Trump ernennt Börsenaufsichtschef Ein Mann für die Wall Street

Der künftige US-Präsident Donald Trump hat einen neuen Börsenaufsichtschef ernannt. Topanwalt Jay Clayton kommt dabei aus dem Bereich, den er beaufsichtigen soll. Kein Einzelfall in Donald Trumps Personalpolitik.
Update: 04.01.2017 - 19:50 Uhr Kommentieren
Die Wahl des neuen Börsenaufsicht-Chefs spielt eine entscheidende Rolle für die globalen Finanzmärkte. Quelle: AP
Donald Trump

Die Wahl des neuen Börsenaufsicht-Chefs spielt eine entscheidende Rolle für die globalen Finanzmärkte.

(Foto: AP)

Boston/WashingtonDonald Trump hat den Rechtsanwalt Jay Clayton an die Spitze der mächtigen US-Wertpapieraufsicht (SEC) berufen. Damit hat er eine der Schlüsselpositionen für die US-Finanzbranche neu besetzt. Clayton arbeitet bisher bei der New Yorker Anwaltsfirma Sullivan & Cromwell, die auf Übernahmen, Fusionen und Kapitalerhöhungen spezialisiert ist, also auf die typischen Deals von Investmentbanken. Damit hat der künftige US-Präsident erneut einen Mann berufen, der aus dem Bereich kommt, den er beaufsichtigen soll.

Zudem hat nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters der aktivistische Investor Carl Icahn, ein Berater Trumps, bei der Wahl des SEC-Chefs eine wichtige Rolle gespielt. Die Wall Street hat sich somit sozusagen selber ihren Aufseher ausgesucht.

Das entspricht ganz Trumps Politik. Icahn ist sein Berater für Deregulierung und kann selbst als Investor davon profitieren. Der Investor Wilbur Ross, der einst an der Erhöhung der Stahlzölle gut verdient hat, wird Handelsminister. Und das Finanzministerium wird von Steven Mnuchin geführt, der früher bei Goldman Sachs gearbeitet hat.

Jesse Ferguson, Hillary Clintons PR-Mann im Wahlkampf, twitterte mit beißender Ironie: „Trump hat sicherlich im Wahlkampf versprochen, einen Wall-Street-Anwalt, der Goldman Sachs vertreten hat, als Chef der SEC zum Aufseher über die Wall Street zu machen, nicht wahr?“

Tatsächlich hatte Trump seine Konkurrentin wiederholt wegen ihrer guten Beziehungen zu Goldman kritisiert. Clinton hatte für Reden bei der Investmentbank sehr hohe Honorare kassiert und war nicht bereit, deren Wortlaut zu veröffentlichen – wohl aus Angst, daraus könne zu viel Verständnis für die verhasste Finanzbranche sprechen. Zugleich haben die Demokraten, Clintons Partei, mit der Senatorin Elizabeth Warren aber die profilierteste Bankenkritikerin der Polit-Szene Washingtons in ihren Reihen. Bei Trump und seinen Republikanern gibt es keine vergleichbare Figur.

Clayton verspricht: „Wir werden den Finanzsektor sorgfältig überwachen und zugleich eine Politik verfolgen, die amerikanische Unternehmen ermutigt, das zu tun, was sie am besten können: Jobs schaffen.“ Der Anwalt hat unter anderem am Börsengang von Alibaba mitgearbeitet, daneben auch an der Kapitaleinlage der US-Regierung bei Goldman Sachs im Zuge der Finanzkrise. Die Nähe zur Wall Street ist allerdings nicht ungewöhnlich. Die bisherige SEC-Chefin Mary Jo White hatte zuvor ebenfalls bei einer New Yorker Anwaltsfirma gearbeitet. Und Gary Gensler, bis 2014 Chef der Derivate-Aufsicht (CFTC), war zuvor 18 Jahre lang bei Goldman, galt dann aber als scharfer Aufseher und war mit Hillary Clinton verbündet.

Die Mächtigen von Goldman Sachs
Gary Cohn
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Wer es an die Spitze von Goldman Sachs schafft, hat als Banker kaum noch Luft zur Karriere-Verbesserung. Der nächste logische Schritt? Die Politik. Diesen Weg geht nun Gary Cohn, die Vize-Chef der US-Investmentbank. Donald Trump hat ihn zu seinem wichtigsten Wirtschaftsberater ernannt. Cohn wird fortan den Nationalen Wirtschaftsrat („National Economic Council”) leiten. Übrigens ist er nicht der einzige Goldjunge, dem Donald Trump die Türen in die Politik öffnete.

Steve Mnuchin
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Der designierte Finanzminister der Trump-Regierung ist Steve Mnuchin. Er arbeitete 17 Jahre lang bei Goldman Sachs. Anschließend leitete er einen Hedgefonds. Die Investmentbank scheint ein solides Karrieretreppchen für künftige Finanzminister zu sein – Mnuchin ist der dritte Goldjunge, der seit den Neunzigern für den Job berufen wurde. Bill Clinton hatte Robert Rubin berufen, George W. Bush sich für Hank Paulson entschieden.

