ“ fit machen.

Die Botschaft ist angekommen. Während Donald Trump am Donnerstag GM über den Kurznachrichtendienst Twitter abstrafte, fand er für die Deutschen nur lobende Worte. „Autofirmen strömen in die USA, einschließlich BMW, die gerade den Bau einer großen neuen Fabrik verkündet haben. Die USA boomen!“

Tatsächlich beugen sich BMW, Daimler und der VW-Konzern dem Druck der US-Regierung. Wie das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen erfuhr, werden die führenden deutschen Automanager nun bereits am kommenden Dienstag, also gleich nach dem G20-Gipfel in Buenos Aires, die Gelegenheit bekommen, im Weißen Haus vorzusprechen.

Die Einladung kommt vom US-Botschafter in Berlin. Richard Grenell teilte den Konzernen mit, dass an den Gesprächen der US-Handelsbeauftragte Robert Lighthizer und Wirtschaftsminister Wilbur Ross teilnehmen würden. Daimler-Chef Dieter Zetsche, BMW-Chef Harald Krüger und VW-Chef Herbert Diess werden der Einladung folgen. Ob US-Präsident Donald Trump persönlich an dem Treffen teilnimmt, ist unklar.

Der US-Botschafter betonte, dass der Termin am kommenden Dienstag noch nicht abschließend bestätigt sei. „Der 4. Dezember ist ein Vorschlag der deutschen Autokonzerne“, stellte der Sprecher der US-Botschaft in Berlin klar.

Skepsis in Berlin und Brüssel

Dass die US-Regierung sich in der politisch so brisanten Handelsfrage direkt mit den Vorstandsvorsitzenden ausländischer Unternehmen abstimmt, ist durchaus unorthodox. Und das ist noch vorsichtig ausgedrückt. So ist man auch in der Bundesregierung bemüht, dem Eindruck entgegenzutreten, die Autobosse handelten anstelle der Bundesregierung.

Wie es in Regierungskreisen heißt, werden sich die Automanager noch im Vorfeld des Treffens in Washington mit EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström abstimmen. Außerdem würden sie gleich nach dem bilateralen Treffen zwischen Kanzlerin Angela Merkel und Donald Trump in Buenos Aires auf den Stand gebracht.

Auch die EU-Kommission ist skeptisch. Sie fürchtet ebenso wie die Bundesregierung, dass Trump dieses Treffen nutzen könnte, um an wertvolle Informationen von den Autobauern zu kommen. Diese wiederum könnten der US-Seite Vorteile bei den Verhandlungen mit der EU bringen.

Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hatte Ende Juli mit Trump Gespräche über engere Handelsbeziehungen vereinbart. Trump sagte zu, auf neue Zölle zu verzichten, solange Sondierungsgespräche laufen. Beim G20-Gipfel dürfte Juncker versuchen, noch einmal Einfluss auf Trump zu nehmen und den Burgfrieden zu retten.

Der US-Präsident strebt ein umfassendes Industriezollabkommen mit der EU an. Zwar haben die Verhandlungen zwischen Malmström und Lighthizer bislang eine Annäherung bei der regulatorischen Zusammenarbeit gebracht, aber keinerlei Fortschritte beim angestrebten Industriezollabkommen.

In EU-Kreisen wird davon ausgegangen, dass Trump die Autozölle als Druckmittel einsetzen wird, um den Europäern – ebenso wie den Japanern – weitreichende Zugeständnisse abzuringen. Sei es bei der Öffnung des europäischen Agrarmarkts, den die EU bislang kategorisch aus den Gesprächen ausklammert.

Oder sei es bei den Autoexporten: So könnte Trump verlangen, dass die EU ihre Autoexporte in die USA begrenzt, also Exportquoten einführt. Das aber lehnt die EU ebenfalls entschieden ab. Sie droht für den Fall, dass Trump Autozölle verhängt, mit Gegenzöllen auf US-Importe im Wert von 20 Milliarden Euro.

„Die EU ist fast so schlimm wie China, nur kleiner“, hatte Trump wiederholt gewettert. Und tatsächlich fürchten die Autokonzerne, dass die US-Regierung schon bald die angedrohten Zölle verhängen könnte. „Die Wahrscheinlichkeit ist deutlich gestiegen“, heißt es im Umfeld der Autokonzerne.

Trump handelt als Geschäftsmann

EU-Kommissar Günther Oettinger ließ am Donnerstag einen Medienbericht dementieren, wonach die Strafzölle noch vor Weihnachten verhängt würden. Ein Regierungsmitglied der Bundesregierung sagte dazu, es komme beim G20-Gipfel darauf an, wie die Chemie zwischen Europa und US-Präsident Trump sei.

Stimme die Chemie, bekämen die deutschen Autobauer wieder eine Schonfrist. Stimme sie nicht, könnten die Strafzölle sehr schnell verhängt werden.

Aus Sicht der EU betreibt Trump Handelspolitik wie ein Geschäftsmann. Es könnte auch sein, so heißt es in Berliner Regierungskreisen, dass Trump von den deutschen Managern vor allem Investitionszusagen verlangt.

Problematisch ist aus europäischer Sicht, dass sich die Europäer nicht wirklich einig sind in ihrer Verhandlungsstrategie mit Donald Trump. Während Frankreich durchaus bereit ist, einen aggressiveren Kurs gegenüber Washington einzuschlagen, kommt es der Bundesregierung vor allem darauf an, eine weitere Eskalation des Konflikts zu verhindern.

