Trumps Kabinett der Geldverschwender Mehrere Mitglieder der US-Regierung geraten wegen hoher Ausgaben unter Druck

Mahagoni-Möbel, teure Flüge, Personal für die Ehefrau: In der US-Regierung jagt ein Skandal um verschwendete Steuergelder den nächsten. Ein Überblick.
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Innenminister Ryan Zinke (r) und der Chef der Umweltschutzbehörde Scott Pruitt (2. v. r.) haben inhaltlich nicht viel erreicht, aber schon viel ausgegeben. Vizepräsident Pence (l.) kam noch ohne Finanzskandale aus. Quelle: AP
Trump und seine teuren Mitarbeiter

Innenminister Ryan Zinke (r) und der Chef der Umweltschutzbehörde Scott Pruitt (2. v. r.) haben inhaltlich nicht viel erreicht, aber schon viel ausgegeben. Vizepräsident Pence (l.) kam noch ohne Finanzskandale aus.

(Foto: AP)

WashingtonDer US-Präsident mag es protzig: Donald Trump ist bekannt für seine vielen und teuren Wochenendausflüge. Mehr als 50 Millionen US-Dollar haben seine Golftrips im ersten Amtsjahr laut US-Medien gekostet. Auch sein Kabinett ist wegen hoher Ausgaben in die Kritik geraten: In dieser Woche entließ Trump deshalb seinen Kriegsveteranen-Minister David Shulkin. Andere Mitglieder der Regierung leisten sich ebenfalls einen Geldskandal nach dem nächsten. Was wird ihnen vorgeworfen? Der Überblick.

David Shulkin
Dem Minister für Veteranen-Angelegenheiten wurde am Mittwoch mitgeteilt, dass er sein Amt verlassen muss. An seine Stelle wird Trumps bisheriger Leibarzt Ronny Jackson treten.

Shulkin stand über Monate wegen einer Reise nach Europa im Sommer 2017 unter Beschuss. Die Regierung bezahlte nicht nur für Shulkin, sondern auch für seine Frau, Sicherheitspersonal und Mitarbeiter, darunter einen „persönlichen Reise-Concierge“. Fast die Hälfte des Ausflugs soll reinen Vergnügungszwecken gedient haben, die Shulkins besuchten diverse Schlösser und das Tennisturnier in Wimbledon. Insgesamt kostete die Reise mehr als 122.000 Dollar

Scott Pruitt
Der Chef der Umweltschutzbehörde EPA muss sich ebenfalls für seine ausschweifenden Reisegewohnheiten rechtfertigen. Im ersten Amtsjahr gab er für Linien-, Militär- und Charterflüge satte 163.000 US-Dollar aus. Für Kritik sorgt etwa, dass eine Reise von Cincinnati nach Washington, die nur gut eine Stunde dauert, 36.000 US-Dollar kostete, weil er die Militärbereitschaft nutzte. Und allein 105.000 US-Dollar gingen dafür drauf, dass Pruitt selbst auf Kurzstrecken stets Erste Klasse flog.

Pruitts Erklärung: Sein Sicherheitsteam habe ihm geraten, „möglichst weit vorne“ in der Maschine zu sitzen, da er Drohungen von Passagieren erhalten habe. Die Website „Politico“ berichtete, ein Mitreisender habe dem Minister zugerufen: „Du zerstörst unsere Umwelt“ (im englischen Original ist das Zitat mit „You’re fucking up our environment“ überliefert). Inzwischen fliegt Pruitt nach eigenen Angaben öfter mal Economy. Auch mit seinem Behördengebäude geht er nicht gerade sparsam um. Der Bau einer schallisolierten Telefonzelle für sein Büro verschlang 43.000 Dollar.

Ben Carson
Trumps Minister für Wohnungsbau und Stadtentwicklung ließ für seinen Arbeitsplatz eine 31.000 US-Dollar teure Esstisch-Gruppe bestellen. Das allein könnte man vielleicht als übertriebenen Einzelposten abtun, doch auch die Kommunikationsstrategie rund um das Edel-Ensemble sorgte für Verwunderung.

