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TV-Duell Johnson drückt sich im Botschafter-Streit um eine klare Antwort, Hunt kritisiert Trump

Die Kandidaten für das Amt des britischen Premiers standen sich in einem TV-Duell gegenüber. Hunt kann vor allem bei einem Thema punkten, Johnson setzte auf Emotionen.
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Womit Boris Johnson gegen Jeremy Hunt im TV-Duell punkten konnte

London Am Dienstagabend haben sich die beiden Kandidaten für das Amt des britischen Premiers erstmals bei einem TV-Duell gegenübergestanden. Eine Stunde lang lieferten sich Boris Johnson und Jeremy Hunt einen hitzigen Schlagabtausch. Beide Politiker werden die Erwartungen ihrer Unterstützer erfüllt haben: Boris Johnson spielte seine bekannte Rolle als zerzauster Brexit-Enthusiast und Entertainer, Jeremy Hunt versuchte, nüchtern und staatsmännisch zu wirken. Und so dürfe Johnson trotz einiger Patzer und ausweichender Antworten seine Rolle als Favorit verteidigt haben.

In der Debatte bekräftigten beide Politiker ihre Entschlossenheit, am 31. Oktober den Brexit durchzuziehen. Beide wollen zuvor versuchen, mit der EU einen Deal auszuhandeln. Wenn man die Vorbereitungen auf die No-Deal-Option nur ernsthaft genug vorantreibe, werde die EU schon die Entschlossenheit Großbritanniens erkennen und einen besseren Deal anbieten, sagte Johnson. „Wir waren schon am 29. März fast fertig mit den Vorbereitungen“, sagte der Ex-Außenminister, der vor einem Jahr aus Protest gegen den Brexit-Kurs der britischen Regierung von seinem Amt zurückgetreten war. „Wir können nicht noch einmal den Brexit verschieben.“

Und selbst wenn man sich nicht mit der EU einigen könne, so Johnson, habe Großbritannien dann 39 Milliarden Pfund, die eigentlich für Brüssel bestimmt waren und die man dann einbehalten werde. Um die Antwort auf die Frage seines Rivalen Jeremy Hunt, ob Johnson zurücktreten werde, sollte der Brexit nicht am 31. Oktober stattfinden, drückte Johnson sich. Er werde keine Option ausschließen, welche die Verhandlungsoption Großbritanniens verschlechtere, wich Johnson aus. Es war nicht die einzige Antwort, die Johnson schuldig blieb – und das fiel unangenehm auf.

Klar punkten konnte Hunt dadurch vor allem beim Thema USA: Seit eine Zeitung am vergangenen Wochenende vertrauliche Depeschen des britischen Botschafters in den USA veröffentlicht hatte, in denen dieser die US-Regierung als dysfunktional beschrieb, ist das Verhältnis zwischen Großbritannien und den USA angespannt. Auf Twitter beschimpfte US-Präsident Donald Trump den britischen Diplomaten als „Dummkopf“ und kritisierte zugleich den Brexit-Kurs von Noch-Regierungschefin Theresa May. Diese Kommentare seien „inakzeptabel“ und „falsch“, stellte Hunt darauf klar und stärkte dem Botschafter den Rücken – Boris Johnson drückte sich auch hier um eine deutliche Antwort.

Die TV-Debatte zeigte einmal mehr, dass Boris Johnson die Briten emotional anspricht, ohne sich mit Fakten aufzuhalten – und dass er damit ankommt. Viele Briten wünschen sich, dass der Austritt aus der EU vollzogen wird und trauen dabei den vollmundigen Versprechen Johnsons, selbst wenn dieser Fragen über das „Wie“ des Brexit schuldig blieb und lieber nebulös verkündete, dass man aus dem „Hamsterrad des Grauens“ ausbrechen und endlich wieder zuversichtlich sein müsse.

Am 23. Juli wird der Nachfolger von Theresa May offiziell ernannt. Bis dahin können die rund 160.000 Mitglieder der konservativen Regierungspartei – umgerechnet rund 0,35 Prozent der britischen Wähler insgesamt – per Briefwahl abstimmen. Johnson hatte von Anfang an als haushoher Favorit gegolten. Das war auch nach ersten Auftritten bei Wahlkampf-Veranstaltungen der Fall, selbst wenn zwischenzeitlich ein lauter Streit Johnsons mit seiner Partnerin landesweit für Schlagzeilen und Debatten sorgte.

Einer Umfrage von Yougov vom Wochenende zufolge wollen 74 Prozent der Parteimitglieder für den Ex-Außenminister stimmen. Sein Rivale, der aktuelle Außenminister Jeremy Hunt, kommt nur auf 26 Prozent. Die Debatte könnte Boris Johnson ein paar Punkte gekostet haben – aber nicht den Posten des Premiers.

Mehr: Labour-Chef Jeremy Corbyn fordert ein neues Brexit-Referendum. Wieso er sich in diesem Fall gegen den Brexit aussprechen würde, lesen Sie hier.

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