Vor allem Strafzölle auf Autos würden Deutschland viel härter treffen als Frankreich und viele andere europäische Länder. Deshalb ist die Bundesregierung darauf bedacht, sich zwar eng mit Handelskommissarin Malmström abzustimmen. Gleichzeitig aber nutzt sie auch immer die eigenen Kanäle, um mit den USA im Gespräch zu bleiben.

In Washington wurde genau registriert, dass Bundeswirtschaftsminister Altmaier ganz am Anfang seiner Amtszeit mit seinem Amtskollegen Wilbur Ross Gespräche über Freihandelsfragen geführt hatte.

Schon jetzt leiden die deutschen Autobauer unter dem Handelskonflikt zwischen den USA und China. Als Antwort auf US-Strafzölle gegen chinesische Produkte hatte die Regierung in Peking unter anderem Strafzölle auf Autoimporte aus den Vereinigten Staaten erhoben. BMW, das aus seinem Werk in Spartanburg viele SUVs nach China exportiert, fürchtet deshalb Einbußen von mehreren Hundert Millionen Euro.

Auch die neue Freihandelszone zwischen den USA, Kanada und Mexiko stellt an die Autokonzerne höhere Anforderungen im Bezug auf die lokale Wertschöpfung. So müssen demnächst 75 Prozent der Teile eines Autos aus der Nafta-Region kommen, um nicht mit Zöllen und Abgaben belegt zu werden.

Daimler und BMW, die größten Autoproduzenten im Süden der USA, kommen derzeit auf Werte zwischen 65 und 70 Prozent, auch weil sie Motoren und Getriebe immer noch aus Deutschland importieren.

Fakt ist: Der G20-Gipfel und die anschließenden Gespräche zwischen den Automanagern und der US-Regierung sind für die deutsche Wirtschaft von kaum zu unterschätzender Bedeutung. Und auch das ist wahr: Der US-Präsident verhandelt längst nicht mehr aus der Position der Stärke: Die Aktienkurse an der Wall Street, von Trump selbst als Gradmesser für seine Politik auserkoren, schlingern, und die Wachstumsprognosen für die US-Konjunktur sinken – zuletzt für 2019 auf 2,4 Prozent.

„Auch wenn es lange nicht so aussah, die US-Ökonomie wird durch Trumps Wirtschaftspolitik, sei es der Protektionismus oder auch seine Steuersenkungen, großen Schaden nehmen“, sagt Dennis Snower, Chef des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel. Das zeigt auch der jüngste Fall GM.

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4 Kommentare zu "Treffen im Weißen Haus: US-Regierung empfängt deutsche Autobosse – Lassen sich die Strafzölle noch verhindern?"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @Herr Hans Henseler und Herr Holger Freund:
    Es geht nicht darum, dass beim Umzug der Automobilindustrie wirklich viele Arbeitsplätze in Deutschland verloren gehen, es geht um folgendes:
    Die (EU+) deutschen Politiker und auch die Journalisten schlagen gerne auf die Branche ein, sie überspannen mit unsinnigen Grenzwerten - wie 40 Mikrogramm NOx und unsinnigen CO2 Forderungen den Bogen. Analoges gilt für Bank- und Energiebranche.
    Die Steuern in USA sind deutlich günstiger als in der EU.
    Über Niederlande + Offshore kann man zusätzlich Steuern sparen - siehe Amazon + Apple.
    Da kann man doch gerne die Konzernzentrale nach Delaware in die Steueroase der USA verlegen: Man zahlt deutlich weniger Steuern und wird nicht mehr von irgendwelchen IDEOLOGISCHEN Politikern und Journalisten BELÄSTIGT. Nach dem Motto "Habe fertig". Sehr viele dieser Ideologen haben doch überhaupt keine Beziehung zur arbeitenden Bevölkerung, die an der Maschine ihre Arbeit leisten! Gerade auch die Politiker der SPD (aber auch Grünen) nicht!
    Die Entwicklungsabteilung MUSS natürlich in Deutschland bleiben! Großes Vorbild ist Adidas - in Deutschland forschen und entwickeln - in Asien produzieren!

  • Herr Freund, die Deutschen kaufen die Autos nach ihrem Geschmack und nicht nach ihrer
    Herkunft. Aber natuerlich wird die deutsche Autoindustrie nicht komplett nach USA um-
    ziehen. Und selbstverstaendlich koennen wir Autos Made in USA, gleich welcher Marke
    mit Strafzoellen ueberziehen, wenn die Amerikaner das tun.

  • Wenn die Autoindustrie aus Deutschland ganz nach den USA geht stellt sich mir natürlich die Frage, wer dann noch Autos von BMW, Daimler und VW hier (bzw. in Europa ) kaufen soll (Wegfall der Arbeitsplätze). Man könnte diese Autos ja auch mit einen hohen Zoll belegen. Ist dann ja Importware aus den USA.

  • Wenn Deutschland seine Banken und Automobilkonzerne in selbst zerstörerischer Weise behandelt, dann macht es absolut Sinn sich nach USA zu orientieren.
    Die steuerliche Behandlung ist besser und man wird nicht so schlecht behandelt.
    Die EU-Komission zeigt mit ihren Übertreibungen "bis 2050 CO2 neutral", dass sie keine Ahnung von der Realität haben und nur dogmatisch irgendwelche Ideologien hinterherlaufen.

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