Türkei Mehr als 2000 Festnahmen in einer Woche

Letzte Woche wurden insgesamt 2000 Menschen in der Türkei festgenommen - wegen des Verdachts Kontakte zu Extremisten der PKK zu haben. Seit dem gescheiterten Staatsstreich wurden mehr als 40.000 Menschen festgenommen.
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2000 Menschen waren in der vergangenen Woche in der Türkei festgenommen worden. Rund 1000 der Festgenommenen werde Nähe zur verbotenen Arbeiterpartei PKK vorgeworfen. Quelle: dpa
Festnahmen in der Türkei

2000 Menschen waren in der vergangenen Woche in der Türkei festgenommen worden. Rund 1000 der Festgenommenen werde Nähe zur verbotenen Arbeiterpartei PKK vorgeworfen.

(Foto: dpa)

AnkaraIn der Türkei sind in der vergangenen Woche nach Angaben des Innenministeriums mehr als 2000 weitere Menschen unter dem Verdacht festgenommen worden, Kontakte zu Extremisten zu unterhalten. Knapp der Hälfte werde vorgeworfen, Verbindungen zur verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK zu haben, teilte das Ministerium am Montag mit. Weitere knapp 1000 Personen würden verdächtigt, Kontakt zur Organisation des in den USA lebenden Predigers Fetullah Gülen zu unterhalten.

Wie die Türkei von Deutschland abhängt
Deutschland und Türkei im Streit
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Mit verbalen Angriffen auf Deutschland hat Recep Tayyip Erdogan eine diplomatische Krise provoziert. Nach Absagen für geplante Wahlkampfauftritte seiner Minister, die in Deutschland für die Verfassungsreform werben wollten, hatte der türkische Präsident der Bundesrepublik „Nazi-Praktiken“ und Bundeskanzlerin Angela Merkel Terrorunterstützung vorgeworfen.

Fall Deniz Yücel
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Auch der Fall des in der Türkei inhaftierten „Welt“-Korrespondenten Deniz Yücel belastet die Stimmung. Dabei kann sich das Land einen Streit mit Deutschland eigentlich nicht leisten – zumindest was die engen Handelsbeziehungen betrifft.

Wie steht die Türkei wirtschaftlich da?
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Die fetten Jahre sind vorbei. Wuchs die Wirtschaft nach der Finanzkrise um neun Prozent, hat sich das Wachstum seither deutlich abgekühlt. Für 2017 hat die Weltbank ihre Wachstumsprognose auf 2,7 Prozent gesenkt. Investoren sind verunsichert wegen Terroranschlägen und Erdogans zunehmend autoritärer Politik. Vergangenes Jahr brachen die Direktinvestitionen laut türkischem Wirtschaftsministerium um 31 Prozent ein. Zudem stürzte die Landeswährung Lira ab. Das verteuerte Importe und trieb die Inflation auf mehr als acht Prozent. Für die Türkei ist das besonders hart, weil die Importe deutlich höher sind als die Exporte.

Schrumpfende Wirtschaft
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Auch sonst geht es bergab: Die türkische Wirtschaft schrumpfte im dritten Quartal um 1,8 Prozent, die Arbeitslosigkeit lag zuletzt bei rund 12 Prozent. „Die Wirtschaft kollabiert“, warnt die Commerzbank. Doch die Türkei hat auch noch einige Trümpfe in der Hand: Eine relativ junge Bevölkerung, starker Konsum, niedrige Schulden und die geografisch günstige Lage zwischen Europa und Asien.

