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UN-Gipfel Greta Thunberg kommt, aber die meisten New Yorker kümmert das wenig

Die schwedische Klima-Aktivistin wird an diesem Mittwoch mit ihrem Segelschiff in New York erwartet. Dort ist sie jedoch längst nicht so bekannt wie in Deutschland.
4 Kommentare

Greta Thunberg auf der Zielgeraden

New York „Morgen wird es hier jede Menge los sein“, ist sich der junge Mann im weißen Polohemd und mit blauem Baseball Cap sicher. Er arbeitet für die North Cove Marina in New York – den Hafen am Hudson River an der Südspitze Manhattans. Und er weiß, dass hier die Klima-Aktivistin Greta-Thunberg am Mittwoch zwischen vier und sechs Uhr mit ihrem umweltfreundlichen Segelschiff „Malizia“ einlaufen soll.

Im Hafen liegen ein Dutzend Jollen der örtlichen Segelschule, zwei Holzsegelschiffe für Touristen und drei riesige Motorjachten mit Namen wie „Paradigm“ und „Gran Finale“. Im Hintergrund ragt das neue World Trade Center in den Himmel. Auf einem Mini-Spielfeld lernen Kinder im Grundschulalter Tennis. An diesem Ort hatte einst Leonardo di Caprio alias Jordan Belfort in dem Film „Wolf of Wall Street“ auf seiner Megajacht mit Lobstern nach den FBI-Agenten geworfen.

„Sie wird da ganz vorne liegen und sich den Steg mit der Gran Finale teilen“, erklärt der Mann von der Marina und deutet auf den Platz am Kai mit Blick auf die Freiheitsstatue. Der Gegensatz könnte kaum größer sein: Ein schlankes solarbetriebenes Segelrennboot neben einer riesigen, spritschluckenden strahlend weißen Jacht, auf der wohl locker hundert Menschen Platz hätten.

Die Marina-Mitarbeiter gehören allerdings zu den wenigen, die Bescheid wissen. Die Klima-Aktivistin Greta Thunberg ist den meisten New Yorkern kein Begriff. „Greta, who?“, will eine Frau im Business-Look wissen. Auch ein Jogger mit durchtrainiertem, nacktem Oberkörper, der die Aussicht genießt, kann nur entfernt etwas mit der segelnden Klima-Aktivistin anfangen. Eine Meinung habe er zu Greta nicht.

Tatsächlich ist das Phänomen Greta in den USA längst nicht so bekannt wie in Deutschland. In Washington selbst sitzt mit Donald Trump ein Präsident im Weißen Haus, der die menschliche Verantwortung für den Klimawandel negiert. Aufseiten der Demokraten wird im Vorwahlkampf zwar ab und zu über Klimawandel gesprochen. Verantwortlich dafür ist nicht zuletzt der „New Green Deal“, den die junge Demokratin Alexandria Ocasio-Cortez vorgeschlagen hat. Aber es bleibt ein Randthema.

„Ich finde sie fantastisch“

Immerhin einer der Bewohner der teuren Apartments in Battery Park in diesem südlichen Zipfel von Manhattan weiß Bescheid: „Ich finde sie fantastisch. Sie ist mutig und inspirierend. Hoffentlich kann sie etwas bewegen“, sagt Brian Austin, ein grau-melierter Mann mit Sonnenbrille begeistert. Bisher wusste er noch gar nichts von ihrer Ankunft. „Aber ich werde morgen auf jeden Fall herkommen“, sagt er.

Greta Thunberg kommt, um bei dem UN-Gipfel am 21. September zu sprechen und an mehreren Klimaprotesten in der Stadt teilzunehmen. Sie hat aber abgelehnt, den US-Präsidenten zu treffen. Sie wolle keine Zeit verlieren mit Leuten, die „die Wissenschaft leugnen“.

An Bord der „Malizia“ sind auch der norddeutsche Segelprofi Boris Herrmann, dessen Co-Skipper, der Prinz von Monaco, Pierre Casiraghi, sowie Gretas Vater Svante und ein Filmemacher. Das Segelboot war am 14. August im südenglischen Plymouth in See gestochen. Geplant war, dass die Reise etwa zwei Wochen dauert.

An den letzten Tagen hat der Klima-Aktivistin aber ausgerechnet noch das Wetter einen Strich durch die Planung gemacht. Weil der Wind an der Ostküste deutlich abgeflaut ist, fährt die 16-Jährige womöglich später ein als geplant. Außerdem muss die Rennjacht noch den Hudson River bis zu dem Hafen hochfahren, was etwa zwei Stunden dauern dürfte. Und weil das Boot einen Tiefgang von knapp fünf Metern hat, kann es nur zwei Stunden vor und zwei Stunden nach Hochwasser einfahren.

Genaueres wissen vielleicht die vier braungebrannten Frauen und Männer am Kai, auf deren weißen T-Shirts unter anderem das Logo der „Prince Albert II of Monaco Foundation“ prangt. Aber die wollen nichts sagen, nur diesen Satz: „Wir reden nicht mit der Presse.“

Mehr: Greta Thunberg nähert sich ihrem Reiseziel New York. Doch das Team auf der Rennjacht rechnet mittlerweile jedoch mit stark abnehmenden Winden.

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4 Kommentare zu "UN-Gipfel: Greta Thunberg kommt, aber die meisten New Yorker kümmert das wenig"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @Herr Hans Henseler
    Nicht interessiert?
    Immerhin haben Sie den Artikel angeschaut und sogar kommentiert.

  • Die bisherigen Anmerkungen sind sehr interessant! Die kann ich nur unterstützen! Eine vielleicht in der Anfangsphase sinnvolle Initiative wird doch inzwischen gesteuert (aus Werbezwecken?) Der Profi-Segler wird ja von irgend jemand bezahlt. Die Anzahl der Flüge z.B. ist auch in diesem Jahr wieder angestiegen. Ich persönlich fliege sehr selten, weniger aus Umweltgründen, sondern weil mich das ganze Prozedere vor dem Flug nervt.

  • Ein zweiwöchiger Segelturn für die Reise (Beförderung) eines Menschen nach Amerika hat nichts mit Umweltschutz zu tun. Schon eher mit überbordendem Aktionismus und einem Luxus, den sich sonst kaum jemand leisten kann. Es ist für mich anmaßend, dies als Umweltschutz zu vermarkten.

  • Man koennte auch mal die Handelsblatt-Leser fragen, ob sie das interessiert. Mich interessiert es ueberhaupt nicht.