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Donald Trump (l.) und Kim Jong Un

Kritiker fürchten, der US-Präsident könnte gegenüber dem nordkoreanischen Machthaber zu große Zugeständnisse machen.

(Foto: AFP)

Treffen in Hanoi Diese Gefahren birgt Trumps Verhalten gegenüber Kim Jong Un

Der US-Präsident betont ein gutes Verhältnis zu Kim Jong Un. Doch damit weckt er Ängste vor einer De-facto-Anerkennung Nordkoreas als Atommacht.
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Hanoi, TokioDer zweite Gipfel von US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un beginnt wie eine Kopie ihres ersten Treffens. Wie schon 260 Tage zuvor in Singapur bilden in Hanoi sechs amerikanische und sechs nordkoreanische Flaggen die Kulisse für den Handschlag der beiden Staatsmänner.

Trump tätschelt abermals den Rücken seines Gesprächspartners, beide lächeln erneut freundlich in Kameras. Die Bilder unterscheiden sich im Wesentlichen dadurch, dass Trumps Krawatte nun eine andere Farbe hat.

Auch im Gezerre um Nordkoreas Atomprogramm hat sich seit dem Singapur-Gipfel nicht viel verändert: Damals unterschrieben Trump und Kim zwar eine Erklärung, nach der sie auf die Denuklearisierung Koreas hinarbeiten wollen. Konkrete Schritte oder zumindest ein Zeitplan blieben seither jedoch aus.

In seinen einleitenden Worten in Hanoi gibt Trump indirekt zu, dass seine Gipfeldiplomatie bisher wenig Substanzielles hervorgebracht hat: „Der größte Fortschritt ist unser wirklich gutes Verhältnis zueinander“, sagte er zu Kim, den er zuvor als „meinen Freund“ bezeichnet hatte.

Zwei Tage haben die beiden Staatschefs für ihren zweiten Versuch veranschlagt, um nun womöglich konkretere Resultate zu erzielen. Der Gesprächsstoff scheint jedoch für so viel Zeit nicht auszureichen.

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Der erste Gipfeltag im noblen Hotel Metropole im Zentrum der vietnamesischen Hauptstadt begann erst am Abend – mit einem kurzen Zweiertreffen von Trump und Kim und einem anschließenden Abendessen, das laut Trump nur kurz ausfällt: „Wir haben morgen viel zu tun.“

Seine Verhandlungsstrategie hat der US-Präsident vor dem eigentlichen Beginn der Gespräche bereits mehrfach deutlich gemacht. Im Tausch für Zugeständnisse beim Atomprogramm verspricht er einen Schub für Nordkoreas kriselnde Wirtschaft. „Ich glaube, Ihr Land hat enormes wirtschaftliches Potenzial“, sagte er zu Kim. „Ich freue mich zu sehen, was passieren wird.“

Der Gipfel beginnt an einem für Trump innenpolitisch schwierigen Tag. Wenige Stunden nach dem Handschlag mit Kim macht sein früherer Anwalt Michael Cohen vor dem US-Kongress eine Aussage, in der er den Präsidenten belastet. Zu den Bildern von Trump und Kim in Hanoi blendet CNN einen Countdown bis zum Beginn der Cohen-Kongressanhörung ein.

Ein nach Hanoi mitgereister US-Reporter ruft Trump bei dem Fototermin eine Frage zu dem Fall zu. Trump tut so, als hätte er sie nicht gehört.

Doch politische Beobachter glauben, dass die Probleme in Washington Trump auch im fernen Hanoi beschäftigen – und seinen Drang, ein positiv wirkendes Gipfelergebnis zu erzielen, noch bestärken. „Trump könnte versuchen, mit einer großen Ankündigung in Hanoi den negativen Berichten etwas entgegenzusetzen“, sagt Srinivasan Sitaraman, Politikprofessor und Nordkorea-Experte an der Clark University im US-Bundesstaat Massachusetts.

