Treffen in Moskau Putin stellt Tsipras Millionen in Aussicht

Wladimir Putin und Alexis Tsipras wollen enger zusammenarbeiten: Russische Millionen könnten bald in griechische Infrastruktur fließen. Am Importstopp für EU-Lebensmittel will der Kreml-Chef indes nicht rütteln.
Update: 09.04.2015 - 07:16 Uhr 10 Kommentare

Russland und Griechenland wollen Handel ausweiten

MoskauRussland will dem krisengeplagten Griechenland mit Millionen-Investitionen und eventuell Hunderten Millionen für einen künftigen Gastransit unter die Arme greifen. Kremlchef Wladimir Putin bot zudem am Mittwoch dem griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras eine Wiederbelebung der Handelsbeziehungen an.

Beide Länder sollten das frühere Wachstumstempo wiederherstellen, appellierte er bei einem Treffen in Moskau. Putin stellte Athen Kredite für Infrastrukturprojekte in Aussicht. Zwar habe Athen keine Hilfe beantragt, doch seien Kredite für konkrete Vorhaben möglich. Beide unterzeichneten einen gemeinsamen Aktionsplan für 2015/2016.

Putin warb eindringlich für die geplante russische Pipeline Turkish Stream durch das Schwarze Meer in die Türkei. Griechenland könne zum „geopolitischen Akteur“ und zum wichtigsten Gastransitland in der EU werden, falls sich das Land dem Projekt anschließe. Putin stellte Hunderte Millionen Euro an Einnahmen aus dem Gastransit in Aussicht. Das Projekt könnte nach Schätzungen frühestens 2018 fertig sein.

Trotz der möglichen Millionenstütze will Putin weiter keine Lebensmittel aus der Europäischen Union einführen. Russland hatte den Importstopp als Reaktion auf die EU-Sanktionen verhängt; für die Griechen ist er besonders schmerzhaft. Im Vorfeld des Treffens war spekuliert worden, dass Russland das Embargo lockern könnte. Der russische Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew hatte sich in die Richtung geäußert.

Putin zufolge brach der Handel zwischen Russland und Griechenland im vergangenen Jahr wegen der Sanktionen um 40 Prozent ein im Vergleich zu 2013. Dennoch lehnte Putin eine Sonderbehandlung Griechenlands ab. „Wir können nicht für ein EU-Land eine Ausnahme machen.“ Putin sprach sich aber für Gemeinschaftsunternehmen aus. „Wenn wir diesen Weg gehen, werden wir unseren Agrarproduzenten nicht schaden, denn sie werden in den Prozess einbezogen“, meinte er.

EU-Politiker hatten die Reise des griechischen Premiers nach Moskau im Vorfeld kritisiert. Sie fürchteten, Tsipras könne die EU-Linie gegenüber Russland verletzen. Umso erleichterter zeigten sich Parlamentarier, allen voran EU-Ratspräsident Martin Schulz (SPD), dass dies so nicht geschah. Im ZDF-„heute-journal“ sagte Schulz, es beruhige ihn, dass Tsipras die EU-Linie nicht verlassen habe. Tsipras müsse schließlich zwei Öffentlichkeiten bedienen: die in seinem eigenen Land, und die in der EU.

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10 Kommentare zu "Treffen in Moskau: Putin stellt Tsipras Millionen in Aussicht"

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  • Während Tsipras bei Putin weilt und alle Eurokraten nervös sind, sitzt Martin Schultz
    bei den Kalifen von Ankara Erdogan und kein Wort fällt über Menschenrechte,Internetsperrungen, Folter, Gefängnis für Reporter, Korruption
    etc.

    Dafür atmet Martin Schulz in der Türkei durch , weil Tsipras die Europäische Linie nicht verlassen hat.

    Da freuen sich Erdogan und Schulz die beiden Vollblutdemokraten!

