Trump beendet Asienreise Viel versprochen – wenig erfüllt

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Kein kritisches Wort
Seine Freunde, seine Feinde
Donald Trump und seine Freunde
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Viele waren überrascht, wie ungewöhnlich handzahm sich der US-amerikanische Präsident auf seiner zweiwöchigen Asienreise gegeben hat. Kurz vor dem Ende seines Trips zeigte er sich dann noch im Partnerlook mit dem philippinischen Präsidenten, Rodrigo Duterte und lobte die Politik des umstrittenen Machthabers. Trump kann aber auch ganz anders, was er meist über Twitter immer wieder eindrücklich demonstriert – und hat sich so nicht nur Freunde gemacht. Wir haben den Überblick.

Rodrigo Duterte: Freund
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Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte, der für einen brutalen Antidrogenkrieg mit Tausenden Toten verantwortlich ist und seine Gegner gerne als Hurensohn beschimpft, zeigt beim Besuch von Donald Trump plötzlich eine charmante Seite: Im cremefarbenen Festtagshemd begibt sich der für seine rabiaten Äußerungen bekannte Politiker bei einem Staatsempfang in Manila an das Mikrofon – und schlägt ausnahmsweise sanfte Töne an: „Du bist das Licht in meiner Welt“, singt er in seiner Landessprache. Am Ende des Liebesliedes lässt er sein Publikum wissen: „Ich habe das Lied auf Wunsch des Oberbefehlshabers der Vereinigten Staaten vorgetragen.“

Eine ungewöhnliche Freundschaft
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Bei einem bilateralen Treffen mit Duterte am Rand des Gipfels der südostasiatischen Staatengemeinschaft Asean lobte der US-Präsident die „herausragende Beziehung“ zwischen den Philippinen und den USA. Vermutlich mit Blick auf die Gesangseinlage seines Amtskollegen fügte er hinzu: „Die Show war fantastisch, du warst fantastisch.“ Und die Philippinen lieben Trump: Mehr als 70 Prozent der Bevölkerung unterstützen den US-Präsidenten, nur Duterte ist bei seinem Volk noch beliebter. Mit Kritik aufgrund von Menschenrechtsverletzungen hielt Trump sich dann auch zurück, was in den USA gar nicht gut ankam.

Shinzo Abe: Freund
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Auf seiner zweiwöchigen Asienreise zeigte Trump sich von seiner umgänglichen Seite. Der japanische Premier Shinzo Abe bedankt sich mit passenden Golfkappen: „Donald und Shinzo. Machen die Partnerschaft noch größer“, steht darauf. „Wir mögen uns“, sagte Trump anschließend. „Ich glaube nicht, dass wir Japan je näher waren.“ Eine typische Übertreibung, aber auch eine spürbare Abkehr vom üblichen Gepolter.

Kim Jong Un: Feind
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Der nordkoreanische Diktator dürfte nicht so gut auf den Präsidenten der Vereinigten Staaten zu sprechen sein. In letzter Zeit drohte Trump dem Regime in Pjöngjang immer wieder. Während seiner Asienreise gab sich der US-Präsident dann plötzlich ganz anders und fand lobende Worte für Kim Jong Un: „Er hat eine sehr weise und gut durchdachte Entscheidung getroffen“, twitterte Trump. Schon wenige Tage später wieder eine Kehrtwende: Trump stellte auf Twitter die Frage, warum der nordkoreanische Staatschef es für nötig halte, ihn als „alt“ zu beleidigen. Er würde ihn nie als „klein“ oder „fett“ bezeichnen, schrieb er mit dem Wort „nie“ in Großbuchstaben. „Ich bemühe mich so stark, sein Freund zu sein, und vielleicht wird es eines Tages dazu kommen!“

Gefährlicher Konflikt
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Kim hatte zuvor mitgeteilt, dass die Pläne für einen Angriff auf die US-Pazifikinsel Guam vorerst zurückgestellt würden. Trump erwähnte das Angriffsvorhaben zwar nicht direkt, fügte aber hinzu: „Die Alternative wäre sowohl katastrophal als auch inakzeptabel gewesen!“ Die erheblichen Spannungen zwischen Nordkorea und den USA hatten daraufhin ein wenig nachgelassen, begleitet auch von diplomatischen Bemühungen und Druck Chinas. Trump hatte Nordkorea zuletzt mit „Feuer und Wut“ gedroht und damit vor dem Hintergrund der atomaren Bewaffnung beider Länder für große Unruhe gesorgt.

König bin Salman: Freund
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Der saudische König bin Salman und Kronprinz Mohammed sind angetan von Donald Trump. Und er von ihnen. So eindeutig wie Trump hat sich schon lange kein US-Präsident mehr auf die Seite Saudi-Arabiens gestellt. Allerdings: Die Harmonie dürfte zumindest ein bisschen getrübt werden. Denn Washington kann sich keine Dauerfehde unter den Golfstaaten erlauben. Um den aktuellen Streit mit Katar zu beenden, werden auch die Saudis ein Stück weit nachgeben müssen.