Er sieht darin eine Gefahr. „Die Angst ist, dass sich Trump mit etwas zufriedengibt, das deutlich unterhalb des Ziels der nuklearen Abrüstung liegt und im Gegenzug Sanktionen aufheben wird.“ Sitaraman fügt hinzu: „Am schlimmsten wäre es, wenn Trump spontan etwas entscheidet, das die nächste US-Regierung oder sogar seine eigene Regierung in eine schwierige Lage versetzt.“

„Gefährliche Abkehr von jahrzehntelanger US-Politik“

Seine Kritiker werfen Trump vor, sich mit Nordkoreas Atomwaffen abzufinden. Susan Rice, frühere Nationale Sicherheitsberaterin der USA unter Präsident Barack Obama, sieht eine „gefährliche Abkehr von jahrzehntelanger US-Politik“, die eine vollständige, verifizierbare und unumkehrbare nukleare Abrüstung Nordkoreas anstrebte.

Trumps Haltung komme der Anerkennung Nordkoreas als Atommacht gleich, schrieb sie in einem Meinungsbeitrag für die „New York Times“. Sie befürchte, dass Trump im Drang, eine gute Optik zu erzielen und von innenpolitischen Problemen abzulenken, Zugeständnisse machen könnte, ohne dafür substanzielle Gegenleistungen seitens der Nordkoreaner zu erhalten.

Ähnlich äußert sich Akira Kawasaki, der die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN) während des Gipfels in Hanoi vertritt: „Es gibt das Risiko, dass die vollständige Denuklearisierung in den Hintergrund gerät“, sagt er dem Handelsblatt. „Eine Friedenserklärung wäre zwar gut. Aber Frieden mit Nuklearwaffen ist weder akzeptabel noch nachhaltig.“

Trump machte beim Treffen mit Kim nur einen knappen Versuch, die Befürchtungen zu entkräften. Auf eine Reporterfrage, ob er sich von dem Ziel der Denuklearisierung abgewandt habe, antwortete er nur mit einem knappen „Nein“.

Etwas ausführlicher wurde Trump auf Twitter. Dort schrieb er von falschen Berichten über seine Absichten bei dem Gipfel: „Kim Jong Un und ich werden sehr hart versuchen, etwas bei der Denuklearisierung zu erreichen und dann Nordkorea zu einem ökonomischen Kraftzentrum zu machen.“

Südkoreas Präsident Moon Jae In zeigte sich ähnlich optimistisch. Er drängt seit seinem Amtsantritt auf eine Annäherung mit dem Norden. Am Mittwoch nutzte er ein Treffen mit Vertretern der Vereinigten Arabischen Emirate, um seine Botschaft an sein Volk zu bringen. Er bezeichnete den zweiten Gipfel als „wichtige und bedeutsame Tage, um auf der koreanischen Halbinsel Frieden und Wohlstand zu schaffen“.

Nord- und Südkorea nähern sich weiter an

Inzwischen wird seine Politik über die Parteigrenzen hinweg geteilt. Gemeinsam wünschten die Regierungs- und vier Oppositionsparteien Trump und Kim Erfolg. Allerdings wiesen sie Trump darauf hin, dass seine Verhandlungen auf Grundlage der starken Militärallianz zwischen den USA und Südkorea geführt werden müssten. Denn seit Wochen hält sich die Sorge, dass Trump Truppen in Südkorea abziehen könnte – womöglich im Tausch gegen nur vage Versprechen.

Gleichzeitig bauen der Norden und der Süden ihre Kontakte weiter aus. Wie das südkoreanische Vereinigungsministerium am Tag des Gipfels mitteilte, tauschten sich Nord- und Südkorea über ihr Projekt aus, Straßen- und Eisenbahnverbindungen in Nordkorea zu modernisieren. Mehr Wirtschaftsprojekte könnten folgen, wenn die Sanktionen gelockert würden, sagte Wirtschaftsminister Hong Nam Ki.

Auch eine zumindest symbolische Friedenserklärung mit Nordkorea scheint als Ergebnis des Gipfels möglich. Auf die Frage, ob es dazu kommen werde, antwortete Trump: „Das werden wir sehen.“

Mehr: Verfolgen Sie die aktuellen Ereignisse in Hanoi im Newsblog.

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