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Trotz Lafontant-Rücktritt „Hunger und Elend“ – Inflation treibt massive Verarmung in Haiti voran

Steigende Lebenshaltungskosten lassen immer mehr Haitianer hungern. Die Bevölkerung protestiert gewaltsam, doch es gibt kaum Aussicht auf Besserung.
24.07.2018 - 19:15 Uhr Kommentieren
Tödliche Proteste in Haitis Hauptstadt zwangen Ministerpräsident Jack Guy Lafontant Mitte Juli zum Rücktritt. Quelle: Reuters
Protestanten in Port-au-Prince

Tödliche Proteste in Haitis Hauptstadt zwangen Ministerpräsident Jack Guy Lafontant Mitte Juli zum Rücktritt.

(Foto: Reuters)

Port-au-Prince Ein Liter Milch kostet in Haiti mehr als die Hälfte des täglichen Mindestlohns. Damit ist Milch für die meisten Haitianer nicht zu haben. Hühnchen gilt als zentraler Bestandteil der haitianischen Ernährung, der Preis dafür hat sich aber in vier Jahren verdoppelt. Kochöl und Reis sind in den vergangenen zwölf Monaten um zehn Prozent teurer geworden. Die Lebenshaltungskosten scheinen für viele Bewohner des ärmsten Landes der westlichen Hemisphäre außer Kontrolle zu geraten.

Eine deutliche Erhöhung der Treibstoffpreise hatte in diesem Monat tödliche Proteste in der Hauptstadt Port-au-Prince zur Folge. Die Regierung von Staatspräsident Jovenel Moïse hatte abrupt angekündigt, dass die Preise für Benzin, Diesel und Kerosin um einen zweistelligen Wert angehoben würden.

Das war Teil eines Abkommens mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF), um zur Ankurbelung der Staatseinnahmen Treibstoffsubventionen abzuschaffen. Im Gegenzug sollte es mehr Unterstützung von Mitgliedstaaten geben.

Demonstranten strömten auf die Straßen, errichteten brennende Barrikaden und lieferten sich Zusammenstöße mit der Polizei. Mindestens sieben Menschen starben. Dutzende Geschäfte und Autos wurden geplündert, in Brand gesetzt und zerstört. Der haitianische Ministerpräsident Jack Guy Lafontant trat zusammen mit seinem Kabinett zurück.

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    „Preise steigen jeden Tag“

    „Es ist echt hart“, sagt die Buchhalterin Cassandre Milord, die in einem kleinen Laden in Port-au-Prince arbeitet, über die Inflation, die seit 2014 einen zweistelligen Wert aufweist. „Du weißt nie, wie viel Geld du brauchst, um zum Markt zu gehen. Die Preise steigen jeden Tag.“

    „Es gibt kein Geld, um die Kinder zur Schule zu schicken“, sagt Arceline Charles, während sie in einer belebten Straße in der Innenstadt Eier verkauft. „Das Land ist ein komplettes Desaster.“

    Die haitianische Regierung hat nicht erklärt, warum sie eine Empfehlung des IWF nicht angenommen hat, die Preiserhöhungen nach und nach vorzunehmen. Staatspräsident Moïse hat um Ruhe gebeten, während er nach einem neuen Ministerpräsidenten sucht. „Ich kann die Situation verstehen, mit der viele unserer arbeitslosen Landsleute konfrontiert sind“, sagte er in einer nationalen Ansprache. „Hunger und Elend erdrücken uns.“

    Haiti ist eines der Länder mit den weltweit größten Einkommensunterschieden. Die wohlhabendsten Haitianer leben in ummauerten Anwesen, während rund 60 Prozent der knapp 10,5 Millionen Einwohner versuchen müssen, mit rund zwei Dollar pro Tag auszukommen. In einem Bericht der US-Behörde für internationale Entwicklung vom Januar war zu erfahren, dass etwa die Hälfte der Landesbevölkerung unterernährt ist.

    Die Landwirtschaft, der wichtigste Bestandteil der haitianischen Wirtschaft, leidet unter einer langen Dürre und der Verwüstung durch Hurrikan „Matthew“ 2016. Die Zentralbank hat versucht, die Inflation einzudämmen. Doch steigen die Preise jedes Jahr um 16 Prozent. Der Preis für Diesel soll sogar um rund 40 Prozent zulegen, der für Kerosin um etwa 50 Prozent.

    Geld reicht oft nicht für Nahrungsmittel

    Selbst die Bewohner, die eine Arbeit haben oder ein Geschäft besitzen, empfinden es als zunehmend schwierig, über die Runden zu kommen. Der Mindestlohn beträgt etwa 150 Dollar (128 Euro) pro Monat. Das ist deutlich weniger als das, was man für den Lebensunterhalt einer Familie in Haiti braucht.

    „Es ist eine Situation der massiven Verarmung“, sagte Camille Chalmers, ein Ökonom und Leiter einer Nichtregierungsgruppe, die sich für die Rechte von Arbeitern einsetzt. Es gebe immer mehr Menschen, „die wirklich nicht essen können“.

    Die Buchhalterin Milord sagt, sie gebe bereits etwa ein Viertel ihres täglichen Lohns für Transport und Mittagessen aus. „Stellen Sie sich vor, wie Leute über die Runden kommen, die nur den Mindestlohn verdienen.“

    Auch Geschäftsbesitzer sagen, dass sie die Auswirkungen der wirtschaftlichen Lage zu spüren bekämen. Der Besitzer einer Autowaschanlage und eines Cafés in Port-au-Prince, Maxime Cantave, sagt, sein Umsatz sei in den vergangenen zwei Jahren um ein Drittel zurückgegangen. „Die Menschen haben kein Geld“, sagt er.

    • ap
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