Trotz Fukushima Japans neuer Premier will wieder AKW bauen

Trotz der Atomkatastrophe im vergangenen Jahr setzt der neue japanische Ministerpräsident Ahinzo Abe wieder auf Kernkraft. Er verweist auf die Zustimmung im Volk und predigt: Die neuen Reaktoren seien komplett anders.
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Premier Abe beim Besuch des Notfalloperationszentrums im inneren des Fukushima-Meilers. Quelle: AFP

Premier Abe beim Besuch des Notfalloperationszentrums im inneren des Fukushima-Meilers.

(Foto: AFP)

TokioTrotz der Atomkatastrophe von Fukushima im vergangenen Jahr will der neue japanische Ministerpräsident Shinzo Abe wieder Kernkraftwerksneubauten zulassen. Diese neuen Reaktoren würden sich komplett von denen im Unglückswerk Fukushima Daiichi unterscheiden, sagte er am Montag bei einem Besuch der Anlage. „Wir werden sie mit der Zustimmung, die wir vom japanischen Volk erhalten haben, bauen.“

Abes liberaldemokratische Partei (LDP) hatte bereits im Wahlkampf angekündigt, mit der Atompolitik der Vorgängerregierung zu brechen, die das Land nach der Fukushima-Katastrophe unabhängiger vom Atomstrom machen wollte. Er vertrat dabei die Ansicht, Japan könne sich aus wirtschaftlichen Gründen den Ausstieg aus der Atomkraft nicht leisten. Es war jedoch das erste Mal seit seinem offiziellen Amtsantritt am Mittwoch, dass er sich klar für den Bau neuer Atomreaktoren aussprach.

„Fukushima Daiichi war nicht in der Lage, die Energiequelle zu sichern, nachdem der Tsunami die Gegend getroffen hatte, aber das Atomkraftwerk Fukushima Daini war dazu in der Lage“, sagte Abe mit Bezug auf das zehn Kilometer südlich vom Unglücksreaktor gelegene Kernkraftwerk. „Solch einen Unterschied sollten wir berücksichtigen.“

Durch das verheerende Erdbeben und den anschließenden Tsunami war das Atomkraftwerk Fukushima im Nordosten Japans im März 2011 schwer beschädigt worden. Die Naturkatastrophe führte zur Kernschmelze in der Atomanlage in Fukushima, der folgenschwersten Atomkatastrophe seit dem Unglück von Tschernobyl 1986. Die Mitte-links-Regierung von Abes Vorgänger Yoshihiko Noda hatte sich langfristig für einen Verzicht auf die Atomkraft ausgesprochen.

Die LDP hatte die Wahlen nach drei Jahren in der Opposition Mitte des Monat deutlich gewonnen. Am vergangenen Mittwoch wählte das Parlament Abe erneut zum Regierungschef. Der Rechtskonservative war bereits von 2006 bis 2007 japanischer Premier.

 
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6 Kommentare zu "Trotz Fukushima: Japans neuer Premier will wieder AKW bauen lassen"

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  • Lieber Vandale,
    ich kenne die Sachlage und ich bin auch selbst Ingenieur. Fakt ist, dass der mangelnde Hochwasserschutz die Hauptursache war. Man kann sich natürlich auch, so wie Sie das machen, auf nachrangige Elemente konzentrieren, zielführend ist so eine betrachtungsweise allerdings nicht.

    btw.: es gab sehr wohl schwere Unglücke amerikanischer Atom U-Boote, allerdings nicht auf Grund der Reaktortechnik, sondern durch Fehler anderer technischer Einrichtungen oder durch Bedienungsfehler seitens der Mannschaft.

  • tomtom...wenn etwas schief geht, kann man viele Dinge verantwortlich machen. Man sollte nicht Unsinn schreiben, ohne die Sachlage zu kennen.

    Beliebt ist es auf mangelnde technische Einrichtungen hinzuweisen.

    Allerdings sind die Atom U-Boote der US Navy mangels Platz auch nicht mit allen technischen Rafinessen ausgestattet. Die Navy ist stolz auf ihren Notfalldrill der bislang schwerwiegende Unfälle in den Atom U-Booten verhinderte.

    Im Fall von Fukushima kann man hinsichtlich der Technik den fehlenden Überflutungsschutz, solche Tsunamis finden dort alle paar Jahrzehnte statt,in D fordert man Schutz gegen 10000 jährige Überflutungen, die Plazierung der Notstromaggregate, das Fehlen von Wasserstoffrekombinatoren, das Fehlen von Wallmannfiltern verantwortlich machen.

