Ukraine-Konflikt Krisentreffen bringt keinen Durchbruch

Fünf Stunden redeten die Außenminister aus Russland und der Ukraine in Berlin. Die russische Seite erklärte, es habe Fortschritte gegeben. Davon wollte der ukrainische Vertreter nichts wissen.
Update: 18.08.2014 - 07:47 Uhr 13 Kommentare

„Ziel bleibt ein Ruhen der Waffen in der Ukraine“

Berlin/KiewEin Krisentreffen zum Ukraine-Konflikt in Berlin ist ohne konkretes Ergebnis zu Ende gegangen. Nach russischer Einschätzunghabe es aber Fortschritte gegeben. Man sei übereinkommen, den Dialog in dieser Form fortzusetzen, erklärte das russische Außenministerium am Montag. Bei künftigen Treffen könnten Vorschläge für eine Deeskalation unterbreitet werden.

An dem knapp fünfstündigen Gespräch am Sonntagabend hatten der russische Ressortchef Sergej Lawrow und seine Kollegen aus der Ukraine, Deutschland und Frankreich teilgenommen. Auch Außenamtschef Frank-Walter Steinmeier erklärte in der Nacht, es habe einzelne Fortschritte gegeben.

Der ukrainische Außenminister Pawel Klimkin widersprach: „Um Fortschritte zu erzielen, muss man sich wohl noch viele Male für fünf Stunden treffen“, teilte er über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Es seien „schwierigste Gespräche“ gewesen.

Steinmeier hatte zu dem Treffen eingeladen, um Wege zu einem Waffenstillstand auszuloten und zu einer wirksamen Grenzkontrolle zu kommen. „Es war ein notwendiges Gespräch in einer schwierigen Zeit“, sagte Steinmeier. „Aber ich glaube und ich hoffe, dass wir in einzelnen Punkten Fortschritte erreicht haben.“ Es gehe darum zurück in einen politischen Prozess zu kommen, mit dem sich die Krise nach und nach überwinden lässt.

Zu den Themen zählten auch humanitäre Hilfe für die Menschen im ostukrainischen Kampfgebiet. Vor dem Treffen hatte Steinmeier davor gewarnt, „dass wir immer weiter hineinschlittern in eine Konfrontation unmittelbar zwischen ukrainischen und russischen Streitkräften.“ Das müsse auf jeden Fall vermieden werden.

Steinmeier, Klimkin, der französische Außenminister Laurent Fabius und der russische Außenminister Sergej Lawrow sprachen ohne Berater miteinander. Solch kleine Formate werden gewählt, wenn ein möglichst offener Austausch angestrebt wird. Auf ein Gespräch im Kaminsaal der Villa folgte ein Abendessen, das am späten Abend noch andauerte.

So sieht der Krieg aus
Ukrainian servicemen ride on a truck as they patrol an area in the eastern Ukrainian town of Vuhlehirsk
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Während seit Tagen um den russischen Hilfskonvoi für die Ostukraine gestritten wird, gehen die Kämpfe um die Städte Donezk und Lugansk unvermindert weiter. Auf diesem Bild sind Soldaten der ukrainischen Armee zu sehen, die im Ort Wuhlehirsk Position bezogen haben. Die Kleinstadt liegt genau zwischen Hochburgen der Rebellen, Donezk und Lugansk.

huGO-BildID: 38690109 In this photo taken Thursday, Aug. 14, 2014, a Ukrainian soldier sits atop of a self-propelled gun as an army column of militar
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Was nach einem lustigen Ausflug aussieht, ist bitterer Ernst: Ukrainische Soldaten auf dem Weg ins Kampfgebiet.

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Schwer bewaffnet rollen die Soldaten auf Panzern durch eine Ortschaft, die sie wenige Tage zuvor von den Aufständischen zurückerobert hatten.

The sky is lit shortly after a shelling in Donetsk
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Die Großstadt Donezk unter Feuer: Auf diesem Bild vom 14. August ist der Nachthimmel hell erleuchtet von explodierenden Granaten.

huGO-BildID: 38689835 In this photo taken on Thursday, Aug. 14, 2014, A Ukrainian government soldier prepares a mortar on the position behind a fron
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Die Regierungstruppen versuchen seit Wochen, die beiden Rebellenhochburgen Lugansk und Donezk zu erobern, doch leisten die prorussischen Separatisten erbitterten Widerstand. Die Armee verstärkte ihren Beschuss der beiden Industriestädte im Osten des Landes.

An armed pro-Russian separatist points at a bus riddled with bullet holes at a checkpoint on the outskirts of Donetsk
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Dieser Bus an einem Checkpoint vor Donezk wurde von Kugeln der Rebellen durchsiebt. Dabei wurden am Mittwoch zwölf Kämpfer des nationalistischen Rechten Sektors getötet. Die Neonazis sollen für das ukrainische Militär gekämpft haben.