Abends erscheint Trump zu einem der endlos vielen Galadinner wie alle anderen im traditionellen Obergewand, leuchtend blau. Die Kombination mit dem Trump'schen Blond knallt wie die schwedische Flagge, ein Raunen geht durch die Hallen. Die spitzen Schreie aber, tatsächlich, gehörten wieder einmal Kanadas Premier Justin Trudeau.

Unbeschadet der hübschen Bilder verliert Trump an diesem Abend ein mittelschweres diplomatisches Pokern: Gelassen erscheint Xi Jinping nach dem Amerikaner zum Dinner. Das hätte es früher nicht gegeben.

Hanoi – Verlust des Fokus

Diese Station klemmte eh ein wenig schräg im prallen Zeitplan, viel mehr als noch mehr roter Teppich, Blumenmädchen und das Bild des tapferen Trump vor einer Büste des Kommunisten Ho Chi Mins wird wohl nicht bleiben. Mehr als 13.000 Kilometer von zuhause aber wird mit einem Mal ein Komplex groß, der mit der Reise an sich nicht das Geringste zu tun hat. Russland.

In der Air Force One auf dem Weg nach Hanoi hatte Trump wieder einen dieser Auftritte, bei denen er einfach immer weiter redete. Er glaube Putin, der habe an der US-Wahl nicht herumgefummelt, bestimmt nicht. Seinen eigenen Geheimdiensten aber glaube er nicht. Alles Politik. Die CIA erschrickt sich so, dass sie sicherheitshalber ein Statement herausgebt, sie stehe sehr wohl zu ihren Erkenntnissen.

Mit dem neuen Morgen in Hanoi hat Trump eine frische Meinung, will - neben Vietnams etwas verloren wirkendem Präsidenten stehend - seine Russland-Äußerungen wieder abräumen. 180 Grad schwenkt er zurück, er sei inhaltlich doch wieder auf Linie der Geheimdienste.

Eine so lange Reise ist ein extremer Schlauch, für einen 71-Jährigen allemal, auch wenn Trump partout nicht als alt „beleidigt“ werden möchte. Ablenkungen und Störungen nehmen zu, Trump verliert den roten Faden. Neue Tweets werden auf Nordkoreas Kim Jong Un abgefeuert, „klein und fett“, Petitessen statt Politik in einer brandgefährlichen Krise. Derweil kreuzen drei US-Flugzeugträger im Pazifik.

Trump will ein Ständchen von Duterte

Trump will ein Ständchen von Duterte

Manila – der Abschied

Weitere Gipfel auf den Philippinen machen wie unter einem Brennglas klar, wie sehr Trump Außenpolitik nach Gusto betreibt. Mit wem er kann, dessen Land steht fortan in der Gnadensonne. Wichtig: persönliche Beziehungen, bilateraler Austausch, Transaktionen. Nicht so wichtig: Werte, Traditionslinien amerikanischer Außenpolitik, Menschenrechte, trotz einer dünnen Erklärung am letzten Tag. Wenige Straßen vom Gipfel entfernt leben Menschen auf der Straße unter Folien, lausen Kinder Erwachsene, wühlen im Müll um Bäume herum nach Essbarem.

Zu all den Autokratien und Diktaturen und Nicht-Demokratien der Region verliert Trump kein kritisches Wort. Mit wirklich allen Staatenlenkern, denen er hier begegnet sei, verstehe er sich gut.

Von Paraden, Pomp und Glitzereien begeistert, verspielt Trump mit wehender Tolle im feuchten Wind das Tafelsilber der USA in der Welt. „Make America Great Again“, aber nur nach Trumps Doktrin: Zuhause, da ist es am schönsten. Vertrauen, diplomatische Verlässlichkeit, Schutzmacht, das klingt ihm alles vergangen, unwichtig oder lästig.

Von keinerlei Skepsis oder Moral angekränkelt, entwirft der US-Präsident in Asien eine Art goldenen Globus mit „Trump“ im Zentrum. Er mag die USA aus dem Fahrersitz der internationalen Politik verabschieden, seine Reise wertet er als größtmöglichen Erfolg. Noch niemand habe hier „mehr roten Teppich“ bekommen, alles extraordinär, alles riesengroß, alles ganz fantastisch.

Zum Ende der Tour verlängert er seine Botschaften nach Hause und twittert mit 13 Stunden Zeitvorteil, alle seine Wahlversprechen würden rasant erfüllt, es gälten andere Regeln im Umgang mit den USA, die „Horror Shows“ früherer Handelsdeals seien zu Ende. Und jetzt zur Steuerreform.

Könnte sein, dass „Amerika zuerst“ nach dieser Reise noch mehr hinausläuft auf „Amerika allein“. Der Führer der freien Welt will dies nicht mehr sein. Seine eigene Welt ist ihm genug, Europa hat davon schon kosten dürfen. China wird es danken. Die langfristigen Folgen dieser Achsenverschiebung sind noch gar nicht abzusehen.

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