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TV-Debatte der Demokraten in Miami

Mehr Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur hatte die Demokratische Partei nie.

(Foto: dpa)

TV-Duell der Demokraten 60 Sekunden für die Bewerbung gegen Trump – und am Ende glänzt ein Underdog

Im ersten Fernsehduell der demokratischen Bewerber um die US-Präsidentschaftskandidatur wurde vor allem gegen Trump gewettert. Der antwortet prompt per Twitter.
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Washington, Miami Elizabeth Warren wartete nicht. Die erste TV-Debatte der Demokraten im Vorwahlkampf hatte gerade erst begonnen, da lief die 70-Jährige bereits zu Höchstform auf. Die linksliberale Senatorin ließ sich ausführlich darüber aus, dass von der guten wirtschaftlichen Lage in den USA derzeit nur die oberen Schichten profitieren würden, nicht aber die unteren.

Die Moderatorin hatte von Warren wissen wollen, was sie Menschen sagen würde, die sich darum sorgten, dass ihre Pläne der Wirtschaft schaden könnten. Es war eine Frage wie gemacht für Warren, die sich dem Kampf gegen die Wall Street verschrieben hat, und sie konnte damit zu Beginn den Ton angeben. Aber die Senatorin sollte nicht die einzige Gewinnerin dieses Abends bleiben.

Die erste TV-Debatte der Demokraten war mit Spannung erwartet worden – und sie lieferte einen Vorgeschmack darauf, wie zäh der parteiinterne Auswahlprozess bei den Demokraten noch werden könnte. 25 Bewerber schicken sich an, Donald Trump als Kandidat bei der Wahl im November 2020 herauszufordern. Es sind so viele wie noch nie in der Geschichte der Partei, und das macht den Verlauf des Rennens unkalkulierbar.

Weil das Feld so groß ist, musste die TV-Debatte in zwei Runden aufgeteilt werden: Zehn Bewerber waren am Mittwochabend dran, zehn weitere folgen am Donnerstag. Dann treffen unter anderem Ex-Vizepräsident Joe Biden und der unabhängige Senator Bernie Sanders aufeinander. Umfragen zufolge liegt Biden im Bewerberfeld der Demokraten bislang deutlich vorne, gefolgt von Sanders und Warren.

Die übrigen fünf Bewerber hatten sich nicht qualifiziert. Um sich für das Fernsehduell zu qualifizieren, mussten die Bewerber in drei Umfragen mindestens ein Prozent Unterstützung erhalten oder Spenden von insgesamt 65.000 Förderern aus 20 Bundesstaaten nachweisen.

Elizabeth Warren hatte am ersten Abend einen Vorteil, weil keiner der anderen aus dem Spitzenfeld auf der Bühne stand. Die Senatorin aus Massachusetts, die als erste der Kandidaten ein Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump forderte, die die großen Techkonzerne zerschlagen will und die höhere Steuern für Reiche fordert, konnte im ersten Teil überzeugen. Dann aber kam sie beim Thema Einwanderung kaum zu Wort.

Hier hatte Julián Castro, Wohnungsbauminister unter Barack Obama und der einzige Latino im Rennen, starke Momente. Als „herzzerreißend“ bezeichnete er das Bild eines toten Vaters und seiner kleinen Tochter, die Berichten zufolge vor ein paar Tagen beim Versuch, in die USA zu gelangen, im Rio Grande ertrunken waren. Castro sagte, sollte er gewählt werden, wolle er Trumps Null-Toleranz-Politik an der Grenze rückgängig machen. Man nahm ihm ab, dass ihm das Thema sehr am Herzen liegt. Er konnte als einer der Underdogs mit einem souveränen Auftritt glänzen.

Zwei Stunden dauerte die Debatte, sechzig Sekunden hatte jeder Teilnehmer Zeit für eine Antwort, weitere 30 Sekunden gab es zur Beantwortung von Nachfragen. Fünf Moderatoren teilten sich die Fragen untereinander auf. Die Themen reichten von der wirtschaftlichen Lage über die Gesundheitsversorgung bis zu den Spannungen mit dem Iran. Trump nannte die Debatte in einem Tweet „langweilig“.

