TV-Fragestunde mit dem Kremlchef Die große Putin-Show mal anders

Sonst verkündet Russlands Präsident Wladimir Putin in seiner großen TV-Fragestunde die Reparatur von Wasserleitungen und verschenkt Prinzessinnenkleider. Doch diesmal geschah im Staatsfernsehen etwas Unerwartetes.
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Der russische Präsident und der „Heiße Draht“: Mehr als drei Millionen Fragen seien im Vorfeld für den Kremlchef eingegangen. Quelle: Reuters
Wladimir Putin

Der russische Präsident und der „Heiße Draht“: Mehr als drei Millionen Fragen seien im Vorfeld für den Kremlchef eingegangen.

(Foto: Reuters)

MoskauEs sollte nicht weniger als das Ereignis des Tages sein, sagten die Fernsehmoderatoren fast parallel auf den beiden großen russischen Staatssendern. Mehr als drei Millionen Fragen seien für den Präsidenten im Callcenter eingegangen, auch per MMS und Videobotschaft. Es seien nur noch wenige Minuten bis zum Auftritt des Präsidenten. Die Spannung steige. Schon im vergangenen Jahr hatten mehr als die Hälfte aller Fernsehzuschauer zugeschaut, wie Wladimir Putin Dutzende der Fragen beantwortete.

Doch wenn der Kremlchef mit festem Schritt und zu dramatischer Musik vor die Fernsehkameras tritt, dann ist tatsächlich selten die Stunde für Überraschungen. Insbesondere, wenn es um seine jährliche Fragestunde mit dem Volk geht. Dann präsentiert Putin sich als der große Problemlöser, lässt in fernen Dörfern Wasserleitungen reparieren oder verschenkt Prinzessinnenkleider an junge Mädchen in der Provinz. Die Journalisten und Fragesteller im Studio treten meist als bequeme Sparringspartner auf.

Auch diesmal haben viele erwartet, dass Putin seinen „Heißen Draht“, den die beiden Staatssender parallel übertragen, dazu nutzen wird, um sich als Retter in der Not zu präsentieren. Doch die Sendung läuft gerade erst einige Minuten, als die Millionen Zuschauer etwas erleben, was im Russlands staatsorientierter Fernsehlandschaft eigentlich nicht stattfindet.

Putin war gerade dabei, über angebliche Erfolge beim Krisenmanagement zu referieren, etwa, dass die Wirtschaft im jüngsten Quartal nicht geschrumpft sei. Doch Plötzlich kontert der sonst zahme Moderator Kirill Klejmenow: „Ihre Statistiken klingen gut, doch in der Realität sieht alles weniger rosig aus.“ Auch der Grund für den steigenden Rubel liege kaum am Krisenmanagement, so der Journalist, sondern am wieder steigenden Ölpreis und am extrem hohen Leitzins.

Warum Wladimir Putin niemals krank sein darf

Ein Seitenhieb, den Putin erwartet hat? Putin reagierte verschnupft: „Sie haben mir wohl nicht genau zugehört. Ich habe sehr wohl erwähnt, dass es Probleme gibt, wenn auch geringer als erwartet.“ Tatsächlich weiß derzeit wohl keiner, was in Russlands Fernsehen geplant und was spontan abläuft. Bereits 2009 hatten Studenten Vorwürfe gegen das Staatsfernsehen erhoben, ihnen vorgefertigte Fragen im Vorfeld einer solchen Sendung gegeben zu haben.

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6 Kommentare zu "TV-Fragestunde mit dem Kremlchef: Die große Putin-Show mal anders"

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  • " Sein Kopf, so Putin, verstehe das theoretisch, doch man müsse auch auf das Herz hören."
    Da ist bei den westlichen Machthabern nichts zu holen. da geht es nur ums Geld. Und wenn einige Tausend Griechen sterben, weil sie sich den Arzt nicht mehr leisten können: Egal, Hauptsache, die Rendite stimmt!

  • Wer von den dt. Medien Neutralität verlangt, der kann auch genau so gut verlangen, dass ein Löwe Vegetarier wird.

  • Eine Fragestunde an die Politiker können sich unsere Machthaber offensichtlich nicht leisten! Zu weit sind sie von der Realität weg. Offensichtlich steht Putin seinem Volk näher.

    Die Kanzlerin in Deutschland faselt noch davon. dass es allen gut gehe, während die Rentner auf Altersarmut in Größenordnungen zusteuern! Fernab jeglicher realität.

    Auch die weitgehend wirtschaftshörigen Medien sind ewig weit von der Realität weg, und beschränken sich - zumindest in den Privatmedien - darauf, das Volk geistig niederzuhalten und auf Nebenschauplätzen zu beschäftigen.

    Wie interessant war es jedoch kürzlich zu erleben, wie ohnmächtig die Politikmarionetten gegenüber Pegida waren, die sich eben nicht auf derartige Medienspiele einlassen wollten. Plötzlich fanden Politiker wieder den Weg zum Volk und nicht nur in die Aufsichtsräte der Konzerne, deren Interessen sie vertreten!

  • Putin erkennt zusehends, was embedded journalism im Westen auch nicht zu leisten vermag: Probleme zu lösen.

  • Fernsehshows sind hier Shows und in Russland. Da erwartet ja wohl keiner ernsthaft Neutralität. Die erwarte ich aber in Nachrichtensendungen und da ist sie auch bei uns keineswegs immer gegeben.

  • Was die Fragenstellung angeht

    Es ist Hierzulande nicht anders! Der/Die Befragte muss sich doch auf die Fragen
    vorbereiten. Oder doch auswendig lernen?
    Wofür haben wir sonst Sekretäre u.a ??

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