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Erdogans iPhone-Boykott

Erdogan Ende 2015 am iPhone. Die Stimmung in der türkischen Bevölkerung nach seinem Boykott-Aufruf ist zwiegespalten.

(Foto: AP)

Türkei-Krise „Wer kein Bargeld hat, der geht mit leeren Händen nach Hause“

Die USA und die Türkei belegen sich mit Sanktionen, Präsident Präsident Erdogan ruft zum Boykott von US-Produkten auf. Wie Menschen in der Türkei mit dem Konflikt umgehen.
15.08.2018 - 16:49 Uhr Kommentieren

Düsseldorf Zwei Kfz-Mechaniker arbeiten an einer schwarzen Luxuslimousine der Mercedes S-Klasse, in der Autohalle riecht es nach Ledersitzen. So beschreibt Gökhan Sabanci seinen Arbeitsplatz. Das Surren des Poliergerätes macht es fast unmöglich, ihn zu verstehen. Der 34-Jährige am anderen Ende der Telefonleitung wohnt in der südlichen Provinz Adana, der fünftgrößten türkischen Stadt. Dort führt Sabanci einen Kfz-Betrieb.

Wie viele Kleinunternehmer leidet auch er an der Währungskrise in der Türkei. Sabanci ist auf Materialien von Dritten angewiesen, damit sein Geschäft läuft: Motorhauben, Glasscheiben, Felgen. „Die Einkaufspreise sind in den vergangenen Tagen um 40 Prozent gestiegen“, klagt er. Das sei allerdings nicht das einzige Problem für Kleinunternehmer. Üblicherweise bekämen die Unternehmer die Ware beim Hersteller ihres Vertrauens auf Pump.

Das habe sich geändert. „Wer kein Bargeld für die direkte Bezahlung hat, der geht wieder mit leeren Händen nach Hause“, sagt Sabanci weiter. Auch die Textilproduzenten aus der Region, zu denen Sabanci bis vor einigen Monaten gehörte, müssten sich auf höhere Preise einstellen.

Die Stimmung in der türkischen Bevölkerung ist offenbar zwiegespalten. Auf den Straßen in Adana würden alle über den Fall der türkischen Lira sprechen. Sabancis Kunden befürchten den totalen Staatsbankrott, wie er erzählt. Daher räumen viele Türken ihre Bankkonten leer. Einige Bankfilialen mussten bereits passen, weil ihnen die Devisen ausgehen.

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    Auf der anderen Seite lassen sich Türken dabei ablichten, wie sie US-Dollar-Scheine verbrennen, um ihre Solidarität mit Recep Tayyip Erdogan zu demonstrieren. Da die Wechselstuben in Adana offenbar keine Dollar-Scheine herausgeben, haben sich Erdogans Anhänger damit begnügt, gefälschte Scheine zu verbrennen. Schließlich gehe es um die Geste, sagen sie. Dieselbe Gruppe beteuerte, dass sie künftig elektronische Geräte asiatischer oder inländischer Hersteller nutzen würden.

    Denn der türkische Präsident hat nicht nur dazu aufgerufen, dass Türken ihre Gelder nicht in Fremdwährungen wie in Euro und US-Dollar in Lira eintauschen. Nun sollen Türken auch US-amerikanische Produkte, wie das iPhone von Apple boykottieren.

    Stattdessen sollen sie laut Erdogan lieber Samsung-Produkte – oder besser: türkische Produkte nutzen und kaufen. Sabanci beobachtet: „Fast jeder dritte Kunde, der meinen Betrieb betritt, ist iPhone-Nutzer“, sagt er. „Ich glaube kaum, dass teuer gekaufte iPhones plötzlich im Müll landen.“

    Am Mittwochmorgen meldet sich der Chefredakteur der türkischen Tageszeitung Sabah, Mehmet Barlas, zu Wort. „Ich weiß nicht, ob sich die türkisch-amerikanische Beziehung bessert“, schreibt Barlas, der Erdogan nahe steht, in seiner Zeitung, „aber wenn es so weitergeht, werden nur noch Fetö-Mitglieder iPhones nutzen.“ Mit Fetö meint der 76-jährige Journalist die „Fethullah Gülen Terror-Organisation“. Das ist inzwischen die gängige Abkürzung für die Gruppe, die Erdogan für den Putschversuch von vor zwei Jahren verantwortlich macht.

    In der Türkei scheuen sich viele davor, mit mutmaßlichen Putschisten in Verbindung gebracht zu werden. Denn allein der Verdacht hat bereits Zehntausende hinter Gitter gebracht. Das Szenario einer ähnlichen „Säuberungswelle“ wegen der iPhone-Nutzung ist eher unwahrscheinlich.

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