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Die ukrainische Armee ist zurück: Einwohner eines Ortes begrüßen Soldaten, die die Rebellen offenbar in die Flucht geschlagen haben.

Vor und während des Treffens dauerten die Kämpfe in der Ostukraine an. Prorussische Separatisten schossen nahe Lugansk ein Kampfflugzeug vom Typ MiG-29 ab. Die Aufständischen berichteten zudem vom Abschuss eines Kampfjets vom Typ Suchoi Su-25. Auch am Boden tobten am Sonntag weiter heftige Gefechte zwischen Armee und Aufständischen - auch während der Gespräche in Berlin. Nach unbestätigten Berichten der Bürgerkriegsparteien gab es Dutzende Tote.

Klimkin bat vor dem Treffen die EU und die Nato um militärische Hilfe. Die Gefahr einer russischen Invasion sei allgegenwärtig. Ständig sickerten Kämpfer und Kriegsgerät aus dem Nachbarland ein, beklagte der frühere ukrainische Botschafter in Berlin im Deutschlandfunk.

Einem ukrainischen Militärsprecher zufolge sollen allein in der Nacht zum Sonntag von russischem Territorium aus drei Raketenwerfer vom Typ Grad in das Kampfgebiet geschafft worden sein. Die Separatisten bestätigen auch selbst, Militärunterstützung aus Russland erhalten zu haben. 30 Panzer sowie 1200 auf russischem Gebiet ausgebildete Kämpfer seien zur Verstärkung gekommen, verkündete ihr Anführer Andrej Sachartschenko in einem Video.

Die russische Führung bestritt eine direkte Beteiligung am Konflikt. „Wir haben mehrfach gesagt, dass wir keine Technik dorthin liefern“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow russischen Agenturen zufolge.

In dem Konflikt kämpfen Aufständische seit Monaten für eine Loslösung ihrer selbst ernannten „Volksrepubliken“ Donezk und Lugansk von der Ukraine.

  • dpa
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13 Kommentare zu "Ukraine-Konflikt: Krisentreffen bringt keinen Durchbruch"

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  • Wenn man in der Ukrain Ruhe haben will, darf man aber nicht schon wieder an anderen Orten zündeln und Putin verärgern.
    Diese kriminelle EU ha geade an Moldawien einen Riesenkredit gegeben. Alles #Dinge, die nicht sein dürften.
    Wann begreifen wir eigentlich, dass wir auf dem russ. Kontinent nichts zu suchen haben?
    Die EU selbst schafft eine Krise nach der anderen und diese unselige Kanzlerin macht mit und schweigt

  • Es ist gut wenn man miteinander spricht und auch verstaendlich, dass es bei einem solchen defizilen Projekt nicht sofort zu einer Loesung kommt.
    Nichts desto trotz wuerde ein bisschen Druck auf die Ukrainische Regierung nicht schaden, die ja komplett auf Gewalt setzen (so wie sie an die Regierung gekommen sind)Denn ich bin ueberzeugt, das ein solcher Konflikt nicht mit Waffengewalt beendet werden kann. Wer immer gewinnt, wird trotzdem Verlierer sein.
    Es waere angebracht, dass die EU endlich Position bezieht und klarmacht, dass die USA sich besser um den Nahen Osten kuemmern sollen. Europaeische Probleme sollten auch durch Europaeer geloest werden. Ich moechte nicht, dass wir dann alle die Suppe ausloeffeln, die uns die Amis eingebrockt haben. Es reicht langsam mit den organisierten Revolutionen.

  • Enge Absicherungskonzepte bei den Value-Aktien Depot kann man jedem nur raten. Wie man am Freitag gesehen hat, liegen die Nerven der Anleger wohl blank.

    Trotzdem eine herrliche Zeit, wo endlich Bewegung in den Markt kommt.

  • 1.) Hilfsgüterkonvoi:

    Beim Öffnen der ersten Fahrzeuge sind diese größtenteils nur halbvoll oder noch weniger und teilweise nur Salz und Wasser?? Scheint so als ob der Konvoi nur Putin´s Propagandazwecken dient aber nicht wirklich Hilfsgüter enthält!!

    2. nächtlicher Einmarsch von Fahrzeugkolonnen:

    Jetzt ist einmal zufällig in Anwesendheit ein paar engl. Journalisten der tagtägliche Wahnsinn passiert, das geschieht schon seit Monaten fast täglich!!!

    3. Steinmeier: Angst vor offenen Konflikt zwischen Rußland und Ukraine:

    Herrschaften! Wo lebt der Mann?! Die Kämpfer dort sind eingschleuste Russen und keine Ukrainer. Der Konflikt ist schon längst da!

