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Umweltschutz Klimasünder Japan eröffnet den G20-Gipfel

In Osaka präsentiert sich Japan vor der Weltgemeinschaft als Klimaretter. Doch Experten halten die Umweltpläne des Gastgebers für „höchst unzureichend“.
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G20: Klimasünder Japan eröffnet den G20-Gipfel Quelle: Reuters
Umweltaktivisten in Osaka

Experten kritisieren Japans unzureichende Pläne bei der Energiewende. Das Land peilt für das Jahr 2030 immer noch 26 Prozent Kohlestrom an.

(Foto: Reuters)

Tokio Japans Ministerpräsident Shinzo Abe will den G20-Gipfel nutzen, um sein Land öffentlich als Umwelt- und Klimaschutzpionier zu positionieren. Doch Klimaschutzexperten werfen dem asiatischen Land „Greenwashing“ vor: Japan versuche, im Umweltschutz besonders engagiert zu wirken, ohne tatsächlich nachhaltige Pläne präsentieren zu können.

Schon vor Beginn des Gipfels hatte Abe versprochen: „Ambitionierte Gegenmaßnahmen werden eine Toppriorität des Gipfels sein.“ Tatsächlich gibt es auf dem Gipfel bereits jetzt erste Fortschritte, beispielsweise beim Kampf gegen Plastikmüll in den Ozeanen. Außerdem hatte Abe bei der Internationalen Energieagentur einen Bericht in Auftrag gegeben, der sich dem Thema Wasserstoff widmet.

Allerdings klaffen Anspruch und Wirklichkeit laut Experten auseinander: Japan hätte beim diesjährigen Gipfel die Führung im Klimaschutz einnehmen können, meinen Experten des Climate Action Trackers, der von drei Forschungsinstituten getragen und unter anderem vom deutschen Umweltministerium finanziert wird: „Unglücklicherweise legen die jüngsten politischen Entwicklungen nahe, dass das Land lieber auf dem Rücksitz Platz nimmt.“

Der Grund für die harsche Kritik ist ausgerechnet Japans Plan zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen, den die Regierung im Juni verabschiedet hat und am Freitag den G20 vorlegte. Der Plan sei „höchst unzureichend“, um die Erderwärmung wie im Pariser Klimaschutzabkommen auf zwei, geschweige denn 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, monieren die Experten des Climate Action Trackers, die die Klimapläne von 32 Nationen bewerten. Japan sei in Wahrheit auf dem Weg zu einer Erwärmung um vier Grad Celsius.

Auch der in Tokio ansässige Gründer der Energieberatungsfirma Tom O‘Sullivan hält den Plan für „sehr schwach“: „Wir nennen so etwas ‚grün waschen‘“, so der Berater für Investitionen im Energiebereich. Schon die Zielsetzung erscheint den Experten als wenig ehrgeizig. So sehe Abes Klimaplan lediglich vor, die Nettoemissionen von Treibhausgasen so früh wie möglich in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts auf null zu reduzieren. Ebenso wird kritisiert, dass Japan noch immer auf Kohle als Energieträger setzt und großzügig seine ausgedehnten Bergwälder als Kohlendioxidfänger in die Waagschale wirft.

Das japanische Dilemma ist in der Energiestrategie angelegt, die die Regierung 2017 verabschiedet hat. Damals versprach sie, Japans Kohlendioxidemissionen bis 2030 um 26 Prozent zu senken. Allerdings wählte die Regierung 2013 als Bezugsjahr, als die Emissionen nach der Abschaltung aller Atomkraftwerke einen traurigen Höhepunkt erreichten.

Es gibt zwar Fortschritte, wie die Senkung der Emissionen bis 2017 um 8,4 Prozent, aber Umweltschützer kritisieren, dass Japan massiv auf eine hohe Grundlast setzt, die sie mit Atom- und Kohlekraftwerken speisen will. Für 2030 peilt die Regierung 20 bis 22 Prozent Atom- und 26 Prozent Kohlestrom an. Der Rest verteilt sich auf Gas (27 Prozent), Öl (3 Prozent) und erneuerbare Energien (22 bis 24 Prozent).

Dass Japan Atomkraft fördern will, hält O‘Sullivan nicht für problematisch. „Aber das Ziel für erneuerbare Energien beeindruckt mich nicht.“ In den südlichen Landesteilen ist beispielsweise Strom aus Sonnenenergie jetzt schon wirtschaftlich eine Alternative. Da wäre mehr möglich, meint er. Noch stärker wundert er sich über die Flaute bei Windkraft.

Japan sei wie seine Heimat Irland – eine Inselnation. Dabei deckt Irland 23 Prozent der Stromproduktion mit Windkraftanlagen, Japan laut dem Institut für nachhaltige Umweltpolitik (Isep) im Jahr 2018 aber nur 0,7 Prozent. Sonnenenergie produzierte 6,5 Prozent des Stroms, Biomasse 2,2 Prozent und Wasserkraft rund acht Prozent.

Japans Regierung und die Nähe zu den Großkonzernen

Als Grund hinter dem fehlenden Willen zu politischer Führung sieht O‘Sullivan die Nähe der Regierung zu den japanischen Großkonzernen.Das Land hat immer noch große Interessen in der Öl-, Gas- und Kohleförderung“, erklärt der Experte. Die großen Handelshäuser, über die ein Großteil der Energieeinfuhren abgewickelt wird, haben massiv in die Förderung fossiler Brennstoffe investiert, die Reedereien verdienen mit dem Transport. Und die Stromkonzerne haben gerade neue Kohlekraftwerke gebaut, um nach der Katastrophe in Fukushima die Atomstromlücke zu schließen. Bei einem schnelleren Ausstieg aus der Kohle müssten die Unternehmen ihre Investitionen abschreiben, meint O‘Sullivan. „Die Regierung möchte das nicht.“

Auch auf der G20-Umweltministerkonferenz Mitte Juni wurde Abe seinem Anspruch der Führerschaft nicht gerecht. Gastgeber Japan gab seiner Schutzmacht USA nach, die nach der Wahl von US-Präsident Donald Trump aus dem Pariser Klimaschutzabkommen ausgetreten ist. Das Kommuniqué fiel sogar noch hinter den Formelkompromiss vom letzten Jahr in Buenos Aires zurück. Erst als sich die europäischen Staaten weigerten, das Kommuniqué zu unterzeichnen, gelang zumindest eine Bestätigung der bisherigen Sprachregelung.

Doch die Abschlusserklärung des Gipfels ist weiterhin umkämpft. In vielen Punkten stehen 19 Staaten gegen Trump. Allerdings tendieren einige seiner Verbündeten zu neutralen Positionen, um den US-Präsidenten nicht zu verärgern. Die größten Streitpunkte seien das Schiedsgericht der Welthandelsorganisation, Subventionen, die Stahlindustrie und eben das Pariser Abkommen, heißt es aus Kreisen der Unterhändler. Die Erklärung von 2018 gilt als Rückzugsposition. Aber noch ist offen, ob sie allen Ländern ausreichen wird. Es wird nicht leicht für Japans Regierungschef Abe werden, einen Erfolg zu reklamieren.

Mehr: Die Weltgemeinschaft muss sich auf Handel, Daten und Klima konzentrieren. Dazu gehört eine Erneuerung der Welthandelsorganisation WTO, fordert Shinzo Abe im Gastkommentar.

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