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Premium Türkei und die EU Ende einer Annäherung

Unter Erdogan wollte die Türkei in die Europäische Union eintreten. Doch sollte der Präsident das Verfassungsreferendum gewinnen, droht der Abbruch der Verhandlungen. Dabei brauchen beide einander.
13.04.2017 Update: 13.04.2017 - 14:45 Uhr
Der türkische Staatschef betreibt seinen Wahlkampf auch mit dem Versprechen, den einst gewünschten EU-Beitritt neu zu verhandeln. Quelle: AFP
Erdogan auf einer Wahlkampfveranstaltung in Istanbul

Der türkische Staatschef betreibt seinen Wahlkampf auch mit dem Versprechen, den einst gewünschten EU-Beitritt neu zu verhandeln.

(Foto: AFP)

Istanbul, Brüssel Den 3. Oktober 2004 muss Recep Tayyip Erdogan aus seinem Gedächtnis gestrichen haben. An jenem Sonntagabend wurde der damalige türkische Ministerpräsident in Berlin als „Europäer des Jahres“ mit der Quadriga geehrt. Bundeskanzler Gerhard Schröder lobte die „herausragende staatsmännische Leistung“ seines Gastes und würdigte ihn als „großen Reformpolitiker“. Mit demokratischen Reformen wie der Abschaffung der Todesstrafe ebnete Erdogan seinerzeit den Weg zu EU-Beitrittsverhandlungen. Sie wurden 2005 aufgenommen. Die Türkei verstehe sich als „Teil der europäischen Wertegemeinschaft“, erklärte Erdogan damals.

Heute spricht er anders. Europa sei ein „verrotteter Kontinent“, bevölkert von Faschisten und Nazi-Überbleibseln, rief Erdogan, mittlerweile Präsident der Türkei, im Wahlkampf vor dem Verfassungsreferendum an diesem Sonntag. Wenn er das gewonnen hat, will er die EU-Beitrittsverhandlungen komplett überdenken. Außerdem soll das Parlament darüber entscheiden, ob die Todesstrafe wieder eingeführt werden soll. Aus dem Europäer des Jahres ist der Anti-Europäer des Jahrzehnts geworden.

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