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Türkischer Militäreinsatz Putin und Assad ordnen das Schlachtfeld in Syrien neu

Syrische und russische Truppen marschieren in Nordsyrien ein. Das stärkt vor allem Machthaber Assad – und macht die Lage für Zivilisten nicht besser.
14.10.2019 - 10:40 Uhr 5 Kommentare
Assad und Putin ordnen das Schlachtfeld in Syrien neu Quelle: AP
Baschar al-Assad (l.) und Wladimir Putin

Das Bündnis der YPG mit Assad ist ungewöhnlich, aber nicht überraschend.

(Foto: AP)

Istanbul Angesichts vorrückender türkischer Truppen in Nordsyrien sind die YPG-Milizen eine Allianz mit der Regierung von Präsident Baschar al-Assad eingegangen. Die Führung in Damaskus schickte im Rahmen der Einigung bereits Truppen in die Region, um die türkische Offensive abzuwehren, wie das syrische Staatsfernsehen berichtete.

Die YPG öffnete dazu Checkpoints in von der Miliz kontrollierten Gebieten, damit das syrische Militär ohne Probleme mobilmachen kann. Unterdessen ziehen sich die US-Truppen laut Pentagonchef Mark Esper auf Geheiß von US-Präsident Donald Trump aus dem Norden des Landes zurück.

Damit heißen die lachenden Dritten des Konflikts Wladimir Putin und Assad. Der von Russland unterstützte syrische Präsident, der hunderttausende Landsleute umbringen ließ und Millionen weitere in die Flucht trieb, kann seine Macht im Land weiter konsolidieren. Ob kurdische und andere Zivilisten davon profitieren können, bleibt fraglich: Es ist vor allem die kurdische Minderheit, die in der Vergangenheit von Assad besonders schlecht behandelt wurde. Und in einem anderen Teil Syriens geht Assads Armee immer noch brutal gegen Zivilisten vor.

Trumps Rückzugsbefehl von vergangener Woche hatte ihm scharfe Kritik in den USA und aus dem Ausland eingebracht. Gleichzeitig lieferte Trumps Rückzug der Türkei eine Steilvorlage, in das Gebiet einzumarschieren. Der türkische Präsident Erdogan fordert seit vier Jahren eine Sicherheitszone in dem Gebiet. Aus zwei Gründen: um einige der 3,6 Millionen syrischen Flüchtlinge in der Türkei dort anzusiedeln; und um den Einfluss der YPG in dem Gebiet zu brechen. Die YPG hat Verbindungen zur kurdischen Partei PKK, die von der Türkei als Terrororganisation angesehen wird. Die USA hatten mit der YPG gegen den Islamischen Staat gekämpft.

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    In den vergangenen fünf Tagen rückten türkische Truppen und deren Verbündete in Städte und Dörfer in Nordsyrien vor und lieferten sich Gefechte mit kurdischen Kämpfern. Nach türkischen Angaben sind seit Beginn der Offensive am Mittwoch 440 kurdische Kämpfer getötet worden. Die syrisch-kurdischen Kräfte sprechen von 56 Toten in ihren Reihen. Ankara gab die Zahl ihrer getöteten Soldaten mit vier an, zudem seien 16 verbündete syrische Kämpfer umgekommen.

    Nato-Partner stoppen Waffenexporte

    Der Einsatz wird international verurteilt. Vereinzelt sprechen Regierungen und Institutionen wie die Nato von legitimen Sicherheitsinteressen der Türkei. Mehrere Nato-Partner haben ihre Waffenexporte an die Türkei eingestellt, darunter Deutschland und Frankreich. Die Grünen fordern wegen der Militäroffensive der Türkei in Nordsyrien eine Sondersitzung des Nato-Rates.

    Das Bündnis der YPG mit Assad ist ungewöhnlich, aber nicht überraschend. Kurden stellen mit acht bis 15 Prozent Anteil die größte ethnische Minderheit in Syrien. Seit 1962 zählen sie per Staatsdoktrin zu Ausländern, dürfen nicht wählen und keinen Besitz erwerben. Offiziell sollten damit illegale Migranten identifiziert werden. Laut Amnesty International sind kurdische Aktivisten in Syrien regelmäßig misshandelt und verurteilt worden.

