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Boris Johnson

Er könnte in die Lieblingsrolle britischer Premierminister schlüpfen und den Vermittler zwischen USA und EU spielen.

(Foto: AP)

Treffen in Biarritz Zwischen allen Stühlen: Für Johnson wird der G7-Gipfel zu einer Gratwanderung

Boris Johnson reist zu seinem ersten G7-Gipfel als Premier. Zwischen Trump und den Europäern muss er die richtige Balance finden – ein Vorgeschmack auf das Leben nach dem Brexit.
Update: 24.08.2019 - 15:51 Uhr Kommentieren

London Die Generalprobe hat Boris Johnson schon mal bestanden. Seine Antrittsbesuche in Berlin und Paris diese Woche liefen reibungslos über die Bühne. Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Emmanuel Macron gaben sich verbindlich, die unverändert tiefe Kluft im Brexit-Streit wurde mit viel Lächeln überbrückt.

Beim G7-Gipfel nun wartet auf den britischen Premierminister ab dem heutigen Samstag eine ungleich größere Herausforderung. Mit Donald Trump kommt in Biarritz eine unberechenbare Variable hinzu. Der US-Präsident liebt es, Gipfel-Eklats zu provozieren, und könnte Johnson leicht in die Bredouille bringen. Er müsste den Finger nur in die Brexit-Wunde legen und den Briten gegen die anderen Europäer ausspielen.

„Es besteht die Gefahr, dass Trump interveniert und Johnson zwingt, unangenehme Fragen zu beantworten“, sagt Tom Raines von der Londoner Denkfabrik Chatham House. Brexit-Fan Trump hat den Briten bereits zu einem ungeordneten Brexit geraten und mit einem schnellen Handelsabkommen mit den USA gelockt. „Trump und sein Sicherheitsberater John Bolton sind sehr feindselig gegenüber der EU eingestellt, weil diese als multilaterale Organisation gegen ihr Verständnis von Außenpolitik verstößt“, sagt Raines. Sie nutzten den Brexit, um die Europäer zu spalten.

Für Johnson wird der Gipfel daher zu einer Gratwanderung. Zwischen dem Amerikaner und den Europäern muss er die richtige Balance finden. Von beiden will er einen guten Handelsdeal und kann es sich daher nicht leisten, eine Seite zu verprellen. Johnson werde seinen Charme spielen lassen und möglichst unverbindlich bleiben, prognostiziert Raines. „Ich habe absolut klargemacht, dass ich keinen No-Deal-Brexit will“, sagte Johnson dann auch am Samstag bei seinem Flug nach Frankreich.

Eine gewisse Verbrüderung zwischen Johnson und Trump scheint bei ihrem ersten Treffen unvermeidlich. Trump sieht den Brexit-Wortführer als Bruder im Geiste und hat ihn bereits als „Großbritanniens Trump“ gepriesen. Auch persönlich dürften sie besser miteinander auskommen als Trump und Johnsons steife Vorgängerin Theresa May.

Johnson müsse allerdings aufpassen, nicht so untertänig zu wirken wie Tony Blair, sagt Raines. Der frühere Premierminister galt am Ende nur noch als Befehlsempfänger von George W. Bush. Das komme in der britischen Öffentlichkeit nicht gut an. „Johnson will nicht als Trumps Pudel gesehen werden“, sagt Raines.

Was Johnson will

Abgesehen vom Brexit steht die britische Regierung in allen wesentlichen außenpolitischen Fragen näher an der EU als an den USA. Das dürfte sich auch unter Johnson nicht ändern. Beim voraussichtlich wichtigsten Thema des Gipfels, den Amazonas-Bränden und dem Klimawandel, wird der Premierminister die anderen Europäer unterstützen. London verfolgt das Ziel einer emissionsfreien Wirtschaft bis 2050.

Im Atomstreit mit dem Iran setzt Großbritannien auf einen Mittelweg. Man beteiligt sich zwar an der US-geführten Marinemission im Persischen Golf, hält aber an der diplomatischen Linie der Europäer fest. Den im Juli von britischen Soldaten festgesetzten iranischen Tanker Grace I hat das britische Überseegebiet Gibraltar inzwischen wieder fahren lassen – gegen den Protest der USA.

Auch Trumps Protektionismus und den Handelskonflikt mit China sieht die britische Regierung skeptisch. Sie versteht sich als Verteidiger des Freihandels und setzt sich zusammen mit den anderen Europäern für die Welthandelsorganisation WTO ein.

In der Frage einer Digitalsteuer findet sich London bisher ebenfalls auf der Linie der Europäer. Frankreich hat so eine Steuer bereits, Großbritannien will sie im kommenden April einführen. Die USA fordern, diesen Plan zu verwerfen, weil er vor allem die großen US-Konzerne trifft. Sonst gebe es keine Freihandelsgespräche, sollen US-Regierungsvertreter laut „Daily Telegraph“ in Gesprächen mit der britischen Seite gedroht haben.

Beim G7-Gipfel wird Johnson also zwischen den Stühlen sitzen. Die Europäer sehen ihn wegen des Brexits mit Misstrauen, zugleich muss er zu Trump eine gewisse Distanz halten. Er könnte in die Lieblingsrolle britischer Premierminister schlüpfen und den Vermittler zwischen USA und EU spielen. Vor allem werde Johnson darauf achten, dass Trump nicht in die Ecke gedrängt werde, sagt Raines. „Er will keinen Gipfel, bei dem alle gegen Trump sind.“

Mehr: Beim Besuch in Paris gab es Aufregung um ein Foto, auf dem Johnson seinen Fuß auf einen Tisch stellte. Lesen Sie hier mehr.

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