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Trotz EU-Kritik an Ungarn Deutsche Investoren lieben „Orbanistan“

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Fachkräftemangel durch Boom

So sehr das EU-Land wegen seiner umstrittenen Flüchtlings- und Sozialpolitik in der Kritik steht, so wohl fühlen sich dort die deutschen Autokonzerne wohl. Erst im Spätsommer hat Daimler entschieden, ein weiteres Werk für rund eine Milliarde Euro zu errichten. Unbill auf der Regierungszentrale fürchten die deutschen Firmen unterdessen nicht. „In der jüngsten Vergangenheit gab es von der ungarischen keine negativen Schritte. Die Lage ist in dieser Hinsicht entspannt“, sagt Brennauer, der exzellent in der ungarischen Wirtschaft verdrahtet ist.

Das war nicht immer so. In der Vergangenheit nahm die rechtspopulistische Regierung Konzerne wie Eon, RWE, Metro oder auch RTL mit Sondersteuern in den Schwitzkasten. Osteuropa-Analyst Günter Deuber von der Raiffeisen Bank International sieht daher die wirtschaftlichen Erfolg Orbáns kritisch: „Die Regierung Orban hat in den letzten Jahren sicher einige Umstrukturierungserfolge beziehungsweise Sanierungserfolge verzeichnen können – wenn auch teils mit kontroversen Maßnahmen.“

Als Beispiele nennt er die Entschuldung des privaten Sektors über die Konvertierung von Fremdwährungskrediten zu Lasten der ausländischen Banken oder die Sondersteuern für einzelne Wirtschaftssektoren. Dadurch können Beschäftigungsprogramme finanziert werden, um die Arbeitslosigkeit senken, so Deuber.

Ob der Motor der ungarischen Wirtschaft allerdings weiter rund laufen wird, bezweifeln Fachleute. Zoltan Arokszallasi, Osteuropa-Analyst der österreichischen Bank Die Erste, erwartet für dieses Jahr ein BIP-Wachstum von 2,1 Prozent. „Wir sehen zwar noch ein Wachstum über den Durchschnitt der mittel- und osteuropäischen Ländern, aber es wird unter dem Durchschnittswert fallen“, prognostiziert Arokszallasil. Für das kommende Jahr prognostiziert er ein Wirtschaftswachstum von 2,8 Prozent, für die mittel- und osteuropäischen Länder allerdings bis 3,1 Prozent.

Ein zentrales Problem Ungarns: Dem Land mit knapp zehn Millionen Einwohnern gehen die gut ausgebildete Fachkräfte aus. Besonders gesucht sind Akademiker, aber auch Montagekräfte in der Produktion. Zuletzt gab es ordentliche Gehaltssteigerungen. Allein im ersten Halbjahr gab es einen Reallohnzuwachs von 7,5 Prozent.

„Die Qualität der Arbeitskräfte wird für die weitere Entwicklung Ungarns von entscheidender Bedeutung sein“, warnt Ungarn-Experte Spengler in Budapest. Die Regierung plant daher Jobs in der öffentlichen Verwaltung zu streichen, um der Wirtschaft weitere Arbeitskräfte zur Verfügung stellen zu können. „Wir sind uns bewusst, dass wir auf dem Arbeitsmarkt Fortschritte machen müssen. Deshalb haben wir ein neues System der Berufsausbildung eingeführt, das den Bedürfnissen der Wirtschaft angepasst ist. Wir haben das duale Ausbildungssystem verstärkt, und ab 2017 werden wir mehr Anreize für die Mobilität von Arbeitskräften anbieten“, sagte Wirtschaftsminister Varga dem Handelsblatt.

Die Regierung Orbán hat sich zum Ziel gesetzt, nicht nur die verlängerte Werkbank der deutschen Industrie im Billiglohnland Ungarn sein wollen, sondern auch Forschung und Entwicklung auszubauen. Doch bis dahin ist es wegen des Fachkräftemangels noch lange hin. Denn eine gezielte Einwanderung von gut ausgebildeten Arbeitskräften aus anderen osteuropäischen Ländern kommt für die rechtspopulistische Regierung in Budapest nicht in Frage – es sei denn, sie sind ungarischer Herkunft.

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1 Kommentar zu "Trotz EU-Kritik an Ungarn: Deutsche Investoren lieben „Orbanistan“"

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  • Als Investitionsstandort dürfte ein Land wie Ungarn, welches nach dem erkennbaren Willen seiner Bevölkerungsmehrheit auch zukünftig von den negativen Auswüchsen muslimisch geprägter Parallelgesellschaften verschont zu bleiben wünscht, allemal attraktiver erscheinen, als eine zunehmend dem Terrorismus anheimfallende Türkei.

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