    Die Beziehungen zwischen der kurdisch-geprägten YPG sowie der PKK und der Zentralregierung ist jedoch spezieller. Die YPG, die je nach Statistik bis zu 15 Prozent der syrischen Kurden repräsentiert, stellte sich mit Beginn des syrischen Bürgerkrieges nicht direkt gegen Assad, sondern nutzte das Machtvakuum in vielen Landesteilen, um den eigenen Einfluss zu vergrößern. Ab 2014 unterstützte das US-Militär die YPG mit Geld und Waffen, damit diese gegen die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) vorgehen kann.

    Was die Rückkehr der syrischen Armee in den Norden für die Bevölkerung dort bedeutet, ist jedoch unklar. Assads Macht wird nun auch in einem der letzten umstrittenen Landesteile gefestigt. Die USA geben zudem ihre Präsenz in einer Gegend auf, in der nun Russland und vom Iran gestützte Milizen an Einfluss gewinnen dürften.

    Aktionen der syrisch-russischen Militärallianz in einem anderen Rebellengebiet geben einen Vorgeschmack auf das, was kommen könnte: In der westsyrischen Provinz Idlib fliegen syrische und russische Jagdflugzeuge fast täglich Einsätze. Dabei sterben immer wieder Zivilisten, hunderttausende sind außerdem auf der Flucht in Richtung Türkei.

    Wegen Türkei-Offensive: „Die Bundesregierung steckt in einem Dilemma“

    Mehr: Die Türkei vermeldet Geländegewinne und einen getöteten Soldaten. Zehntausende Menschen sind auf der Flucht, fünf IS-Kämpfer konnten aus dem Gefängnis ausbrechen.

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    5 Kommentare zu "Türkischer Militäreinsatz: Putin und Assad ordnen das Schlachtfeld in Syrien neu"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • - Korrektur -

      Es sollte natürlich heißen:
      "... hat sie eine kleine Party organisiert." ;-)

    • Eine Arbeitskollegin von mir ist Kurdin. Was sie über Erdogan denkt, ist hier nicht druckreif.
      Als neulich der Oppositionskandidat Ekrem İmamoğlu die Bürgermeisterwahl in Istanbul gewonnen hat, hat sie eine kleine Partei organisiert.
      Viele Deutsche haben Angst vor den Auslandstürken, die Erdogan bei allzu heftigem deutschen Konfrontationskurs gegen seine Politik "scharf" machen könnte. Diesen Landsleuten sei gesagt, dass vielmehr bei allzu heftigem Vorgehen Egowahns gegen die Kurden in Syrien erst einmal die Auslandskurden gegen die Auslandstürken "scharf" gemacht werden.

    • Schwacher Artikel. Völlig fehlinformierter Autor. Objektivität ist hier null gewährleistet. Aber was kann man von einem Autor, der türkischer Korrespondent ist, auch anderes erwarten.

    • Ich verfolge den Syrienkrieg sehr intensiv in diversen Medien.
      "hunderttausende Landsleute umbringen ließ" ,ist nur als glatte Propaganda-Lüge zu bezeichnen,
      außer jeder tote Soldat, tote Terrorist, tote Opfer des Terrorismus gilt als Zivilist den Assad getötet hat..
      " geben einen Vorgeschmack auf das, was kommen könnte .... westsyrischen Provinz Idlib fliegen syrische und russische Jagdflugzeuge fast täglich Einsätze."
      Zumindest in der außerdeutschen Presse wird auch hierzu erwähnt, daß Idlib von Terroristen beherscht wird. Terroristen mit internationalem Zertifikat.
      Das Syrien die Kurden massakrieren will ist ebenso Propaganda-Lüge.
      Außerdem kein Wort über völkerechtswidriges Agieren von USA, GB, F. D, e.a. auf syrischem Gebiet mit intensiver Onterstützung diverser Terrorgruppen.
      Die Geschichte der Kurden in Syrien ist zudem deutlich komplexer, als das erwähnte Moment.

    • Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Diskutieren erwünscht – aber richtig“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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