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Trotz Corona-Infektion US-Präsident Trump verlässt für Gruß an Anhänger das Krankenhaus

Corona-Patient Donald Trump hat das Krankenhaus verlassen, um seine Anhänger zu grüßen. Auch den Wahlkampf will er so schnell wie möglich wieder aufnehmen.
05.10.2020 Update: 05.10.2020 - 04:28 Uhr Kommentieren
Obwohl der an Covid-19 erkrankte US-Präsident weiter ansteckend ist, hat er das Krankenhaus für eine Autofahrt verlassen. Quelle: AP
US-Präsident Donald Trump

Obwohl der an Covid-19 erkrankte US-Präsident weiter ansteckend ist, hat er das Krankenhaus für eine Autofahrt verlassen.

(Foto: AP)

Washington Der mit dem Coronavirus infizierte US-Präsident Donald Trump hat das Walter-Reed-Militärkrankenhaus für wenige Minuten verlassen, um seine Anhänger außerhalb der Klinik zu grüßen. Aus einem schwarzen SUV heraus winkte Trump seinen Fans am Sonntag in Bethesda nördlich von Washington zu, wie auf Videos zu sehen war. Trump saß mit mindestens zwei Personen in dem Wagen und trug eine Maske.

In einer zuvor aufgenommenen Videobotschaft, die später auf Trumps Twitter-Profil veröffentlicht wurde, sagte der Präsident: „Ich mache gleich einen kleinen Überraschungsbesuch.“ Er lobte die „großartigen Patrioten“ außerhalb des Krankenhauses.

Trumps Corona-Infektion war am Freitag kurz nach Mitternacht US-Ostküstenzeit bekanntgeworden. Es ist davon auszugehen, dass er noch ansteckend sein könnte. Es gab zunächst keine offiziellen Informationen dazu, wie gewährleistet wurde, dass sich die Personen in Trumps Wagen bei der kurzen Fahrt nicht infizieren. Der Beifahrer in dem Wagen schien ein Plastikvisier über dem Gesicht, eine Atemschutzmaske und einen medizinischen Schutzanzug zu tragen.

Trump sei kurz nach der Fahrt wieder in den Trakt des Präsidenten im Walter-Reed-Militärkrankenhaus zurückgekehrt, erklärte der Sprecher des Weißen Hauses, Judd Deere.

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    Trumps kurze Ausfahrt stößt bei Ärzten und US-Senatoren auf scharfe Kritik. „Jede einzelne Person im Fahrzeug muss während dieses völlig unnötigen Vorbeifahrens des Präsidenten für 14 Tage unter Quarantäne gestellt werden“, sagte Dr. James Phillips, behandelnder Arzt im Walter-Reed-Militärkrankenhaus, in dem Trump wegen seiner Coronavirus-Infektion stationär aufgenommen ist. „Sie könnten krank werden. Sie könnten sterben. Wegen politischem Theater.“ Die Verantwortungslosigkeit sei erstaunlich.

    Der demokratische Senator Brian Schatz beschuldigt Trump, seine eigenen Sicherheitsleute zu gefährden: „Sie sind sich des mit dem Job verbundenen Risikos bewusst, aber das Risiko sollte nicht der zu schützenden Person ausgehen.“ Deere erklärte, vor der Fahrt seien „angemessene Vorkehrungen getroffen worden“, um den Präsidenten und die ihn unterstützenden Personen zu schützen. „Die Fahrt wurde vom medizinischen Team als sicher bewertet“, sagte er.

    Trump sagte in seiner Videobotschaft, er habe viel über das Virus gelernt. „Das ist die wahre Schule“, sagte er mit Blick auf seine Erkrankung. Es sei etwas anderes, als nur darüber zu lesen. „Ich verstehe es, und es ist eine sehr interessante Sache, ich werde es Euch wissen lassen. In der Zwischenzeit lieben wir die USA und lieben das, was passiert“, sagte Trump – ohne zu verdeutlichen, was er genau damit meinte.


    Trump will trotz Infektion zweites TV-Duell bestreiten

    Trump will ungeachtet seiner Corona-Infektion bei grünem Licht der Ärzte so schnell wie möglich wieder in den Wahlkampf eingreifen – und sogar das zweite TV-Duell mit Joe Biden bestreiten. Das deutete Regierungssprecherin Kayleigh McEnany am Sonntag in einem Interview des Nachrichtensenders Fox News an.

    Ihr Chef sei „sehr zuversichtlich, unverzüglich wieder draußen zu sein, wenn die Ärzte es für angemessen halten“, sagte sie. In zwei Wochen steht schon die nächste TV-Debatte der US-Präsidentschaftskandidaten in Miami an.

    Derweil läuft im US-Bundesstaat New Jersey eine aufwendige Rückverfolgung Trumps Kontakten. Das Weiße Haus habe den Behörden mehr als 200 Namen von Personen mitgeteilt, die an zwei Veranstaltungen des Präsidenten am vergangenen Donnerstag teilgenommen hätten, schrieb das Gesundheitsministerium des Staates am Sonntag auf Twitter.

    Trump unternimmt kurze Fan-Tour trotz Corona-Infektion

    Die Teilnehmer seien kontaktiert worden, um sie auf eine mögliche Ansteckung hinzuweisen. Sie sollten beobachten, ob sie Symptome entwickelten, und sich in Quarantäne begeben, wenn sie engen Kontakt mit dem Präsidenten oder seinen Mitarbeitern hatten, hieß es. Die Kontaktrückverfolgung sei im Gange.

    Trump war am Donnerstagnachmittag zu zwei Veranstaltungen mit Unterstützern in Bedminster gereist, nachdem im Weißen Haus bereits das positive Testergebnis von Trumps Beraterin Hope Hicks bekanntgeworden war. Laut Medienberichten fand ein Treffen in Trumps Golfclub in Bedminster unter freiem Himmel statt, doch gab es laut Teilnehmern auch ein Treffen im engeren Kreis mit besonders großzügigen Spendern, das nicht draußen stattfand.

    Es ist nicht klar, wann Trump das letzte Mal negativ getestet wurde und wann genau er das erste Mal ein positives Testergebnis erhielt. Trump soll am Donnerstagabend zunächst einen Schnelltest gemacht haben, der positiv ausgefallen sei, berichtete das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf anonyme Quellen. Er habe von dem Ergebnis bereits zum Zeitpunkt eines Fernsehinterviews gewusst, in dem er lediglich die Infektion einer engen Beraterin bestätigte. Das Ergebnis des Schnelltests habe entsprechend der Vorgaben im Weißen Haus einen weiteren Test veranlasst, der auch positiv ausfiel.

    Mehr: So wirkt sich Trumps Infektion auf den Wahlkampf aus

    • ap
    • dpa
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