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Türkischer Geheimdienst MIT Erdogan is watching us!

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Tausende IS-Kämpfer nutzen die Türkei als Transitland

Im Jahr 2014 soll der MIT sogar bewusst die Zusammenarbeit mit den „befreundeten Geheimdiensten“ aus Europa verweigert haben. Damals sei es um sogenannte Reiseweg-Kontrollmaßnahmen gegangen. Flog zum Beispiel ein bekannter Islamist von Paris nach Ankara, hätten türkische Geheimdienste der Abmachung zufolge Frankreich mitteilen müssen, wenn der Islamist die türkische Grenze in ein Nachbarland überquert. Dies habe mehrere Monate lang nicht stattgefunden, lautet der Vorwurf. Inzwischen hätten sich die Wogen geglättet, seit die USA sich in die Sache eingeschaltet hätten.

Heutzutage wären die Behörden mehr denn je auf eine Zusammenarbeit angewiesen. Tausende Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nutzen die Türkei als Transitland für ihre Reise in den Heiligen Krieg. Andersherum gelangen mit den endlosen Flüchtlingsströmen immer wieder auch radikalisierte Muslime in Richtung Europa.

So wie im Fall von Ismaël Omar Mostefaï, der als einer der Selbstmordattentäter im Konzertsaal Bataclan identifiziert wurde. Der 29-Jährige, der aus einem Vorort von Paris stammt, soll Ende 2013 in die Türkei ausgereist sein und sich daraufhin womöglich in Syrien aufgehalten haben.

Sowohl im Dezember 2014 als auch im Juni 2015 hätten türkische MIT-Agenten ihre französischen Kollegen über dessen Aufenthaltsort informiert. Doch beide Male haben die Franzosen sich nicht für ihn interessiert. Der Grund: Januar 2013 wurden in Paris drei Aktivistinnen der kurdischen Terrorgruppe PKK ermordet. Schon als die Kriminalpolizei die Wohnung betreten hatte, war klar, dass es sich nicht um einen Raubüberfall gehandelt hatte, sondern über einen politischen Auftragsmord.

Es gibt aber auch Fälle positiver Kooperation mit dem MIT. Wie etwa am Silvesterabend. Da erreichte die deutschen Sicherheitskräfte um 19:40Uhr eine „dringende Warnung“. Sieben Iraker hatten demnach geplant, sich um Mitternacht am Münchener Hauptbahnhof in die Luft zu sprengen. Der Hinweis hätte eine konkrete Uhrzeit, den konkreten Ort und Namen und Herkunft der Täter genannt – Kämpfer des IS demnach.

„Das Bundeskriminalamt und die bayerische Polizei waren übereinstimmend der Auffassung, dass das nicht einfach ignoriert werden kann“, hatte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann noch am selben Abend gesagt – und den Hauptbahnhof abriegeln lassen. Zu einem Anschlag kam es letztlich nicht.

Die Warnung sei von einem befreundeten Geheimdienst gekommen, hieß es damals. Inzwischen gilt als sicher, dass der türkische Geheimdienst MIT der Tippgeber gewesen ist. Nach einer Razzia in einer IS-Wohnung in der türkischen Hauptstadt Ankara hatte der MIT deutsche und andere europäische Nachrichtendienste demzufolge vor konkreten Anschlägen in Großstädten gewarnt; vermutlich, weil die Ermittler in den Wohnungen Anweisungen von Terror-Kommandeuren gefunden hatten.

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