Tsipras' Terminkalender für Griechenland Stress auf Griechisch

Kein Geld, keine Zeit: Der neue griechische Premier Alexis Tsipras ist nicht zu beneiden. Er muss schwierige Entscheidungen treffen – und zwar schnell. Tsipras‘ Agenda hat es in sich. Ein Blick in seinen Terminkalender.
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Tsipras geht auf Russland zu

AthenAm Mittwoch ist das neue Kabinett in Athen zu seiner ersten Sitzung zusammengekommen. Die meisten Minister befolgten die Kleiderordnung des Regierungschefs und nahmen ohne Krawatte am Kabinettstisch Platz. Tsipras sprach von einer „Regierung der nationalen Rettung“ und nannte als Prioritäten: die Bewältigung der „humanitären Krise“, die Stützung der Wirtschaft, vor allem kleinerer, von der Pleite bedrohter Unternehmen, den Kampf gegen die Korruption und Steuerhinterziehung sowie die Einführung eines „gerechten“ Steuersystems. Tsipras kündigte auch „Neuverhandlungen“ über die Schulden an. Das Wort Schuldenschnitt fällt aber nicht. Der Premier versichert: Griechenland will keinen einseitigen Bruch mit den Partnern. Am Donnerstag steht schon der nächste Termin an:

Donnerstag, 29. Januar:
EU-Parlamentspräsident Martin Schulz eilt zu Sondierungen nach Athen. Um 16 Uhr will er Tsipras treffen. Wie geht es in den Beziehungen des Landes zur EU weiter? Von einer gemeinsamen Erklärung der EU-Regierungschefs zu möglichen neuen Sanktionen gegen Russland hat sich Tsipras bereits distanziert. Schert die neue Regierung in der Russlandpolitik aus?

Schulz könnte eine wichtige Rolle spielen: Er ist mit den Verhältnissen in Griechenland vertraut und kennt Tsipras gut. Zugleich hat er das Ohr von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Schulz telefonierte schon in der Wahlnacht mit Tsipras. Jetzt erwartet er „schwierige Gespräche“. In Brüssel treffen sich am selben Tag die EU-Außenminister. Auf der Tagesordnung stehen auch weitere Sanktionen gegen Russland – ein Lackmustest für den neuen griechischen Chefdiplomaten Nikos Kotzias.

Freitag, 30. Januar:
Der nächste Besucher hat sich in Athen angesagt: Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem will in der griechischen Hauptstadt den neuen Premier und seinen Finanzminister Giannis Varoufakis treffen. Dem von Tsipras im Wahlkampf geforderten Schuldenschnitt hat der Niederländer bereits eine klare Absage erteilt. Bei den Gesprächen in Athen will Dijsselbloem vor allem sondieren, wie es mit dem EU-Hilfsprogramm weitergehen soll. Lässt Tsipras es Ende Februar auslaufen und steuert sein Land damit in eine Krise? Oder beantragt er doch noch eine Verlängerung?

Freitag, 6. Februar:
Griechische Geldmarktpapiere über eine Milliarde Euro werden fällig.
Donnerstag, 12. Februar:
EU-Gipfel in Brüssel – der erste Europäische Rat für Tsipras, und das erste Treffen mit Angela Merkel. Der Grieche wird, so bestimmt es die alphabetische Sitzordnung, direkt neben der Kanzlerin Platz nehmen – jener Frau, der er im Wahlkampf vorwarf, sie habe in Griechenland eine „humanitäre Katastrophe“ angerichtet und spiele „Poker mit dem Leben der Griechen“. Für seine Schuldenschnitt-Forderung und den Reformstopp dürfte Tsipras im Kreis der Staats- und Regierungschefs kein Verständnis finden.

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5 Kommentare zu "Tsipras' Terminkalender für Griechenland: Stress auf Griechisch"

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  • Zumindest hat er ein extremes Tempo vorgelegt! Ob er allerdings über den Februar 2015 noch hinauskommt bei diesen Fälligkeiten ist fraglich!

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette  

  • Fall alles nichts nützt kann der neue griechische Führer ja immer noch in seinem Terminkalender vormerken: "In Deutschland einmarschieren und Schulden eintreiben!"

  • Ende des Jahres werden sie im Staub auf dem Boden liegen. Alles heiße Luft von braunäugigen Dilettanten. Das Thema erledigt sich von selbst.

  • Eines muss man dem neuen MP lassen: Er ist nicht nur jung und unverbraucht, er handelt auch so. Während in Europa neue Regierungen Monate (bei uns) gar Jahre (Belgien) brauchen, steht in Athen eine funktionstüchtige Regierung innerhalb von Stunden! Das nötigt Respekt ab und kann dem alten und alternden Europa nur gut tun.

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