Truppenbesuch Hollande kündigt Fortsetzung des Mali-Einsatzes an

„Der Kampf ist noch nicht vorbei.“ Mit diesen Worten hat Frankreichs Präsident François Hollande Mali langfristige Hilfen zugesagt. Auch Deutschland wird Militärausbilder in das westafrikanische Land schicken.
Update: 02.02.2013 - 17:17 Uhr 6 Kommentare
Francois Hollande bei seinem Besuch in Timbuktu. Quelle: ap

Francois Hollande bei seinem Besuch in Timbuktu.

(Foto: ap)

TimbuktuDrei Wochen nach Beginn des französischen Militäreinsatzes in Mali hat Präsident Francois Hollande dem Land langfristige Unterstützung zugesagt. "Der Kampf ist nicht vorbei", sagte Hollande am Samstag in Timbuktu bei seinem von der dortigen Bevölkerung umjubelten eintägigen Besuch. Frankreich werde Mali zur Seite stehen, bis das Land seine vollständige Souveränität zurückgewonnen habe. Deutschland kündigte an, rund 40 Militärausbilder nach Mali zu schicken. Den Franzosen ist es in den drei Wochen gelungen, die Islamisten aus den drei größten Städten im Norden zu verdrängen. Die Rebellen haben sich in die Berge zurückgezogen.

Laut Hollande soll der französisch-malische Einsatz in eine breiter angelegte UN-Militäraktion unter afrikanischer Führung übergehen. Übergangspräsident Dioncounda Traore, der die ehemalige Kolonialmacht Frankreich im Kampf gegen die Rebellen um Hilfe gebeten hatte, versicherte: "Zusammen werden wir die Terroristen bis in ihr letztes Versteck jagen." Bisher befinden sich etwa 3500 französische Soldaten in Mali.

Die Malier zeigten sich Hollande gegenüber dankbar. Immer wieder erklangen Rufe wie "Vive la France", "Papa Hollande" und "Danke Frankreich". Viele Menschen tanzten auf der Straße, trugen farbenfrohe Kleider und sangen. Hollande besuchte unter dem Schutz schwer bewaffneter Soldaten in Timbuktu eine Moschee, die zum Weltkulturerbe gehört. Seine Visite führte ihn auch zum Ahmed-Baba-Institut mit unschätzbaren alten Handschriften, das von Aufständischen angezündet worden war. Der Präsident wurde von den Ministern für Verteidigung, Außenpolitik und Entwicklungshilfe begleitet. Timbuktu war erst vor etwa einer Woche von französischen und malischen Streitkräften aus den Händen von Islamisten zurückerobert worden. Hollande machte zusammen mit Traore zudem in der Hauptstadt Bamako Stopp.

Deutschland unterstützt den Einsatz afrikanischer Soldaten in Mali bisher logistisch mit mehreren Transportflugzeugen. Am 19. Februar entscheidet das Bundeskabinett über die Entsendung deutscher Militärausbilder im Rahmen eines EU-Einsatzes. Vorgesehen seien dafür etwa 40 deutsche Soldaten, kündigte Verteidigungsminister Thomas de Maiziere auf der Münchner Sicherheitskonferenz an. Die Ausbildung der malischen Soldaten könne im März beginnen. Die EU wolle sich zunächst dem Aufbau von vier Bataillonen widmen. Dem deutschen Engagement muss auch der Bundestag zustimmen. Geplant ist auch die Bereitstellung von Tankflugzeugen für Einsätze der französischen Luftwaffe.

Der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Frank Walter Steinmeier, wies Befürchtungen zurück, Deutschland könne Stück für Stück in Mali in einen weiteren Krieg hineingezogen werden. Mali sei nicht mit Afghanistan vergleichbar, sagte Steinmeier dem "Tagesspiegel am Sonntag". "Ich sehe nicht, dass wir in Mali vor einem erneuten Einsatz von Kampftruppen stehen."


  • rtr
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6 Kommentare zu "Truppenbesuch: Hollande kündigt Fortsetzung des Mali-Einsatzes an "

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  • Prächtig. Nun Frankreich (mit Unterstützung von Deutschland) ein neues Afghanistan. Der vermeintlich prestigeträchtige "Krieg+ (der keiner war) ist ein Pyrrhussieg. Die Ratten haben sich nur in die Kanalisation verkrochen. Hollande würde besser mal zuhause etwas Positives tun. Dort stehen Zehntausende auf der Strasse und protestieren.

  • @Laire
    „Islamisch“ bedeutet „auf den Islam bezogen“. Man spricht z.B. von islamischer Glaubenslehre, islamischem Verhalten, islamischer Kunst, von islamischen Staaten usw. Menschen bezeichnet man allerdings nicht als islamisch, sondern entweder als muslimisch oder als Muslime.
    FALSCH ist es allerdings, Angehörige des Islams (also Muslime) als „ISLAMISTEN"zu bezeichnen. Zwar bedeutet „Islamist“ im Deutschen seit langer Zeit „Islamwissenschaftler“ (die Islamwissenschaft oder Islamistik ist eine an mehreren deutschen Universitäten gelehrte Wissenschaft, die sich mit dem Islam beschäftigt) – allerdings hat seit etwa 20 Jahren die Bezeichnung „Islamist“ einen völlig andere Bedeutung bekommen, und diese wird durch die Massenmedien tagtäglich weiterverbreitet, wobei dies oft sehr undifferenziert geschieht.
    Mit „Islamisten“ meint man jetzt Muslime, die eine modernistische politische Ideologie – den Islamismus – vertreten.
    Aus: http://www.christenundmuslime.de/faq/Was_ist_der_Unterschied_zwischen_islamisch_und_islamistisch.php

  • @skibladnir
    Mali besteht 90% aus Moslems und nicht Islamisten. Sie verwechseln die Begriffe.

  • Völlig falsch.
    Dort gehst es um geostrategische Interessen der Franzosen, aber auch und nicht zuletzt, von der Befreiung dieser Bevölkerung von Fundamentalisten des islamischen Glaubens, die Terror und Obskurantismus herrschen ließen, in einem Land dass das nicht wollte.
    Es ist ein Kampf gegen Eroberer.

  • Interessant ist diese plakative Berichterstattung "Islamisten haben xyz zerstört". Die Bevölkerung in Mali besteht zu 90% aus Islamisten,im Norden sind es annähernd 100%. Das wäre so, als würden die Medien in Ägypten (islamistisches Land!) von einem christlichen Bombenleger in München berichten. Als Ägypter würde ich da auch denken: "Ja, ja, die bösen Christen!". Wir sollen hier manipuliert werden. Islam=al-Qaida=böse! So lässt sich ein Truppeneinsatz vor den dummen europäischen Bürgern rechtfertigen. In Wahrheit geht es um das Sichern von Bodenschätzen für Frankreich & seine Konzerne. Leider haben Malis Einwohner nichts davon!

  • Frankreich (Areva) und das Uran aus Nordafrika.
    Alternative Energie aus eigenen Windmühlen und Solarzellen ist billiger und sicherer.

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