  • Ich habe den Link vergessen: http://www.bbc.com/news/world-europe-28817347

  • Es scheint, den Kommentatoren ist die Brisanz der Situation nicht bewusst. Wie man heute bereits an anderer Stelle im HB lesen konnte, werden bei der NATO bereits die Kriegstrommeln gegen Russland geschlagen. Wie nicht anders zu erwarten, benutzt die USA mit der NATO als Wurmfortsatz die Selbstbestimmungsbemühungen der Menschen in der Ostukraine zum Kriegstreiben gegen Russland. Klar, dass wir Deutschen mal wieder mitten drin sitzen, denn wo würde ein bewaffneter Konflikt wohl ausgetragen? Es muss daher in unserem Interesse sein, die Situation zu deeskalieren. Das KANN nicht so aussehen, dass wir dem Abschlachten der Zivilbevölkerung durch die ukrainische Armee tatenlos zusehen, denn der Mord an den Russen in der Ostukraine MUSS die Russen in den Konflikt hineinzwingen. Jede andere Option würde in Russland ein innenpolitisches Chaos auslösen. Es ist das, was die USA mit der Unterstützung der selbsternannten "Regierung" in Kiew erreichen will: Außenpolitische Isolation Russlands und innenpolitische Destabilisierung. Ein auf Europa beschränkter Weltkrieg wird dabei billigend in Kauf genommen. Ein instabiles Russland kann nicht im Interesse der Europäer sein. Daher muss Steinmeier Gespräche führen soviel er kann. Dass dabei nicht automatisch Lösungen herauskommen ist angesichts der Interessenlage klar. Einzig ein Europa, das seine Interessen klar und deutlich vertritt und klar macht, dass es sie auch gegen den Willen der USA bereit ist durchzudrücken, könnte die Situation bereinigen. Schein ein langer Weg zu sein bis dahin.

  • BBC: Prime Minister of Donetsk Republic wrong translated.

    BBC: Mr Zakharchenko, who became the prime minister of the self-declared Donetsk People's Republic (DPR) last week, made the announcement to the rebels' parliament on Friday, with a video of his speech (in Russian) posted on YouTube.

    Littering the speech with military jargon, he said: "There are, at present, in the axis of the corridor [linking rebels in Donetsk with those in Luhansk and the Russian border] - there have been assembled -reserves of the following order: 150 units of military hardware of which about 30 are actual tanks and the rest are infantry fighting vehicles and armoured personnel carriers, and 1,200 personnel who underwent four months of military training on the territory of the Russian Federation."
    The rebel leader went on a Russian pro-Kremlin TV channel on Saturday to reject reports that the hardware had come from Russia.
    "The Ukrainian military have left us so much hardware that we can't find enough people to crew it - I mean tanks, troop carriers, Grad [multiple rocket] launchers and so on," he told Life News (video in Russian).
    He added that "ethnic Ukrainian" volunteers from Russia, not servicemen, were fighting for the rebels, along with "Turks; a great many Serbs; Italians and Germans; and even two Romanians".

    Mr Zakharchenko hat also nicht gesagt das die Anti-Kiew Kräfte Russische Tanks, usw. empfangen haben von Russland: Absolut Nicht. Sie haben sie bekommen oder erbeutet von das Pro-Kiew Militär. Dass hat er gesagt.

    Also, dies ist wieder ein 'False Flag' Übersetzung! Mann kan die Ukraine und dem Westen einfach nicht mehr trauen. Bitte Handelsblatt: Seien so nett um in Namen der Wahrheit immer die Fakten auf zu spüren. Es wird ihnen absolut unterscheiden von die Amerikanische Puppy-Zeitungen wie FAZ, SudDeutsche, Spiegel, Die Welt, Die Zeit.

  • Der hyperaktive und weitgehend erfolglose Außenminister hat wohl zu lange in der Opposition gesessen.
    Der macht vielleicht Randale - kein Tag ohne riesige Statements weltweit zu Waffenlieferungen, Kriegsbeteiligung in Personalunion mit unserem Grüß-August der sich eine stärkere Rolle Deutschlands bei kriegerischen Handlungen wünscht.
    Und was dieser Mumpitz an Kosten verursacht.

  • Schöne Veranstaltung dieses Treffen der Pappkameraden. Rußland könnte den Krieg sofort beenden wenn es die Unterstützung der Terroristen in der Ostukraine beenden würde. Rußland ist aber nicht bereit, einen weiteren territorialen Verlust hinzunehmen.

    Von daher würde es sich anbieten wie beim Hitler-Stalin Abkommen, die Ukraine einfach sauber aufzuteilen. Rußland soll endlich seine Ansprüche auf die Ukraine offenlegen. Dann hätte man zumindest eine Diskussionsgrundlage und würde nicht im Luftleeren Raum diese scheinpolitischen und scheinheiligen Verhandlungen führen müssen.

  • Herr Steinmeier hätte auf die Einhaltung des Maidan-Abkommens (21.02.2014) bestehen müssen, dann wäre es gar nicht zur mittleren Krise gekommen (die große steht uns vielleicht noch bevor).

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