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Türkische Militäroffensive Trump-Brief an Erdogan: „Seien Sie kein Narr!“

Trump hat mit seinen Formulierungen in einem Schreiben an den türkischen Präsidenten für Entsetzen gesorgt. Vor Journalisten sagte er, dass die Lage im Norden „unter Kontrolle“ sei.
Update: 17.10.2019 - 01:12 Uhr 1 Kommentar
Diesen Brief schrieb Donald Trump an Erdogan.
Trumps Brief an Erdogan

Diesen Brief schrieb Donald Trump an Erdogan.

Washington US-Präsident Donald Trump hat den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in der vergangenen Woche in einem eigenwilligen Brief zu einer friedlichen Lösung im Nordsyrien-Konflikt aufgerufen. Der US-Sender Fox News veröffentlichte am Mittwoch (Ortszeit) eine Kopie des Schreibens, das auch andere US-Medien für echt erklärten.

„Lassen Sie uns einen guten Deal ausarbeiten“, beginnt der vom 9. Oktober datierte Brief – also jenen Tag, an dem die Türkei mit ihrer hoch umstrittenen Militäroffensive gegen Kurdenmilizen in Nordsyrien begann. „Sie wollen nicht für das Abschlachten Tausender Menschen verantwortlich sein, und ich will nicht verantwortlich sein für die Zerstörung der türkischen Wirtschaft - aber ich werde es tun“, mahnt Trump Erdogan.

Die kurdische Seite sei zu Verhandlungen bereit, schrieb Trump demnach weiter. „Sie können ein großartiges Abkommen schließen.“ Erdogan könne auf positive Weise in die Geschichte eingehen, wenn er in dem Konflikt richtig und menschlich handele.

Andernfalls werde er als Teufel in die Geschichte eingehen. „Seien Sie kein harter Kerl. Seien Sie kein Narr“, appellierte er an seinen türkischen Amtskollegen. Der Brief endet mit den Worten: „Ich werde Sie später anrufen.“

Trump ist seit Tagen massiver Kritik – auch und gerade aus den Reihen seiner Republikaner – ausgesetzt, er habe mit dem Abzug amerikanischer Soldaten aus Nordsyrien überhaupt erst den Weg für Erdogans umstrittene Militäroffensive geebnet.

Trump weist die Vorwürfe zurück und argumentiert, er wolle die US-Soldaten aus den „endlosen Kriegen“ zurückholen. Vor Journalisten betont Trump zudem, er habe Ankara keineswegs grünes Licht für die Militäraktion gegeben, sondern Erdogan vielmehr eine harte Ansage gemacht.

Trump: Lage in Syrien „sehr schön unter Kontrolle“

Die Lage im Norden Syriens beschrieb er indes als eingedämmt. Die Dinge seien „sehr schön unter Kontrolle“, sagte Trump bei einer Pressekonferenz mit dem italienischen Präsidenten Sergio Mattarella in Washington.

Türkische Soldaten kämpfen gegen syrische Kurden, die einst mit den USA gegen die Terrormiliz Islamischer Staat verbündet waren. Mattarella sagte, Italien sei zutiefst besorgt über die türkische Offensive in Syrien. Sie werde „neuen Raum“ für den IS bieten.

Die US-Soldaten haben den Nordosten Syriens laut Trump „größtenteils“ verlassen. Eine Person, die mit den Planungen für den Abzug der geschätzt 1000 dort befindlichen US-Soldaten vertraut ist, sagte jedoch, dass diese sich zwar bei zwei Hauptstützpunkten versammelten, aber noch nicht in großer Zahl ausgeflogen worden seien. „Wenn Syrien kämpfen will, um sich ihr Land zurückzuholen, liegt das bei ihnen und der Türkei“, sagte Trump, „es gibt viel Sand, mit dem sie spielen können.“

Trump beschuldigte die Kurden, IS-Mitglieder absichtlich aus Gefängnissen freigelassen zu haben, um ihn schlecht dastehen zu lassen. US-Bedienstete zogen diese Behauptung in Zweifel. Manche kurdische Kämpfer seien an die Front gegangen, um gegen die Türkei zu kämpfen, und andere seien als Wärter bei den Gefangenenlagern geblieben, sagten die Bediensteten, die nicht namentlich genannt werden wollten. Die Türkei hatte die Militärinvasion gegen kurdischen Kämpfer begonnen, nachdem Trump Soldaten aus der Region abgezogen hatte.

Trump warb für seine jüngste Entscheidung, weitere Soldaten nach Saudi-Arabien zu schicken, um dem Land bei der Verteidigung gegen den Iran zu helfen. Die USA schickten den Saudis Raketen und „große Macht“, sagte Trump. „Sie bezahlen dafür.“

Putin lädt Erdogan nach Russland ein

Unterdessen hat Kremlchef Wladimir Putin seinen Kollegen Recep Tayyip Erdogan zu Gesprächen nach Russland eingeladen. Das eintägige Treffen werde am kommenden Dienstag in der Schwarzmeer-Stadt Sotschi stattfinden, meldeten am Mittwochabend die russische Agentur Tass und die türkische Nachrichtenagentur Anadolu übereinstimmend. Zuvor hieß es aus dem Kreml, die Begegnung werde im Oktober sein.

Details waren zunächst nicht bekannt. Beide wollten Kremlangaben zufolge in einem persönlichen Gespräch klären, wie eine direkte Konfrontation zwischen türkischen und syrischen Truppen im Norden des Kriegslandes verhindert werden könnten.

Putin und Erdogan hatten noch am Dienstagabend auf Initiative der türkischen Seite miteinander telefoniert. Putin drängte nach Moskauer Angaben darauf, die Lage für gefangene IS-Kämpfer verstärkt zu beobachten. Diese sollten unter keinen Umständen freikommen und in andere Länder gelangen, hieß es in einer Kremlmitteilung.

Die Türkei hatte in der vergangenen Woche einen lange geplanten Militäreinsatz gegen die Kurdenmiliz YPG begonnen, die an der Grenze zur Türkei in Nordsyrien ein großes Gebiet kontrolliert. Nach schnellen Verlusten hatten die von den Kurden dominierten SDF am Sonntag eine Vereinbarung mit der Regierung in Damaskus und deren Verbündetem Russland getroffen. Das syrische Militär kam den von der Türkei bedrängten kurdischen Milizen am Montag mit Truppen zu Hilfe.

Mehr: Volkswagens Rückzug aus der Türkei verstimmt Manager in dem Land. Lesen Sie hier, wie Erdogan mit seiner aggressiven Politik Unternehmer verunsichert.

Der Handelsblatt Expertencall
  • ap
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1 Kommentar zu "Türkische Militäroffensive: Trump-Brief an Erdogan: „Seien Sie kein Narr!“"

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  • Sensationell, endlich haut mal einer dem gewaltätigen undemokratischen Sultan auf die Finger.

    Einfache verständliche Sprachen, kurze Sätze. Das dürfte selbst Foologan ohne Übersetzer verstanden haben.

    Merkel könnte noch 30 Jahre im Amt versagen. So etwas würde sie nie tun, um einen Krieg oder Völkermord abzuwenden.

    Erfrischend.