Wie wichtig ist die Türkei als Handelspartner für die Bundesrepublik?
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Unter den deutschen Exportpartnern steht die Türkei auf Platz 15. Im vergangenen Jahr gingen Waren im Wert von knapp 22 Milliarden Euro in die Türkei. Bei den Importen belegt sie Rang 16. Das macht die Türkei zu einem wichtigen Handelspartner - doch andere Länder sind weit bedeutsamer. In die USA exportierte Deutschland Güter im Wert von fast 107 Milliarden Euro, nach Frankreich Waren im Wert von gut 101 Milliarden Euro und nach Großbritannien von 86 Milliarden Euro. Eine Abschottungspolitik unter US-Präsident Donald Trump, ein Rechtsruck in Frankreich bei den nahenden Präsidentschaftswahlen und Verwerfungen mit Großbritannien wegen des geplanten Brexits wären viel gefährlicher.

Wie stark hängen deutsche Schlüsselbranchen von der Türkei ab?
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Die Türkei war ein Hoffnungsland für deutsche Firmen, wenn auch kein führender Markt. Die Autoindustrie hat dem Branchenverband VDA zufolge seit 2009 die Pkw-Exporte in das Land mehr als vervierfacht. Auch der Maschinenbau und die Chemie-Industrie profitierten vom Aufstieg der Türkei. Und für die deutsche Elektroindustrie ist das Land laut Branchenverband ZVEI der siebtwichtigste Investitionsstandort.

Leidet der gemeinsame Handel bereits?
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Die Chemiebranche etwa, die 2016 Produkte im Wert von drei Milliarden Euro in die Türkei lieferte, ist zumindest alarmiert. „Man muss im Auge haben, dass da nichts anbrennt“, sagte Utz Tillmann, Hauptgeschäftsführer beim Branchenverband VCI. Die deutschen Auto-Exporte in die Türkei fielen 2016 schon um 10 Prozent.

In ihm sehen die Behörden den Drahtzieher des Putschversuchs im vergangenen Jahr. 70 Personen seien wegen Verbindungen zur Islamisten-Miliz IS festgenommen werden, 28 weitere würden verdächtigt, zu „linksgerichteten Terrorgruppen“ zu gehören, teilte das Ministerium mit.

Seit dem gescheiterten Staatsstreich im Juli vergangenen Jahres wurden in der Türkei mehr als 40.000 Menschen festgenommen. Mehr als 100.000 Beschäftigte in Militär, öffentlichem Dienst oder der Privatwirtschaft wurden entlassen oder beurlaubt.

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3 Kommentare zu "Türkei: Mehr als 2000 Festnahmen in einer Woche"

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  • @Herr Old Harold

    Der Vergleich ist wohl etwas unpassend.

    Hilfreicher wäre gewesen, nicht nur auf die Festgenommenen zu reflektieren.

    Fragen Sie sich doch mal, warum in der Türkei alle angeblich Gülen nahestehenden im Staatsdienst Beschäftigten mit Namen, etc. veröffentlicht wurden.

    Dazu gibt es offenkundig Listen und wie die bei der "Wahl" des bislang "neutralen"
    Staatsoberhaupts genutzt werden können, ist leicht zu beantworten.

    Und da geht es um mehr als nur um Betroffene in 5-stelliger Zahl.

  • Man weiß manchmal nicht, wofür bestimmte Sachen gut sind. Aber sollte sich Erdogan so seine Präsidenten-Diktatur erkaufen, dann können wenigstens guten Gewissens diese dämlichen EU-Beitrittsverhandlungen beendet werden. Die Aufnahme dieser Gespräche in der Nacht vom 03. zum 04.Oktober 2005 war sowieso einer der größten Irrläufer der EU. Vermutlich waren die deutschen Vertreter seinerzeit nicht mehr ganz nüchtern, weil sie noch den Jahrestag der Wiedervereinigung gefeiert hatten.

  • ...und die dürfen über den Wechsel von der Demokratie zur Diktatur natürlich nicht mit abstimmen.

    (Den Tip hat er sich vermutlich von seinem neuen Kumpel Putin geholt. Der hatte erstmal alle nichtrussischen Einheimischen, wie die Krimtartaren deportiert, bevor er sich vom Rest eine 100 %ige Zustimmung seines Überfalls auf die Krim holte).

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