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Umbruch in Libyen Die Absichten sind gut - die Aussichten nicht

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Was wird aus den Vertretern des alten Regimes?

Gerade in Umbruchzeiten ist ein Mindestmaß an Struktur- und Herrschaftswissen für jede Ordnungsmacht unverzichtbar, auch wenn es im Unrechtsstaat erworben wurde. Diese Lehre jedenfalls hat die US-Regierung aus der Intervention im Irak im Jahr 2003 gezogen. Damals wurde die Verwaltung des Landes rigoros »de-Baathifiziert«, Anhänger von Saddam Husseins Staatspartei verloren ihre Jobs. Außerdem löste die westliche Koalition kurzerhand die irakische Armee auf. Beide Maßnahmen entpuppten sich als schwere Fehler, weil sie die neue Regierung wertvoller Ressourcen beraubten und potenzielle Helfer in die Opposition trieben.

Vielleicht lässt sich aus diesem Desaster die bemerkenswerte Ambivalenz erklären, mit der ein Sprecher des Washingtoner Außenministeriums unlängst ein Telefonat zwischen Hillary Clinton und Mustafa Dschalil kommentierte. Schließlich hatte Dschalil bis zum Ausbruch des Aufstands im Februar im Kabinett des Folter- und Mordregimes gedient. Ist es wirklich vorstellbar, dass solche Leute den neuen Staat lenken? »Er ist nicht perfekt, aber wir sind sehr beeindruckt«, ließ Clinton mitteilen. In dem Gespräch war es darum gegangen, wie sich ein Irak-Szenario in Libyen verhindern ließe. Der NTC sei »genau wie wir darauf konzentriert, ein Blutbad zu vermeiden«, sagte Clintons Sprecher weiter. Das hat Vorrang.

Aber es sind nicht nur Vertreter des alten Regimes, die eingebunden werden müssen. Einige mächtige Stämme, wie etwa der der Warfalla, wurden bei der Ämter- und Geldvergabe von Gadhafi begünstigt und waren ihm deshalb loyal ergeben. Irgendeine Rolle werden auch seine Mitglieder im neuen Libyen spielen müssen. Das gilt ebenso für Gadhafis weiteren Familienkreis, den Gadadfa-Clan. Gelingt mit ihnen kein Versöhnungsprozess, droht eine dauernde Spaltung des Landes.

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4 Kommentare zu "Umbruch in Libyen: Die Absichten sind gut - die Aussichten nicht"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wenn man jetzt nicht aufpaßt,werden sich ganz schnell 20 Millionen Chinesen anbieten den Müll wegzuräumen und nebenbei in kürzester Zeit die Infrastruktur wiederherzustellen.Das ganze für Appel und,n Ei,natürlich inklusive Vorverträge für die lukrativen Sachen.
    Die Lybier haben ja vorher wohl auch nichts elber gemacht,was nach Arbeit aussah.

  • schoener Artikel, in Frankfurt am Schreibtisch geschrieben. Natuerlich muessen die Warfalla eingebunden werden, die haben nicht nur den Sicherheitsapparat gebildet - vor allem stellen sie mit 1,5 Millionen Stammesangehoerigen 20-25% der Bevoelkerung. Da kommt ueberhaupt Nichts so, wie es Euch die NATO-Propaganda unterjubeln will. Einigermassen unzensiert schreibt schon jetzt Lorenzo Cremonesi im italienischen CdS, die rebs metzeln jetzt vorrangig Schwarzafrikaner nieder - da besteht kein Risiko der Blutrache - und klauen, was es zu klauen gibt. Dann lassen sich noch die Gelder verteilen, die jetzt aus den USA und Europa fliessen - und dann ist Schluss und Alles wird wie bisher, nur halt ohne Ghedaffi. Das ist eine Stammesgesellschaft und die Bedeutung der einzelnen Staemme ist unangetastet geblieben, zumal die Warfalla und alle Wuestenstaemme des Fezzan nicht am Konflikt teilgenommen haben. Zu Idris's Zeiten hat es schon einmal Parteien gegeben, die wieder aufgeloest wurden, weil sie sich nur die Koepfe eingeschlagen haben. Die grossen Staemme bestimmen, aber binden auch die kleinen ein. Die Nato hat jetzt Partei ergriffen fuer die ultra-traditionelle Bewegung aus Benghasi, aber die Senussi sind nur ca. 40-45.000; ohne NATO-Bomben laufen die schnell nach Benghasi zurueck.

  • Offenbar sind es Demokraten, die plündernd wie eine Vandalenhorde durch Tripolis ziehen, das kann ja gar nicht anders sein... Müssen sich halt noch etwas abreagieren.
    Kleinere Ausrutscher, bei denen verwundete Soldaten im Krankenhaus massakriert wurden und Erschießungen querbeet seien ihnen verziehen, denn es sind ja lupenreine Demokraten, denen mit diesem Artikel Absolution erteilt wird....
    Selbstverständlich ist Deutschland jetzt eingeladen, sich am Staatsaufbau zu beteiligen... vorzugsweise mit bewährter Scheckbuchdiplomatie.

  • "Offenbar sind es Demokraten." Wirklich? Schöne Demokraten, fangen gleich mit Erschiessungen an. Es ging doch nur ums Öl was die Chinesen nicht bekommen sollten. Aber das wollen wir doch nicht hören!

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