Oft trugen die Bewerber lediglich ihre Positionen vor, richtige Diskussionen entstanden selten. Unterm Strich waren sich alle in ihrer Ablehnung von Trumps Politik einig, nur in der Frage der richtigen Lösung gingen die Antworten weit auseinander.

Bill de Blasio, der als Bürgermeister von New York mit miesen Beliebtheitswerten zu kämpfen hat, versuchte es mit kühnen Ideen und Angriffen auf seine Konkurrenten. So sprach er sich für einen Steuersatz von 70 Prozent für Reiche aus.

Der Ex-Abgeordnete Beto O'Rourke, der im Wahlkampf gegen den Republikaner Ted Cruz in Texas im vergangenen Jahr glänzen konnte, wirkte nicht authentisch, klare Botschaften fehlten. Der Senator Cory Booker, der in seinen Wahlkampfreden oft Barack Obamas Botschaft vom Wandel bemüht, hatte in der Debatte Schwierigkeiten, in seinen Antworten zum Punkt zu kommen.

Die Abgeordnete Tulsi Gabbard, die 2017 für Wirbel sorgte, als sie den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad traf, und die sich vehement für einen US-Truppenabzug aus den Kriegsgebieten starkmacht und dabei ihre eigene Erfahrung als Soldatin heranzieht, hatte mit diesem Thema einen ihrer stärkeren Momente. Ansonsten kam sie kaum zu Wort.

Washingtons Gouverneur Jay Inslee konnte bei der Frage punkten, was er für die größte Gefahr für das Land halte. „Die größte Bedrohung für die Sicherheit der Vereinigten Staaten ist Donald Trump“, sagte er und erntete Jubel und Applaus.

Die Senatorin Amy Klobuchar, die wegen ihres harschen Umgangs mit Mitarbeitern in die Schlagzeilen geraten war, versuchte es zu Beginn mit Angriffen auf Trump und attestierte ihm, er mache Außenpolitik im Bademantel. Später streckte sie die Hand zu republikanischen Wählern aus, indem sie beim Thema Waffengesetze erklärte, sie klopfe jeden Vorschlag darauf ab, ob er ihrem Onkel Dick und seinem Jagdhochsitz schaden könnte. Auch der Abgeordnete Tim Ryan aus Ohio buhlte um verprellte Trump-Wähler, als er den Autokonzern General Motors für das Schließen eines Werks kritisierte.

Bliebe noch John Delaney, der im Juli 2017 als erster Bewerber seinen Hut in den Ring warf, aber dessen Name noch immer weitgehend unbekannt ist. Er kam kaum dran, zog aber Aufmerksamkeit damit auf sich, dass er sich gegen die Einleitung eines Amtsenthebungsverfahrens gegen Trump aussprach.

Am Ende dieses Abends versuchten die Bewerber und ihre Teams im sogenannten Spin Room, die Deutungshoheit für sich zu gewinnen, indem sie den Journalisten ihre Version des Geschehens in die Mikrofone diktierten. Die nächsten zehn Bewerber für die zweite TV-Runde stehen schon in den Startlöchern.

Einer von ihnen ist John Hickenlooper, ehemaliger Gouverneur von Colorado, der am Mittwoch die Erfahrung des Underdogs machen musste. Er betrat am Abend den Veranstaltungsort der ersten TV-Debatte, als ihn ein Mitglied des Sicherheitspersonals stoppte. Ob er hier sei, um seinen Presseausweis abzuholen, wurde Hickenlooper laut einem Reporter des National Public Radio gefragt. Der echte Journalist überlieferte später folgende Antwort auf Twitter: „Ich bin ein Kandidat.“

Hickenlooper nahm das Ganze mit Humor – und nutzte die Begebenheit für einen Seitenhieb gegen Amtsinhaber Donald Trump, der vor seinem Einstieg in die Politik bekanntlich Reality-TV-Star war. „Beim letzten Mal haben wir den berühmtesten Kandidaten gewählt. Lasst uns etwas Neues probieren“, twitterte Hickenlooper.

Mehr: Erstmals streiten sich die Top 20 der demokratischen Präsidentschaftskandidaten in TV-Debatten. Das könnte die Dynamik des Wahlkampfs verändern.

  • dpa
  • ap
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