    Vor einiger Zeit hat einer der Ingenieure aus dem Kraftwerk seine Erlebnisse vorgetragen. Der Stromausfall hatte die MA in den Leitzentralen der KKW mit Taschenlampen im Dunklen, vor dunklen Monitoren sitzen lassen. Aufgrund der Ereignisse, viele hatten durch Erdbeben und Flut Angehörige und Besitz verloren und waren entsprechend aufgewühlt.

    Bis zu den Kernschmelzen in den Reaktoren 2 und 3, sowie der Schmelze im Lagerbeckenfür abgebrannte Brennelemente dauerte es 3 Tage. Normalerweise mehr als ausreichend Zeit um die Kernschmelzen dieser Reaktoren zu vermeiden.

    Die Handwerker konnten die eletrischen Türen der Werkstätten nicht öffnen um ihr Werkzeug zu holen, sondern mussten diese erst mühsam aufbrechen. Das Zugangstor zum Werksgelände funktionierte nur elektrisch und musste mühsam innerhalb von Stunden mit einer Handsäge aufgesägt werden. An den Reaktorgebäuden gab es wie anderswo auch Anschlüsse mit denen man die Reaktorsicherheitsbehälter hätte fluten können, nur es wusste niemand davon.

    Fazit auch mit dieser nichtidealen Technik war der Unfall nicht zwangsläufig.

    Vandale

  • Unglaublich Dumm.
    Machthaber und Geld reagieren, die Brüger sind wie überall "dummgehaltene" Marijoneten. Traurig aber war, fast keiner merkts...

  • "Es gab in den Kraftwerken keinen ausreichenden Notfalldrill. Dies war ein wesentlicher Grund, dass es zu den Kernschmelzen kam."
    Das ist doch Unsinn. Hauptgrund war die falsche Auslegung der Anlage. Es bestand nur ein Hochwasserschutz für Flutwellen bis 10 m höher, dummerweise treten in Japan im Schnitt alle 30 Jahre höhere Flutwellen auf. Des Weiteren wurden die Notstromaggregate im Untergeschoss des Turbinengebäudes angeordnet und dann natürlich überspült. Mit entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen wäre es niemals zu einer Kernschmelze gekommen. Daher ist es für mich nicht nachvollziehbar, wieso man das Personal auf einmal als Hauptgrund nennen kann.

  • Grundsätzlich ist die Entscheidung natürlich begrüssenswert. Gut 2 Jahre nach Unfällen die einen enormen Vertrauens/Gesichtsverlust bedeuteten, allerdings ausser einem gewltigem Panikschaden, fast keinen realen Schaden verursacht haben, kehrt man zur Vernunft zurück.

    Vandale

  • Ich hasse die unehrliche Kommuniation

    Die aktuell im Bau befindlichen (Siedewasser) Kernkraftwerke unterscheiden sich grundsätzlich nicht wesentlich von den Kernreaktoren die in Fukushima verunfallt sind. Die Sicherheitstechnik ist komplexer geworden und die Reaktoren damit teurer geworden.

    Die Masse der Mitmenschen ist für komplexe technische Erklärungen und Risikoabwägungen offensichtlich nicht zugänglich. Deshalb hatte man vor den Reaktorunfällen offensichtlich sehr intensiv kommuniziert, dass ein Reaktorunfall in Japan nicht stattfinden könne. Es gab in den Kraftwerken keinen ausreichenden Notfalldrill. Dies war ein wesentlicher Grund, dass es zu den Kernschmelzen kam. Das führte zu dem Vertrauensverlust in der Öffentlichkeit mit den enormen Panikschäden wie der sinnlosen andauernden Evakuierung und dem Abtragen von Böden in einer Region die durch die Reaktorunfälle so sehr radioaktiv kontaminiert ist wie es der Südschwarzwald seit geologischen Zeiten ist.

    Die jetzige Kommunikation ist genauso wenig hilfreich. Es werden Illusionen geweckt. Aber vermutlich lassen sich Risikoabwägungen und technische Details nicht kommunizieren.

    Vandale

    PS: Der Bau eines neuen Kernkraftwerks ging während der Unfälle und bis heute weiter. Lediglich der Bau von 2 kurz vor der Genehmigung stehenden Kernkraftwerke wurde mit den Unfällen gestoppt.

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