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Über 200 Festnahmen Gewalt eskaliert bei Gelbwesten-Demonstrationen in Paris

Mehr als 100 Menschen sind bei den Demonstrationen in Paris verletzt worden, darunter elf Angehörige der Sicherheitskräfte. Die Polizei setzte Tränengas, Blendgranaten und Wasserwerfer ein.
Update: 01.12.2018 - 20:16 Uhr Kommentieren
Bei den Demonstrationen der „Gelben Westen“ in Paris ist es rund um die Prachtstraße Champs-Elysees zu massiven Ausschreitungen gekommen. Quelle: Reuters
Straßenfeuer

Bei den Demonstrationen der „Gelben Westen“ in Paris ist es rund um die Prachtstraße Champs-Elysees zu massiven Ausschreitungen gekommen.

(Foto: Reuters)

ParisParis erlebt ein drittes Wochenende der Gewalt. Am frühen Samstagabend breiteten sich die Straßenschlachten auf die Viertel abseits der Champs Elysée und des Triumphbogens aus, wo sie am Morgen begonnen haben. Zahlreiche Bankfilialen wurden zerstört, Autos umgestürzt und angezündet. Mobilisierte Schlägergruppen waren unterwegs, die in den zahlreichen kleinen Straßen kaum von der Polizei zu stellen sind. Die zählte am frühen Abend 205 Festnahmen und mehr als hundert Verletzte.

Friedliche Demonstranten, gegen Steuererhöhungen protestierende Gelbwesten, waren auch am Samstag nach Paris gekommen, hatten aber keinerlei Chance gegen die Randalierer. Schon am frühen Vormittag kam es zu Zusammenstößen zwischen vermummten Demonstranten und der Polizei. Die setzte diesmal darauf, die Champs Elysées zu schützen, wo es vor einer Woche zu großen Zerstörungen und Plünderungen von Geschäften gekommen war.

An allen Zugängen der bekanntesten Avenue von Paris sowie rund um den Elysée-Palast kontrollierte die Polizei anfangs die Demonstranten, ließ aber schon bald niemanden mehr durch. Die auf möglichst viel Zerstörung abzielende Gewalttäter verteilten sich auf die angrenzenden Viertel. Ampeln wurden umgestürzt, Müllcontainer, Autos und alles, was sich sonst zum Anzünden eignet, aufgeschichtet und direkt neben Wohnhäusern in Brand gesetzt.

Währenddessen forderten Soziologieprofessoren und Vertreter der extremen Linken und Rechten in Talkshows, man müsse Verständnis haben für „die Wut des Volkes, die sich hier entlädt“. Das Volk war allerdings nicht sehr zahlreich in die Hautstadt gekommen, auf dem Höhepunkt zählte die Polizei 5000 Demonstranten.

Die Feuerwehr hatte Mühe, zu den Brandherden vorzudringen und wurde an manchen Orten von den Vermummten angegriffen. Genau wie einige Fernsehteams. Neben brennenden Autos stehend warfen mit Atemmasken geschützte Demonstranten den Medien vor, sie würden die Ereignisse dramatisieren.

Viele Geschäfte und Cafés hatten sich bereits am Freitag mit Holzplatten geschützt, um ihre Waren und ihr Mobiliar in Sicherheit zu bringen. Doch einige Schlägertrupps rissen die Holzplanken ab, um Barrikaden zu bauen, die sie anzünden. Unter einem wolkenvergangenen Himmel vermischten sich Rauch und Tränengas zu einer beißenden Mischung. Dem harten Kern der professionell ausgestatteten Schläger machte das wenig aus. Obwohl die Ordnungskräfte 5000 Leute aufgeboten haben, ist die Ordnung in der Hauptstadt vielerorts zusammengebrochen.

Die Bewegung der Gelbwesten distanziert sich zwar von der Gewalt, hält aber daran fest, dass sie demonstrieren dürfe wann, wo und wie sie wolle. Die „gilets jaunes“ in ihren Leuchtwesten wirken führungslos: Nur wenige Tage, nachdem acht Sprecher gewählt worden waren, sind diese zurückgetreten. Sie begründeten das damit, dass ihre Legitimation bestritten wurde und sie von radikaleren Kräften innerhalb der Gelbwesten teilweise persönlich bedroht worden seien

Eric Drouet, 33-jähriger Lkw-Fahrer, der seit Wochen als Wortführer auftritt, sagte in einem Video auf Facebook: „Es muss richtig knallen, jedes Wochenende.“ Die Blockaden sollten sich „auf das konzentrieren, was den Behörden weh tut, wie Treibstoffdepots.“ Andere Urheber der Bewegung fürchten eine Radikalisierung und sprachen sich gegen eine erneute Demonstration in Paris aus.

Was wollen die Gelbwesten erreichen? In der Nähe des Triumphbogens sagten Jugendliche, die sich um eine Fahne des Elsass geschart hatten: „Weniger Steuern und dass Macron abhaut.“ Und dann? „Wählen wir einen neuen Präsidenten, am besten Marine Le Pen“. Was soll dann besser werden? „Die schmeißt die Ausländer raus, die arbeiten nicht und liegen uns auf der Tasche.“ sagt einer von ihnen, der seine große Atemschutzmaske abnimmt. Ein anderer widerspricht: Die Ausländer solle man in Ruhe lassen, aber Macron müsse weg.

Der Präsident war derweil weit weg, auf dem G20-Treffen in Argentinien. Auch wenn die Bewegung der „gilets jaunes“ zahlenmäßig geschrumpft ist: Im Moment sieht es nicht danach aus, als wollten sie Macron eine Ruhepause gönnen und abrüsten. Selbst bei den gemäßigten Aktivisten dringt Macron mit seinen Zugeständnissen und Argumenten, mit seinem Angebot zum Dialog, nicht durch.

Der Ärger über hohe Steuern sitzt bei vielen Franzosen tief, die aber im selben Atemzug bessere staatliche Dienstleistungen fordern. Am Freitag waren von acht eingeladenen Vertretern der Gelbwesten nur zwei erschienen. Im Moment ist offen, ob die Regierung die Lage beruhigen kann.

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