Steve Bannon
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Als rechter Hardliner machte sich Steve Bannon einen Namen. Seine Internetseite „Breitbart” gibt Ultrarechten eine Meinungsplattform. Sein Kommunikationstalent kam dem ehemaligen Goldman-Banker zugute – als Wahlkampfstratege verhalf er Trump zum Sieg. Im Januar 2917 wurde er Chef-Berater Trumps, hat seitdem aber mit einigem Machtverlust zu kämpfen.

Jose Manuel Barroso
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Ein Wechsel geht auch in die umgekehrte Richtung, wie der Fall des EU-Politikers Jose Manuel Barroso zeigt. Der frühere Präsident der Europäischen Kommission wird „Non-Executive Chairman“ bei der in London sitzenden Tochter Goldman Sachs International. Seine Funktion: Er soll dem Elite-Geldhaus bei der Beratung von Kunden helfen.

Anders Fogh Rasmussen
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Vor Barroso machte ein der hochrangigsten Sicherheitspolitiker des Westens die gleiche berufliche Umorientierung: Anders Fogh Rasmussen. Erst dänischer Regierungschef, dann bis 2014 Generalsekretär der Nato. Auch er ist ein gutes Beispiel dafür, dass die Personalrochaden bei der amerikanischen Bank in beide Richtungen gehen. Rasmussen arbeitet als Berater für Goldman Sachs.

Robert Zoellick
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Robert Zoellick ist Träger des Bundesverdienstkreuzes: Als Mitarbeiter des US-Außenministeriums war er Chefunterhändler der Zwei-Plus-Vier-Verhandlungen zur deutschen Wiedervereinigung. Später arbeitete er unter anderem im Weißen Haus, bei der staatlichen Immobilienbank Fannie Mae und als Berater für die Investmentbank Goldman Sachs.

Unter US-Präsident George W. Bush kümmerte er sich um die Positionen der Regierung zum Welthandel und trat 2006 wieder in die Dienste von Goldman Sachs. Von Mitte 2007 bis Ende 2012 war er dann Präsident der Weltbank. Im Oktober 2013 gab Goldman Sachs bekannt, dass Zoellick Vorsitzender des internationalen Berater-Direktoriums der Bank werde. Das Gremium sondiere für Goldman-Kunden weltweit Geschäfts- und Investitionsmöglichkeiten.

Mario Draghi
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Als Chef der Europäischen Zentralbank hat der Italiener Mario Draghi den Höhepunkt seiner Karriere erreicht. Draghi hat eine lange Laufbahn als Geldverwalter hinter sich. Von 2006 bis 2011 war er Chef der italienischen Notenbank Banca d'Italia. Auch bei Goldman Sachs brachte er es weit: Von 2002 bis 2005 war er Vizepräsident bei Goldman Sachs in London. Er war damit Partner und hielt Aktien der Bank.

Die SEC ist unser Mary Jo White zum Teil als zu weich kritisiert worden. Insbesondere die Tatsache, dass nach der Finanzkrise kaum Banker strafrechtlich verfolgt worden sind, hat für Wut gegenüber allen Organen der Finanzaufsicht und dem Justizministerium gesorgt.

Auf der anderen Seite hat die SEC in den vergangenen Jahren ihre Gangart gegenüber illegalem Insiderhandel deutlich verschärft. Dass sie dabei nicht noch mehr Erfolg hatte, liegt an der Rechtsprechung, die die Anforderung an eine strafrechtliche Verfolgung von Insidern erhöht hat. Zusätzlich hat die SEC unter Mary Jo White ihr Whistleblower-Programm deutlich ausgebaut. Sie hat zum Teil hohe Millionenbelohnungen an Mitarbeiter bezahlt, die unsaubere Geschäfte ihrer eigenen Unternehmen angezeigt haben – mitunter sogar anonym.

Außerdem versucht sie, diese Mitarbeiter, wo sie nicht anonym geblieben sind, gegen Racheakte der Arbeitgeber zu schützen. Gerade dieser Bereich dürfte vielen Unternehmen verhasst sein, die darin einen starken Anreiz zur Illoyalität sehen. Es wird spannend sein, wie der neue SEC-Chef dazu steht.

Mit dem Beginn von Trumps Amtszeit wird der Chefsessel der CFTC ebenfalls frei. Sie ist international vielleicht weniger bekannt als die SEC, aber wegen der Bedeutung der Derivatemärkte genauso wichtig. Deren bisheriger Präsident, Tim Massad, hat gerade nach dem Beispiel von Mary Jo White freiwillig seinen Rücktritt erklärt.

Außerdem sind in beiden Behörden mehrere Sitze der einflussreichen Kommissare zu besetzen. Diese Positionen werden häufig nach politischem Proporz besetzt und bringen auch eine Menge Politik in die Arbeit der Behörden hinein. Und bei der US-Notenbank ist seit langem die Position eines stellvertretenden Präsidenten vakant, der sich schwerpunktmäßig um Aufsichtsfragen kümmern soll. Trump hat also freie Hand, der Wall Street noch weiter zuzuarbeiten.

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