Umfrage Griechen verlieren Vertrauen ins System

Die Schuldenkrise in Griechenland eskaliert immer mehr zu einer Krise des politischen Systems. Premier Papandreou büßt laut Meinungsumfrage seine Mehrheit ein. Aber auch die konservative Opposition kann von der Krise nicht profitieren.
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Der harte Sparkurs von Griechenlands Premier Papandreou schadet seiner Partei. Doch auch insgesamt verlieren die Menschen das Vertrauen in die Politik. Quelle: dpa

Der harte Sparkurs von Griechenlands Premier Papandreou schadet seiner Partei. Doch auch insgesamt verlieren die Menschen das Vertrauen in die Politik.

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AthenAusgerechnet im Mutterland der Demokratie verlieren die Menschen das Vertrauen in die Politiker, die Parteien und das Parlament. Würde nächsten Sonntag gewählt, müsste der sozialistische Ministerpräsident Giorgos Papandreou um seine Mehrheit fürchten. Ein Land in tiefer Depression, nicht nur wirtschaftlich sondern auch mental: dieses Bild zeigt das jüngste Politbarometer, eine allmonatliche Umfrage, deren Ergebnisse die Zeitung „Kathimerini“ am Sonntag vorstellte. Im Vergleich zu früheren Erhebungen verzeichneten die Demoskopen des Meinungsforschungsinstituts Public Issue, das die Umfragen durchführt, eine rapide Verschlechterung der Stimmung. Sahen noch im Januar 69 Prozent der Befragten ihr Land „auf dem falschen Weg“, so sind es nun bereits 87 Prozent. Acht von zehn Griechen sind mit ihrem Leben „unzufrieden“. Und mehr als sieben von zehn Befragten fürchten, dass sich ihre persönliche wirtschaftliche Lage in den nächsten Monaten weiter verschlechtern wird. Fast neun von zehn Griechen sind „unzufrieden damit, wie die Demokratie funktioniert“.

Das bekommt vor allem die sozialistische Regierungspartei Pasok zu spüren. Erstmals seit ihrem Wahlsieg im Oktober 2009 verlor sie in der Juni-Umfrage bei der so genannten Sonntagsfrage die Führung: die Partei von Ministerpräsident Giorgos Papandreou, die bei der letzten Wahl 44 Prozent erreicht hatte, liegt jetzt nur noch bei 27 Prozent. Nicht nur bei der Sonntagsfrage erlebt die Regierung einen steilen Absturz. Auf die Frage, welche Partei sie unabhängig von ihrer eigenen Präferenz als nächsten Wahlsieger sehen, nannten noch im Mai 43 Prozent die Pasok. Im Juni waren es nur mehr 22 Prozent. Und während im Mai 33 Prozent in Papandreou den geeigneteren Regierungschef sahen, sind es jetzt nur noch 23 Prozent. Die konservative Nea Dimokratia führt zwar bei der Sonntagsfrage erstmals mit 31 Prozent, kann aber von der Krise nicht wirklich profitieren: 92 Prozent sind zwar mit der Regierung unzufrieden, 88 Prozent aber auch mit der konservativen Opposition. Drei Viertel der Befragten meinen, keine der beiden großen Parteien sei qualifiziert, das Land zu regieren. Zu allen Spitzenpolitikern äußern die Befragten überwiegend abfällige Meinungen. Die Ablehnung reicht von 58 Prozent negativen Beurteilungen für den konservativen Oppositionsführer Antonis Samaras bis zu 69 Prozent für Ministerpräsident Papandreou.

Kein Licht am Ende des Tunnels
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36 Kommentare zu "Umfrage: Griechen verlieren das Vertrauen in die Demokratie"

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  • Die Griechen können gar nicht das Vertrauen in die Demokratie verlieren. Ihre Staatsorganisation ist keine parlamentarische Demokratie, sondern eine riesen Vetternwirtschaft, in der nach jedem Wahlsieg noch mehr Arbeitsplätze in der öffentlichen Verwaltung an Günstlinge vergeben wurden. Diversifikation der Volkswirtschaft, Beseitigung der Jugendarbeitslosigkeit, Lohnerhöhungen im Rahmen des Produktivitätsfortschritts? Fehlanzeige, insbesondere seit dem Eurobeitritt!
    Sorry, jedes Volk hat die Regierung(en), die es verdient!

  • Griechen verlieren das Vertrauen in die Demokratie

    Hallo,

    Hat einer schon diese Demokratie in Deutschland gehesen, ich wär für jden hinweis Dankbar.

    MfG Goldono

  • Ich möchte Sie mal bitten mehr Anstand zu bewahren .
    Auf solche Kommentare kann das HB gerne verzichten !

  • Ackermann hat dagegen gewettert u. Merkel hat gekuscht .

  • "Athen wehrt sich auch gegen den Plan, private Gläubiger wie Banken und Versicherungen bei einer Umschuldung des Krisenlandes in die Pflicht zu nehmen."

    Das sagt doch nun wirklich alles, wie es um die Bereitschaft Griechenlands steht, selbst etwas beizutragen, um aus dem Schuldensumpf zu geraten !

  • "Athen wehrt sich auch gegen den Plan, private Gläubiger wie Banken und Versicherungen bei einer Umschuldung des Krisenlandes in die Pflicht zu nehmen."

    Das sagt doch schon alles über die Bereitwilligkeit, selbst etwas zu tun, um aus dem Schuldensumpf zu geraten !!

  • @Gerd Höhler

    Was soll der Scheiß?

    Die Griechen haben das Vertrauen in deren Parteien verloren, aber nicht in der Demokratie. Bei uns sieht es nicht anders aus!;-)

  • Was heißt denn hier Griechen verlieren das Vertrauen in

    die Demokratie .

    Sollen wir Deutsche die Griechen U. andere Bankrotteure

    noch bedauern , daß ist ja wohl das Allerletzte !

    Sämtliche bankrotte Euro-Südländer haben gegen geltendes

    Recht verstoßen .Sei es Steuerhinterziehung ,Rente für

    Verstorbene auf Dauer usw.

    Die Bankrotteure sollen freiwillig aus der Euro-Währung

    aussteigen , sonst wird es in allen Euro-Ländern zu

    Volksaufständen kommen !

  • Die Deutschen haben die meiste Erfahrung mit Geschenken (DDR). Im Vergleich dazu wäre Griechenland bestimmt preiswert. Wenn dann alle Deutschen verpflichtet würden mindestens 1 Woche pro Jahr Urlaub in Griechenland zu machen, wäre eine Ubernahme Griechenland (übriges die älteste Demokratie) locker zu stemmen.

  • Warum sollte es den Griechen besser gehen als den Deutschen? Wer hat denn hier noch Vertrauen in die Demokratie? Wenn alle Parteien gegen
    Kraftwerke sind, dann können wir froh sein, dass bei uns der Strom aus der Steckdose kommt

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