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UkraineWegen Korruptionsskandal – Selenskyj entlässt Büroleiter Jermak

Der Korruptionsskandal in der Ukraine erreicht die Regierungsspitze: Nach einer Razzia in seiner Wohnung musste Selenskyjs engster Vertrauter nun zurücktreten.Mareike Müller, Carsten Volkery 28.11.2025 - 17:48 Uhr aktualisiert Artikel anhören
Andrij Jermak, Chef des ukrainischen Präsidialamts: Rücktritt nach Razzia. Foto: Gian Ehrenzeller/KEYSTONE/dpa

Warschau, Brüssel. Der Stabschef des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, Andrij Jermak, ist am Freitag nach einer Durchsuchung seiner Wohnung zurückgetreten. Jermak habe eine Rücktrittserklärung unterzeichnet, teilte Präsident Selenskyj in einer Videobotschaft mit. Selenskyj entließ ihn noch am selben Abend.

Der Präsident sagte, er sei dankbar dafür, dass „Andrij“ – die beiden Politiker sind seit Jahren eng vertraut – die ukrainische Position in Verhandlungen immer adäquat vertreten habe. Es habe sich immer um eine „patriotische Position“ gehandelt, betonte er. Am Samstag werde er Gespräche mit denjenigen führen, die künftig das Präsidialamt leiten könnten, kündigte Selenskyj an.

Am Freitagmorgen hatten ein Dutzend Ermittler der beiden Anti-Korruptionsbehörden Nabu und Sapo Jermaks Wohnung in Kiew durchsucht. Der Leiter des Präsidialbüros erklärte, mit den Beamten zu kooperieren. Die Behörden ermitteln seit 15 Monaten gegen ein Netzwerk aus hochrangigen Beamten und Politikern, die rund hundert Millionen Dollar an staatlichen Geldern beim Atomkonzern Enerhoatom abgezweigt haben sollen.

Vergangene Woche noch hatte Selenskyj eine Entlassung Jermaks abgelehnt. In einer Fraktionssitzung seiner Partei hatte er seinen Stabschef gegen Rücktrittsforderungen von Abgeordneten verteidigt. Am Wochenende dann hatte er ihn als Leiter der ukrainischen Delegation nach Genf geschickt, um mit den USA über den „Friedensplan“ von US-Präsident Donald Trump zu verhandeln. Dies wurde als Zeichen gewertet, dass er an ihm festhalten werde.

Angeklagte eng mit Jermak verbunden

Schon da hatten Experten jedoch gewarnt, dass sich der Korruptionsskandal jederzeit auf Jermak ausweiten könnte. Denn zu eng waren die Angeklagten mit ihm verbunden. Als Rädelsführer wurde Timur Minditsch angeklagt, ein ehemaliger Geschäftspartner Selenskyjs, der sich inzwischen nach Israel abgesetzt hat.

Bei der „Operation Midas“ hatten die Ermittler insgesamt tausend Stunden an Gesprächen abgehört. Medienberichten zufolge wurde in den Mitschnitten auch Jermak erwähnt – unter dem Codenamen „Ali Baba“.

Ukrainischer Präsident Wolodymyr Selenskyj: „Russland will sehr, dass die Ukraine Fehler macht“. Foto: Yorgos Karahalis/AP/dpa

Jermak war seit 2020 der Kabinettschef des Präsidenten. Er hatte das Präsidialbüro zu einem Machtzentrum ausgebaut und Kritikern zufolge komplett auf sich zugeschnitten. Sein Rücktritt wirft nun die Frage auf, wie effizient die Regierung in den kommenden Monaten arbeiten kann. Angesichts der Dauerbelastung im Krieg steht der Regierungsapparat ohnehin unter großem Druck.

Auch könnte nun die Diskussion beginnen, wie viel Selenskyj selbst von der Korruption in den eigenen Reihen wusste. Jermak war ein Schutzschild, der den Präsidenten gegen Kritik abgeschirmt hatte.

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Selenskj appellierte in seiner Videobotschaft an die „Einheit“ der Ukrainer. „Russland will sehr, dass die Ukraine Fehler macht“, sagte er. „Von unserer Seite wird es keine Fehler geben. Unser Kampf geht weiter.“

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