Ukraine Schlicht und einfach Krieg. Mitten in Europa.

Russlandtreue Separatisten wollen 100.000 Kämpfer mobilisieren. Junge Ukrainer dürfen das Land nicht mehr verlassen, weil sie eingezogen werden. Der Osten der Ukraine brennt und Europa ist ratlos. Eine Analyse.
120 Kommentare

Sollten die USA Waffen an die Ukraine liefern?

StockholmUS-Raketen für die Ukraine? Tatsächlich erwägen die USA, der Ukraine Waffen zur Verteidigung gegen die von Russland unterstützten Separatisten im Osten des Landes zur Verfügung zu stellen. Zwar kam heute die Botschaft aus dem Weißen Haus: „In der nahen Zukunft“ würde Amerika noch keine Waffen liefern. Doch einen Bericht der „New York Times“, nach dem die USA konkret über Lieferungen nachdenken, wies der Sicherheitsberater von Präsident Barack Obama, Ben Rhodes, nicht direkt zurück.

US-Präsident Barack Obama habe seine Berater angewiesen, laufend „alle Optionen“ zu prüfen, heißt es. Sollte es tatsächlich zu einer solchen Entscheidung kommen, wäre damit eine weitere, noch gefährlichere Eskalationsstufe in diesem seit fast einem Jahr herrschenden Krieg erreicht.

Es ist wahr: Die diplomatischen Bemühungen haben trotz unermüdlicher Versuche bislang zu überhaupt keinem Erfolg geführt. Auch die Wirtschaftssanktionen des Westens gegen die Eskalationspolitik des Kremls fruchten bislang nicht. Im Gegenteil: Die Kämpfe in der Ostukraine sind in den vergangenen Tagen erneut eskaliert.


Die Gefechte um den Verkehrsknotenpunkt Debalzewo haben eine Gewaltstufe erreicht, die den Begriff Konflikt als zynisch erscheinen lässt. Es herrscht schlicht und einfach Krieg. Mitten in Europa. Allein seit dem Wochenende kamen in der Region rund 50 Menschen ums Leben, darunter wieder viele Zivilisten. Und die ukrainische Armee ist auf dem Rückzug, die Übermacht russischer Kämpfer und Waffen ist einfach zu groß.

Die von Russland mit modernem Kriegsgerät unterstützten Separatisten haben zudem angekündigt, schon in der kommenden Woche bis zu 100.000 Kämpfer mobilisieren zu wollen. Die Zahl ist sicherlich übertrieben, doch die Ansage zeigt auch, wie kompromisslos sich die Rebellen geben. Und sie können sich diese Übertreibungen leisten, denn für Nachschub ist stets gesorgt.

Neue Eskalationsstufe
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120 Kommentare zu "Ukraine: Schlicht und einfach Krieg. Mitten in Europa."

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  • dabei wäre die Lösung so einfach. bewaffnete Blauhelmtruppen zwischen die beiden Streithähne.

    Oder noch einfacher alle dschihadisten einfach dazwischen setzen :-)

  • Das ist genauso schlimm wie nicht neu: Auf dem Balkan war es vor 20 Jahren auch Realität

  • Ben Rhodes, ist das der Nachkomme des Milliardärs Cecil Rhodes, der sich einst ganze Staaten kaufte?

  • Sehr gut analysiert!!! Aber dann im Endkommentar die falschen Schluesse ziehen. Das ist wieder die typisch deutsche Reflektion

  • Der Artikel von Helmut Steuer bemüht sich wenigstens, die Kriegsschuld nicht umzudrehen. Schließlich sind es russische Truppen, die außerhalb ihres Territoriums kämpfen und nicht die ukrainischen in Rostov am Don. Die Haltung dahinter ist aber fragwürdig. Natürlich muß man erstmal reden. Aber wenn Europa redet, hat es kein Konzept, das sich auf die Ukraine bezieht. Wenn wir reden, sagen wir nonverbal, macht es mal nicht so schlimm, damit unsere Wirtschaftsverbindungen nicht leiden. Auch unsere Sanktiönchen klingen fast wie Entschuldigungen, statt konsequent zu sein. Wenn wir über diesen Konflikt reden, reden wir über uns selbst. Mich erinnert die deutsche Appeasement-Politik an die Konfliktlösungsstrategie einer überforderten Mutter bei streitenden Söhnen. Sie glaubt, wenn die Kinderlein aufhören zu streiten oder es einfach leiser tun, gibt es das Problem nicht mehr. Mutter braucht den Streit gerade nicht, weil sie genervt ist, also wird er weggeschwiegen oder weggeredet, zugedeckt aber nicht gelöst.
    Aber beim Konflikt in der Ostukraine leidet eine spätfeudale Großmacht unter Phantomschmerz und Reformstau. Deshalb zettelt sie einen Krieg im Nachbarland an. Die vertraglich gesicherte Nachkriegsordnung ist zerbrochen, die europäische Demokratie ist in Gefahr. Wir sagen heute der Ukraine wie 1938 der Westen zur Tschechoslowakei, sie soll sich mal nicht so haben, und der Frieden sei das kleine Opfer schon wert. Aber hier geht es darum, ob 100 Jahre Geschichte zurückgedreht werden können oder wir dem unsere Solidarität entgegensetzen. Putin mausert sich zum Zaren und versteht nicht, daß wir längst in einer postheroischen Zeit angekommen sind. Heute geht es aber um Wissen, Technologie, soziale Teilhabe und Lebensstandard. Welche Antwort Europa auf die russischen Kriegshandlungen auch geben mag, sie muß so sein, daß sich Rußland auf sein Territorium zurückzieht.

