Ukraine-Krieg: Streit über Getreide-Blockade: Kiew sieht Türkei nicht als ehrlichen Vermittler
Der russische und der türkische Außenminister gestern in Ankara: Obwohl Nato-Mitglied, versucht die Türkei, im Konflikt mit Russland eine neutrale Rolle einzunehmen.
Foto: IMAGO/SNAIstanbul. „Entscheidungen über landwirtschaftliche Produkte in der Ukraine sollten unter Beteiligung aller interessierten Parteien getroffen werden“, erklärte Wassyl Bodnar – und wurde noch deutlicher: „Vereinbarungen, die die Interessen der Ukraine nicht berücksichtigen, werden von uns abgelehnt.“
Seine Regierung arbeite derzeit mit den Vereinten Nationen „und unseren Partnern“ an der Möglichkeit, einen humanitären Korridor für den Export von Agrarprodukten aus der Ukraine einzurichten. Die Türkei gehört offenbar nicht mehr zu den Partnern der Ukraine.
Das kommt einem Misstrauensvotum gegenüber der Türkei als Vermittler im Ukrainekrieg gleich. Tatsächlich war in dem Gespräch zwischen dem russischen Außenminister Sergej Lawrow und seinem türkischen Kollegen Mevlüt Cavusoglu über die Ukraine geredet worden, und zwar zuungunsten des Landes. Lawrow machte die Ukraine selbst für die Blockade von ukrainischem Getreide in Häfen am Schwarzen Meer verantwortlich. Die Ukraine weigere sich bislang, ihre Häfen zu entminen oder anderweitig Durchfahrten von Frachtschiffen zu gewährleisten.
Faktisch blockiert die russische Marine seit Beginn des Angriffskriegs auf das Nachbarland vor mehr als drei Monaten die ukrainischen Schwarzmeer-Häfen. Die Ukraine, weltweit der viertgrößte Getreideexporteur, sitzt deshalb auf den eigenen Vorräten fest.