Der Erwerb wurde erst öffentlich, als eine Angestellte behauptete, sie sei entlassen worden, weil sie intern den Umgang mit Steuergeldern kritisierte. Auch leugnete das Ministerium zunächst, dass Carson von dem Mahagoni-Set wusste. Schriftverkehr zeigt aber, dass sowohl er als auch seine Frau Candy im Bilde waren. Ein Unterausschuss des US-Repräsentantenhauses beschäftigt sich nun mit dem Fall.

Mike Pompeo
Der bisherige CIA-Direktor übernimmt bald den Posten des Außenministers vom geschassten Rex Tillerson. Viele werden darauf achten, welche Rolle seine Frau Susan Pompeo dann übernimmt. Denn während seiner Zeit an der Spitze des Geheimdienstes hatte sie den Spitznamen „First Lady der CIA“ inne. Offiziell war sie ehrenamtlich, also unbezahlt, tätig. Doch laut Washington Post und CNN griff sie im großen Stil auf personelle Ressourcen des CIA zu.

Ihre Aufgaben sollen weit über das hinausgegangen sein, was für Ehepartner üblich ist. Sie begleitete Mike Pompeo nicht nur auf internationalen Reisen, sondern organisierte auch seinen Kalender und fungierte als Nadelöhr für Meetings mit ihm. Faktisch habe sie ein eigenes Büro und einen Mitarbeiterstab unterhalten – obwohl Susan Pompeo eben formal nicht bei der CIA angestellt war. Das hat ein Geschmäckle.

Ryan Zinke
Drei Altbau-Schwingtüren wurden im Büro des Innenministers ausgetauscht. Kostenpunkt: 139.000 Dollar. Fairerweise muss man ergänzen, dass das Gebäude seit Jahren Stück für Stück saniert wird, es sich also im laufenden Umbau befindet. Doch im Kontext der kostspieligen Ausstattungsposten seiner Kabinettskollegen bewies auch Zinke nicht viel Fingerspitzengefühl.

Fragen warf ebenfalls auf, dass er von einer Reihe Bundespolizisten auf Staatskosten in den Urlaub begleitet wurde. Gemeinsam mit seiner Frau Lola erholte er sich in Griechenland und der Türkei. Aufzeichnungen zufolge war es eine reine Privatreise, bei der eigentlich nur eine minimale Security-Begleitung üblich ist. Das Ministerium erklärte den Einsatz mit der angespannten Sicherheitslage in Istanbul.

In die Kritik geriet er auch wegen mehrere Charter-Helikopterflüge, bei denen der Dienstcharakter zweifelhaft war: etwa ein Inseltrip zu Ostern oder eine Reise, die unter anderem einen Pferde-Ausritt mit Vizepräsident Mike Pence beinhaltete. Zinke bestreitet den unzweckmäßigen Einsatz von Steuermitteln.

Steven Mnuchin
Der Finanzminister gilt als Reise-Spitzenreiter. Binnen eines Jahres soll er knapp eine Million US-Dollar auf sieben Reisen mit Militärjets verflogen haben. In die Kritik geriet besonders ein Charterflug mit seiner Frau Louise Linton nach Fort Knox am Tag der großen Sonnenfinsternis im vergangenen Jahr. In Fort Knox sah man das Spektakel besonders gut, was verdächtig erschien. Linton, eine begeisterte Instagramerin, reagierte ziemlich taktlos. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir mehr Steuern für unseren Tagesausflug gezahlt haben als Sie“ , kofferte sie einen Bürger im Netz an.

Ein linksgerichteter Ethik-Thinktank beschuldigte Mnuchin, dass er den Steuerzahlern stets „die teuersten Flugoptionen, die verfügbar sind“ aufbrummt. Hätte der Minister stattdessen auf kommerzielle Flüge gesetzt, wären insgesamt nur 25.000 Dollar an Kosten angefallen.

Ein Minister stolperte bereits vor dem gerade geschassten Shulkin über eine Geldaffäre: Tom Price, der frühere Gesundheitsminister. Trump feuerte ihn, nachdem herauskam, dass Price mehr als eine Million Dollar für Privat- und Charterflüge auf Steuerzahlerkosten verprasst hatte.

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