Übung für den Bündnisfall Nato-Großmanöver in Norwegen – „Natürlich ist das wegen Russland“

50.000 Nato-Soldaten aus 31 Nationen üben ab Ende Oktober für den Bündnisfall. Laut Nato-Chef Stoltenberg ist das Szenario „fiktiv, aber realistisch“.
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Marder-Schützenpanzer der Bundeswehr warten auf den Schiffstransport für das Großmanöver der Nato in Norwegen. Zu der Übung Trident Juncture werden Soldaten aus 29 Nato-Staaten sowie aus Finnland und Schweden erwartet. Quelle: dpa
Marder-Schützenpanzer

Marder-Schützenpanzer der Bundeswehr warten auf den Schiffstransport für das Großmanöver der Nato in Norwegen. Zu der Übung Trident Juncture werden Soldaten aus 29 Nato-Staaten sowie aus Finnland und Schweden erwartet.

(Foto: dpa)

FrederikstadSogar für die Soldaten ist es etwas Besonderes: Mit gezückten Smartphones fotografieren sie, wie sich die Ladeklappe des riesigen Transportschiffs langsam öffnet – und schließlich die ersten Panzer der Bundeswehr mit lautem Getöse herausfahren, dunkle Wolken ausstoßend.

Es sind die Vorbereitungen für einen Krieg – wenn auch nur für einen simulierten: Vom 25. Oktober bis zum 23. November 2018 findet in Norwegen die größte Nato-Übung seit Ende des Kalten Krieges statt.

50.000 Soldaten üben für den Ernstfall, dass ein Nato-Staat wie Norwegen angegriffen und der Bündnisfall ausgerufen wird. Seit September bringen 180 Flugzeuge und 60 Schiffe Ausrüstung und Personal aus 30 Nationen in das skandinavische Königreich. Auch Schweden und Finnland, beide keine Nato-Mitglieder, machen mit.

An diesem Nachmittag fahren 31 deutsche Soldaten im Hafen von Frederikstad die Kriegsfahrzeuge bis abends aus dem Schiff. Derzeit geht es in den Endspurt: Immer mehr Güter kommen in immer kürzeren Abständen auf norwegischem Boden an, werden geprüft und müssen in die Übungsgebiete transportiert werden.

10.000 Fahrzeuge, 120 Flugzeuge und 70 Schiffe werden für die Übung benötigt. Es ist eine logistische Großleistung.

Dass die Militärübung „Trident Juncture“ in diesem Jahr so groß ausfällt, ist als politisches Signal zu werten: Seitdem Russland die Krim annektiert hat, fühlen sich die Nato-Länder Polen, Litauen, Lettland und Estland bedroht von ihrem Nachbarn.

Die Staaten haben in den vergangenen Jahren stark aufgerüstet und fordern das auch von ihren Alliierten, um Russland abzuschrecken.

Besonders die russische Exklave Kaliningrad gilt als großes Risiko für eine politische Eskalation. „Trident Juncture“ ist ebenfalls eine Antwort auf Russlands Großübungen: Im September hatte das bislang größte russische Militärmanöver mit 300.000 Soldaten, 1000 Flugzeugen und 36.000 Kampffahrzeugen stattgefunden, wie Moskau behauptet.

Ob die Zahlen wirklich stimmen, wird in Brüssel bezweifelt. Dennoch ist man sich sicher, dass es sich um ein sehr, sehr großes Manöver gehandelt habe. Die Amerikaner werfen den Russen zudem einen möglichen Bruch des Abrüstungsvertrags für nukleare Mittelstreckenwaffen (INF) vor.

Übung für den Ernstfall

Von offizieller Seite heißt es, das Manöver habe nichts mit Russland zu tun. Zwar habe Norwegen eine gemeinsame Grenze, die Militärübung finde aber 500 Kilometer entfernt statt. „Die Übung ist defensiv“, sagte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Zudem sei Russland eingeladen worden, Beobachter zu schicken.

Auch für die Tatsache, dass das Manöver im Norden Europas stattfindet und nicht etwa im Süden, hat die Nato eine simple Erklärung: 2015 hatte das Großmanöver – damals mit 36.000 Soldaten – im Mittelmeerraum stattgefunden, um für einen Ernstfall in der Hitze zu trainieren.

Diesmal gehe es um Einsatzbereitschaft in kälteren Regionen. Doch hinter vorgehaltener Hand heißt es dann doch: Ja, es ist wegen Russland.

Knut Fleckenstein, außenpolitischer Sprecher der Sozialdemokraten im Europaparlament, spricht das auch direkt aus: „Natürlich ist das wegen Russland.“ Sowohl die russische Armee als auch die Nato-Staaten müssten üben, sonst könnten sie sich im Ernstfall nicht verteidigen.

Und es gehöre zum Ritual, einerseits zu sagen, dass ein Großmanöver mit dem jeweils anderen nichts zu tun habe, und sich andererseits über die Übungen des Gegenübers aufzuregen, sagt Fleckenstein.

Aber klar sei: „Die Soldaten üben nicht für einen Angriff aus Guatemala, sondern von jemandem, der von oben kommt – und da liegt Russland.“ Genauso hätten die Russen bei ihrer Übung sicher nicht an Burkina Faso als Gegner gedacht.

In den Worten von Nato-Generalsekretär Stoltenberg klingt das dann so: „Das Szenario ist fiktiv, aber realistisch.“

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