  • Das Problem ist Deutschland und nicht Griechenland. -
    Seit mehr als 20 Jahren weist die deutsche Leistungsbilanz einen Überschuss von circa 16 MILLIARDEN im MONAT, in 2014 waren es sogar 220 Milliarden. Dieser Überschuss stammt überwiegend aus den EU-Krisenländern und hat deren Überschuldung mitverschuldet. (z.Bsp. Rüstungsexporte nach Griechenland, das 5. größter Waffenimporteur der Welt vor der Krise war)
    Die Gewinne die deutsche Konzerne in diesen Ländern erzielen werden aber nicht in diesen Ländern reinvestiert, was einer Kapitalflucht gleichkommt. Diese Kapitalflucht ist auch für die hohe Arbeitslosigkeit und Haushaltsdefizite durch mangelnde Einnahmen und hohe Sozialausgaben in den Krisenländern verantwortlich.
    Deutschland, durch sein Verhalten, verschiebt das finanz- und politische Zentrum Europas nach Norden und wird selbst zum Mittelpunkt Europas.
    Eine Art Neokolonialismus entsteht und die Peripherieländer werden dadurch zu Bananenrepubliken (Griechenland, Portugal und u.v.m.) degradiert.
    Das war, hoffe ich, nicht im Sinne der Erfinder der EU.
    Eine Änderung der Europäische Verträge, mit dem Ziel einer Wirtschaftskonvergenz zu erreichen, scheint mir unabdingbar.

  • Griechenland spricht laufend von Reparationen
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    Wann zahlt Griechenland Reparationen an Troja, Babylon, Ägypten, Indien, Rom, etc.
    Da wären dann Billionen oder Billiarden fällig!

  • Griechischer Frühling mit Putin
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    Nach dem Treffen mit Wladimir Putin fliegt Alexis Tsipras mit leeren Händen nach Athen zurück. Finanzielle Hilfe wird es aus Moskau nicht geben. Und griechische Lebensmittel dürfen weiterhin nicht nach Russland eingeführt werden.

    Griechenland fordert eine Gaspipeline durch Griechenland, Abschaffung der Lebensmittel-Sanktionen, und mehr russische Touristen.
    Tsipras ist auch gegen die EU-Sanktionen.

    Putin fordert als Preis dafür, das Veto von Tsipras bei EU-Sanktionen.

    Die Eurokraten sind entsetzt und beobachten seine Reise mit Argusaugen.
    Tsipras wollte erst Mitte Mai in den Kreml reisen, hat ihn aber wegen der aktuellen Probleme vorgezogen.

    Verkauft jetzt Griechenland den Hafen von Piräus an Russland und nicht an China?
    Wird Mykonos jetzt eine russische Urlaubsinsel (für die Oligarchen)?

  • Pfirsiche, Erdbeeren und Fisch"

    Griechenland bekommt einen ungeahnten Aufschwung und zieht die EU mit.
    Es geht aufwärts im EU-Süden, der afrikanischen Wohlstand liegt in greifbarer Nähe.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette  

  • Die Finanznöte lindern? Wenn ich das lese, bekomme ich mittlerweile einen dicken Hals. Tsipras und seine Regierung haben es doch selbst in der Hand gehabt, hier Abhilfe zu schaffen! Doch was macht er? Statt endlich die Gelder bei den größten Steuerschuldnern einzutreiben erläßt seine Regierung vor vier Wochen ein Gesetz, daß den 6.000 größten Steuersäumigen den größten Teil ihrer Schulden erläßt, der Rest kann auf sieben Jahre gestreckt werden! Und für die den Oligarchen so großzügig erlassenen, überfälligen Steuerzahlungen darf dann der deutsche, französische, holländische usw. Steuerzahler aufkommen. Nicht umsonst sagen griechische Finanzexperten jetzt, daß sich auch die Regierung Tsipras mit den Oligarchen ins Bett gelegt hat. Was hier abläuft ist eine einzige Schande - nicht nur für Griechenland.

  • Da könnte der Grieche doch ein Teil seiner jugendlichen Arbeitslosen nach Russland zur Erntehilfe aussetzen. Das würde sich doch sehr gut in einem der schon ewig und drei Tage zugesicherten Sparprogramm bzw. Reformwerk unterbringen lassen. Damit hätten die Griechen dann sich wieder alle Brüsseler Spitzen und taffe deutsche Politiker auf ihrer Seite - immerhin zeigt man, dass Erntehelfer durchaus geeignet wären, die Schuldenlast zu stemmen.

  • Na bitte, geht doch. Alexis scheint sich gut mit dem Pflücken von Obst aus zu kennen. Etwas muss dieser Bauer ja wohl auch mal hin bekommen.

    Mal sehen, wann er endlich die Kriegsschulden an Persien bezahlt.

  • Alexis und Wladimir scheinen sich gut zu verstehen. Schulz brüllt von der Seitenlinie rein, aber die biden nippen am Tee und zwinkern sich zu. lol

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