    Zur Freiheit braucht es Mut, habe ich in dieser Zeitung neulich gelesen, wo ist dieser kluge europäische Mut?

  • Oh je, Herr K. Pro-Putin Brille absetzen und genau hinschauen. In den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts war Herr H. auch nur bestrebt "seine" Volksgenossen heim ins Reich zu holen . WIe das ausgegangen ist, ist bekannt und Widerholungen sollten wir unbedingt vermeiden.

  • Herr K.G. - es ist schon atemberaubend, was Sie hier schreiben! Ein Freund, Ukrainer, sitzt genau an der Front und weiß nicht wohin - da die Familie schon immer dort lebt! Und man hat ihn nicht gefragt, was er will - in Russland hat sich das denken der Mächtigen seit Menschengedenken nicht geändert - der einzelne Bürger/Untertan ist reine Manövriermasse - Demokratie Fehlanzeige! Und warum alles? Putins Spielchen! Herr K.G. schämen Sie sich, solche menschenverachtenden Weisheiten von sich zu geben!

  • Herr K.G., hat die Ostukraine nicht die letzten 20 Jahre im Territorium wunderbar gelebt? Hier jetzt nach Haarspalterei zu suchen, ist abwegig. Die Bevölkerung in der Ostukraine wollte sicherlich keine derartige kriegerische Auseinandersetzung, unter der sie jetzt zu leiden hat. Die Krim hat mit den Separatistentreiben im Donbas wenig zu tun. Auch wenn auf der Krim völkerrechtlich gesehen eine zwanghafte Sezession stattgefunden hat, ist das Handeln Russlands nicht zu billigen. Es ist feindselig.Aber wie geschrieben. Das findet nicht im Donbas statt. Ich verstehe aber sukzessiv besser, worauf sich die Pro-Putin Kommentare stützen. Und es macht mich traurig, dass dieser perfiden Proaganda zur Legitimation von Waffengewalt gefolgt wird. Immerhin gibt es hier weitaus mehr Prorussische Kommentare als Kommentare, die friedliche Auseinandersetzungen bevorzugen. Schuld ist der Westen, der Freiheit von Menschen proklamiert. Es ist reine Ironie.

  • Die Analyse des Artikels ist richtig, die Schlußfolgerungen leider nicht, und die Überschrift "Mitten in Europa"...naja, am Rande Europas ist wohl zutreffender.

    Als Tatsachen sind festzuhalten:

    - Diplomatische Lösungen und Verhandlungen sind gescheitert. Sie waren vermutlich auch von vornherein nicht erfolgversprechend, aber einen Versuch war es wert.
    - Sanktionen gegen Rußland sind ebenso gescheitert, und die waren zum Scheitern verurteilt und nicht mal einen Versuch wert.

    Was wäre nun die richtige Politik?

    1. Aufhebung aller Sanktionen, da ineffizient und zum Schaden der Wirtschaft in der EU und Rußland.
    2. "Frieden schaffen mit mehr Waffen": Umgehende Aufrüstung der Ukraine auf einen Stand, daß ein Vormarsch der Separatisten militärisch nicht mehr möglich ist. Die aktuelle Krux ist, daß für die Separatisten aufgrund militärischer Überlegenheit ein Krieg momentan erfolgversprechend ist. Es sollte deshalb so schnell wie möglich ein militärisches Gleichgewicht hergestellt werden.
    3. Die Waffenlieferungen erhält die Ukraine nur unter der Bedingung, daß sie ihrerseits keinen Eroberungsfeldzug gegen die von Separatisten kontrollierten Landstriche unternimmt. Vielmehr muß auf eine politische Lösung hingearbeitet werden. Erfüllt die Ukraine diese Bedingung nicht, wird der Zugang zu EU und NATO dauerhaft ausgeschlossen. Somit ist politisches Wohlverhalten gesichert.

    Das Ende vom Lied wird voraussichtlich sein: die Ukraine wird gespalten. Die heutigen Separatistengebiete im Osten gehen an Rußland, die (West-)Ukraine in NATO und EU, vorausgesetzt, es werden dort entsprechende rechtsstaatliche Verhältnisse geschaffen.

  • richtiger wäre von einer Sezession zu sprechen. Annektion sieht anders aus - s. dazu z.B. das Video Die Krim feiert die "Heimkehr" nach Russland" auf Youtube.

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