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TV-Interview Ex-Premier Cameron nennt Boris Johnson „unehrlich“

Der Ex-Premier gibt sein erstes TV-Interview seit Jahren. Darin teilt er gegen Johnson aus – und berichtet von einer SMS, die die zwei Männer vor dem Referendum austauschten.
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Ex-Premier David Cameron nennt Boris Johnson „unehrlich“ Quelle: AP
David Cameron

Der britische Ex-Premier übt harsche Kritik an Boris Johnson.

(Foto: AP)

London Lange war nichts mehr von David Cameron zu hören – dabei war er es, dessen Entscheidung, das britische Volk über die EU-Mitgliedschaft abstimmen zu lassen zu den chaotischen Jahren seit dem Referendum 2016 führten. Doch der Ex-Premier zog es bei all den hitzigen Debatten über das Für und Wider der EU-Mitgliedschaft vor zu schweigen. Bis jetzt.

Am Donnerstag startet der Verkauf seiner Memoiren. Und nachdem die „Times“ schon Auszüge aus seinem Buch veröffentlicht hatte, trat der 52-Jährige an diesem Montagabend erstmals auch vor die Fernsehkameras – und zeigte Reue. „Wenn Sie mich fragen, ob ich etwas bedauere? Ja“, sagte Cameron bei dem Interview des Senders ITV, sichtlich aufgewühlt.

„Ob es mir leidtut, in welchem Zustand sich das Land nun befindet? Ja“. Ob er „mit verantwortlich sei? Ja“, sagte Cameron. Es war „mein Referendum, meine Kampagne“. Gleichwohl verteidigte er die grundsätzliche Entscheidung, eine Volksbefragung über die EU-Mitgliedschaft einzuberufen.

„Das war richtig“, beteuerte er, „unausweichlich“, aber „nicht alles, was danach passiert ist, musste so passieren“. Großbritannien habe danach „den falschen Weg eingeschlagen“. Er sei immer der Meinung gewesen, dass Großbritannien als Mitglied der EU bessergestellt sei als allein.

Bei der Wahl im Juni 2016 hatten mit 17,4 Millionen Briten 51,9 Prozent der Wähler für den Ausstieg aus der EU gestimmt. Seitdem verhandeln Brüssel und London über die Konditionen des Brexit, der den Planungen der aktuellen Regierung um Premier Boris Johnson am 31. Oktober stattfinden soll.

Cameron war am Tag nach dem Referendum zurückgetreten. „Aber ich war der Meinung, dass ich nicht die Glaubwürdigkeit hatte, das Resultat des Referendums umzusetzen“, sagte Cameron. Er habe es gehasst, seinen Posten aufzugeben, „aber ich habe versagt“.

Johnson habe aufseiten der Romantiker stehen wollen

Am Vorgehen des aktuellen Premierministers Johnson übte Cameron Kritik. Das Parlament in eine Zwangspause zu schicken, sei übertrieben gewesen, urteilte er, selbst wenn dieser Schritt legal sein möge. Ob das so ist, muss der Oberste Gerichtshof entscheiden, vor dem dieser Fall ab Dienstag verhandelt wird.

Darüber hinaus sagte Cameron, dass Johnson im Vorlauf des Referendums für den Austritt aus der EU geworben habe, sei unehrlich gewesen. Johnson habe damit gerechnet, dass die Brexit-Befürworter die Wahl verlieren würden, er wollte aber nicht die Chance verstreichen lassen, „auf Seiten der Romantiker, Patrioten und Nationalisten zu stehen“, sagte Cameron.

Mai 2014: Der damalige Premierminister David Cameron mit Boris Johnson, zu der Zeit Bürgermeister von London. Quelle: Reuters
Bahnfahrer

Mai 2014: Der damalige Premierminister David Cameron mit Boris Johnson, zu der Zeit Bürgermeister von London.

(Foto: Reuters)

Unmittelbar bevor Johnson seine Unterstützung für die Brexit-Bewegung offiziell verkündet habe, habe er Cameron eine SMS geschickt, mit der Prognose, dass der Brexit ein Ende finden werde „wie ein Frosch von einer Egge“, in Anlehnung an ein Gedicht des britischen Autors Rudyard Kipling – also abrupt und schmerzhaft. Trotzdem habe Johnson sich für die Brexit-Kampagne engagiert.

Besonders harsche Kritik übt Cameron aber an seinem ehemaligen Freund Michael Gove, der mittlerweile Johnsons rechte Hand und im Kabinett für die No-Deal-Vorbereitungen zuständig ist. Gove habe ihm versprochen, nicht für den Brexit zu werben. Immerhin habe Gove schon lange Bedenken gegenüber der EU-Mitgliedschaft gehabt.

Dann wurde er zusammen mit Johnson einer der Wortführer der Kampagne und habe dort Dinge behauptet, die nicht der Wahrheit entsprachen. Sie seien in den berühmten roten Brexit- Bus „eingestiegen und ließen die Wahrheit zuhause“.
Dass Cameron selbst zurück in die Politik kehrt, schloss er aus. „Ich liebe dieses Land“, sagte er. „Aber ich denke, es wird nicht dazu kommen, dass ich wieder in die erste Reihe der Politik kehre. Und das sollte es auch nicht.“

Mehr: John Bercow, scheidender Präsident des britischen Unterhauses, sagt Premier Boris Johnson den Kampf an: Den Brexit könne es nur mit Zustimmung des Parlaments geben.

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